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Saarbrücker Blues & Rootsfestival
Jaulende, schreiende und weinende Töne in der Breite 63

SAARBRÜCKEN. „Weltmusik“, dieses Wort rückte Hans Martin Derow am Freitag bei seiner Begrüßung in den Fokus. Unter den Sammelbegriff packt der künstlerische Leiter der Breite 63 den Blues ebenso wie den Folk. Von Stefan Uhrmacher

Dessen bretonische Spielart liegt ihm besonders am Herzen. Er ist auch Musiker der Folktruppe An Erminig. Und so hat Derow das traditionsreiche Bluesfestival, einst vom Saarbrücker Gitarristen Bernd Dahlmanns aus der Taufe gehoben, im Malstatter Kulturzentrum Breite 63 zum „Saarbrücker Blues- & Rootsfestival“ erweitert.


Dessen zweite Ausgabe am vergangenen Wochenende segelte mit französischen und italienischen Musikern zudem unter der Flagge der Saarbrücker Partnerschaften zu Nantes und der sizilianischen Provinz Agrigento – unter dem Slogan „rencontres – incontri II“.

Für Samstag war Folk mit dem Trio des bretonischen Barden Yann-Fanch Kemener angekündigt und mit der sizilianischen Sängerin Etta Scollo nebst Band.



Der Blues-Freitag startete im vollbesetzten Breite-63-Saal mit dem Italiener Luca Giordano, der einst in Chicago sein Blues-Handwerk vertiefte. Mit seinem Quartett zitierte sich Giordano (Geburtsjahr 1980) durch die verschiedensten Personalstile und Blue-note-Spielarten vom Funky-Blues bis zum Shuffle. Und das machte er kompetent. Besonders gut tönten mehrere Abstecher zum Swing-Blues in memoriam T-Bone Walker. Da bereitete das Stillsitzen Mühe. Giordanos Rhythmusmannen sorgten für anregenden Drive. Der Frontmann selbst punktete mit klangvoller Gesangsstimme, mit durchweg melodischem Spiel und klarer Linie auf der Gitarre. Eine Ohrenweide waren gleichermaßen die säuselnden und gurgelnden Orgelklänge von Tastenmann Fabrizio Ginoble.

Verdiente Ovationen für eine starke Vorstellung von Giordano & Co., dem man freilich künftig noch mehr Mut zu einer eigenen Handschrift wünscht. Anschießend wurde es ein paar Phonzahlen lauter und rockiger, denn nun gehörte das Breite-63-Podium dem alten Hasen Fred Chapellier (geboren 1966) aus Metz. Auch Chapellier (Gesang, Gitarre) ist freilich derzeit ganz auf dem „Tribute to“-Trip. Er stellte seinen Festival-Auftritt unter das Motto „Fred Chapellier plays Peter Green“: Zu hören waren etwa Klassiker à la „The same way“ aus Peter Greens Tagen mit John Mayalls Bluesbreakers anno 1967.

Dabei ließen es Chapelliers Begleiter mächtig krachen, scheppern und stampfen. Der Meister selbst sang anrührend und entlockte den Saiten jaulende, schreiende und weinende Töne. Nun, Chapellier wäre nicht Chapellier, wenn er auch bei der Peter-Green-Hommage nicht seine druckvolle persönliche Note hineingepackt hätte: Ob man derlei Bluesrock mag oder nicht, das war intensiv und ging unter die Haut. Kein Wunder, dass Begeisterung in der Breite 63 um sich griff.