Saarbrücker Henri Hainz hat sich den Titel Deutscher Jugendmeister der Zauberkunst erzaubert

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücker Henri Hainz : Saarbrücker Zauberlehrling betritt große Bühne

Der 17-Jährige Gymnasiast Henri Hainz hat sich den Titel Deutscher Jugendmeister der Zauberkunst erzaubert.

Henri Hainz ist der neue Jugendmeister der Zauberkunst. Im Oktober holte der 17-jährige Schüler aus Saarbrücken den Titel ins Saarland - seit elf Jahren hat kein Saarländer mehr gewonnen. Durch den Sieg hat er sich für die „Magica“, die Deutsche Meisterschaft der Zauberkunst, im Mai nächsten Jahres in Bayern qualifiziert. Hier treten die Gewinner aus allen Alterskategorien gegeneinander an.

Vor zehn Jahren fing er an, sich für die Zauberei zu interessieren. Sein Vater zeigte ihm kleinere Tricks aus dem Zauberkasten, die den damals sechsjährigen Henri so sehr faszinierten, dass er selbst anfing zu üben. Zunächst waren es vor allem Kartenspiele, mit denen er so manchen Erwachsenen verzauberte. Er besuchte Seminare und kaufte sich Bücher, die ihm halfen, seine Zauberei zu perfektionieren. Dabei wird er bis heute von seinem Vater unterstützt.

Beim Besuch des „Magischen Zirkels von Deutschland“, einem Verein, dessen Mitglieder-Spektrum von Hobbyzauberern bis zu international bekannten Magiern reicht, konnte er dann erste Kontakte knüpfen. Der Magische Zirkel von Deutschland ist eine internationale Vereinigung der Zauberkünstler zur Pflege und Förderung der magischen Kunst. Mit rund 2 800 Mitgliedern und 79 Ortszirkeln ist er die wichtigste Anlaufstelle für junge Zauberer. Alle ein bis zwei Monate trifft man sich, um Erfahrungen und Tipps an den Nachwuchs weiterzugeben und zusammen zu zaubern. Auch die „Magica“ wird von dem Zirkel ausgerichtet.

Nach und nach konnte Henri Hainz mit kleineren Auftritten auf Weihnachtsfeiern, Hochzeiten, Sommerfesten und später sogar Firmenfesten Erfahrungen sammeln. Seinen ersten „größeren“ Auftritt hatte er auf der Abschlussfeier der 4. Klasse in der Turnhalle seiner Grundschule. Mit gerade mal zehn Jahren zeigte er dort seine Zauberkünste vor 300  Zuschauern. Der kleine Henri war damals äußerst nevös. Das Lampenfieber konnte er mit den Jahren und weiteren Auftritten ablegen, aber „ein bisschen Nervosität macht einen guten Auftritt auch aus“, sagt er.

Die Anzahl der Tricks lägen mittlerweile im dreistelligen Bereich, erklärt er. Dabei dauert es unterschiedlich lang, bis er ein neues „Kunststück“ beherrscht. Manche lernt er innerhalb nur eines Monats, für schwierigere Zauberei, braucht er auch mal einige Jahre. Das Kunststück, mit dem er im Oktober die Jugendmeisterschaften gewonnen hat, musste er zwei Jahre lang üben. Nun wirkt er so professionell, dass Zuschauer glauben, er habe nie etwas anderes als Zaubern getan.

Dabei muss Henri „nebenbei“ ja auch noch die Schule meistern. Erstaunlich, dass er das alles unter einen Hut bekommt: „Die letzten Jahre hat das ganz gut geklappt, aber jetzt wo es aufs Abitur zugeht merke ich, dass ich wieder mehr für die Schule machen muss. Ich versuche zurzeit einen Mittelweg zu finden.“ Er besucht zurzeit die 11. Klasse des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums in Saarbrücken, mit dem Ziel, dort sein Abitur zu machen. Anschließend möchte er sich zunächst darin versuchen, mit seinen Zauberkünsten seinen Lebensunterhalt zu verdienen. „Dennoch möchte ich etwas Vernünftiges lernen“, berichtet er uns von seinen Plänen. Er hofft einmal Grundschullehramt studieren zu können, womit er die künstlerische mit der sozialen Arbeit kombinieren könnte. Henri bezeichnet dieses Studium aber eher als sein „Backup“. Sein Lebensziel ist es, mit seiner Zauberei berühmt zu werden. Abgesehen davon möchte er sich aber noch nicht festlegen, was seine Zukunft angeht. Wo er sich in fünf oder etwa zehn Jahren sieht, kann er nicht sagen. Er schaut zuversichtlich, aber ohne große Erwartungen auf die bevorstehenden Jahre nach dem Abitur: „Ich möchte nichts planen, ich will das Leben spontan auf mich zukommen lassen.“

Spontan beschreibt ihn als Person sehr gut. Spontanität und Improvisation muss er als Künster auch beherrschen. Aufgrund jahrelanger Erfahrung macht er nur noch selten Fehler auf der Bühnen, aber auch einem gestandenen Zauberer geschieht hin und wieder mal ein Missgeschick. Solche zumeist kleineren Patzer, weiß der Schüler gut zu überspielen, da er schon lange auch das Schauspielen gelernt hat. Seit fünf Jahren spielt er im Jugendclub des Theaters Überzwerg in Saarbrücken, was ihm beim Zaubern sicherlich zu Gute komme. Schauspielerische Kompetenzen, seien auch in der Zauberei sehr wichtig. Zaubern sei eben auch eine Art der darstellenden Kunst.

Es sei ausschlaggebend dass er seine Tricks unterhaltsam vorführe, um beim Publikum gut anzukommen. „Es ist vor allem das Gesamtpaket, das zählt“, sagt er. Er hat sich sogar speziell für seine Auftritte einen Tisch maßschreinern lassen. Die Zauberei ist also kein günstiges Hobby. Sportlich ist der junge Zauberer auch. Neben dem Theater  spielt er auch Handball im Trierer Verein DJK (Deutsche Jugendkraft). Schon seit vielen Jahren fährt er nach Trier zur Ferienfreizeit des Vereins.

Von Kurzfilmen ist der 17-jährige auch sehr angetan. Im Rahmen der Film-AG seiner Schule drehte er gemeinsam mit einem Freund den Film „Mine-Art“. Dieser wurde beim „One Shot Kurzfilmfestival“ in Saarbrücken mit dem „Bunten Lyoner“ ausgezeichnet. Sein zweites Kurzfilm-Projekt, welches erst vor Kurzem entstanden ist, hat er für das Max-Ophüls-Festival, im kommenden Januar eingereicht. Durch die Erfahrungen, die Henri mit der Filmproduktion gemacht hat, leitet er im Saarbrücker Jugendkulturcafé Exodus verschiedene Arbeitskreise zum Thema Film.

Sein soziales Engagement und seine Kreativität lebt er nicht nur in seinen Ehrenämtern und Hobbys aus. Er plant ein Projekt, das Zauberkünstlern aus der Region einen Ort zum Austausch bieten soll. Er möchte die Rahmenbedingungen für regelmäßige Treffen von jugendlichen Amateuren und Profis schaffen und möglichst regelmäßige Treffen organisieren. Dieser „Jugendtreff für Zauberei“ ist zurzeit nur eine Art „Gedankenprojekt“ und eine Umsetzung ist noch nicht in Sicht.