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Saarbrücker City und die Corona-Vorbeugung

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücken : Corona-Vorbeugung in der Saarbrücker City

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, sind viele Geschäfte zu – wie vom Land angeordnet. Die Saarbrücker passen sich an.

In der Saarbrücker Innenstadt herrschte gestern gutes Wetter, in den Straßencafés hätte es voll sein müssen, war es aber nicht. In der Bahnhofstraße war mäßig Betrieb, eine Mischung aus Montagmorgen und Sonntagmittag. Viele Geschäfte hatten wegen der Corona-Krise geschlossen, andere setzten den Betrieb fort.

Eine Verfügung des Landes regelt, wer seine Angebote einstellen muss und wer sie fortsetzen darf. In vielen Fällen ist das klar. Der Textil-Einzelhandel muss schließen, dem kamen alle Betriebe nach. Sie hatten sich am Vortag darauf eingestellt. Aushänge informierten die Kunden. Auch Büchereien bleiben geschlossen.

Apotheken und Drogerien, aber auch die Optiker durften offen sein. Der Zeitungsverkauf darf ebenfalls weitergehen. Davon profitiert Pascale Merges, die auch Zigaretten verkauft. Sie registriert kaum Umsatzveränderungen im Laden – jedoch verkaufe sie Zigaretten öfter in Stangen als sonst üblich. Offensichtlich neigten auch die Nikotin-Konsumenten zum Hamstern. Das Geschäft laufe weiter, nur ein Mitarbeiter sei in Urlaub.

Ganz anders sieht es bei Jochen Gläser aus, der eine Gaststätte am St. Johanner Markt betreibt. Ab 18 Uhr muss er schließen, die umsatzstarken Abendstunden fehlen ihm sehr. In seinem Laden hat er Desinfektionsmittel aufgestellt, damit können Tische gereinigt werden. Abstand zwischen den Gästen ist heute kein Thema, es sind keine da. „Als Unternehmen bekommt man keine Auskunft, und eigentlich bleibt einem nichts anderes übrig, als sich selbst zu helfen“, sagt er. Eine Schließungsverfügung habe er gar nicht bekommen. Er kennt die Rahmenbedingungen nur aus den Medien.

Michael Klinke treibt die Neugierde in die Stadt, wie er selbst zugibt. Er wollte sich ansehen, wie es in der City zugeht, während er selbst bei einer Internetfirma ins Home Office geschickt worden sei. In einem Straßencafé sitzt er mit einem Bekannten, sie achten auf Distanz. „Auf der Arbeit treffen mich keine Nachteile, aber beim Ummelden eines Autos bekam ich in Brebach keinen Termin im Rathaus, in Saarbrücken aber schon. Es ist etwas unklar, wo geöffnet ist und wo nicht“, sagt er. Er halte die Schließung der Textilläden für vernünftig und macht sich generell Sorgen: „Wir sind von den italienischen Zuständen gar nicht mehr weit weg“, sagt er. Die Hoffnung, diese zu vermeiden, rechtfertige harte Maßnahmen.

Lewis Hippchen eilt zu seinem Zug nach Berlin. Er hat dort ein Bewerbungsgespräch bei der Bahn, es wurde nicht abgesagt. Auch der Zug stehe auf dem Plan. Insgesamt trägt er die Maßnahmen der Regierung mit, würde sich aber etwas weniger Panikmache wünschen.

Pascale Merges    Foto: Becker&Bredel. Foto: BeckerBredel
Jochen Gläser  . Foto: BeckerBredel
Michael Klinke   . Foto: BeckerBredel
Lewis Hippchen  . Foto: BeckerBredel

Bei den großen Filialen in Saarbrücken kann man niemanden nach seiner Meinung fragen. Die Läden sind geschlossen, es ist niemand zu sehen. In der Diskontopassage hat man den Eindruck, gerade den Ladenschluss verpasst zu haben. Der Metzger, der Bäcker und die Bank sind offen. Die Fotogeschäfte sind zu. Ebenso der Dekorateur. Der Betrieb ist mäßig, Protest oder Ansturm findet man nicht.