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Saarbrücker Beamter wechselt in die freie Wirtschaft.

Porträt : Ex-Beamter, Unternehmer, Tempelritter

Heiner Eschenbach hat seinen sicheren Staats-Job aufgegeben, um im Leben nicht auf der Stelle zu treten.

Als der Brief kam, in dem die Rentenversicherung Heiner Eschenbach mitteilte, wie das bis zu seinem Ruhestand 2037 sein wird, war der Punkt erreicht: Der 48-Jähre kündigte seinen Job im saarländischen Wirtschaftsministerium und machte sich selbstständig. Heiner Eschenbach übernimmt gerade die Wohnungsverwaltungsgesellschaft von Lothar Arnold. Der geht nun mit 75 Jahren in den Ruhestand. Darüber, dass er den sicheren Staatsdienst verlassen hat, habe sich „die Begeisterung im Verwandten- und Bekanntenkreis in Grenzen gehalten“, sagt Heiner Eschenbach. Aber es „gab auch Leute, die haben motivierende Worte gefunden“, erzählt er.

Im Ministerium habe sich „alles wiederholt“. Und es sei klar gewesen: „Da passiert auch nicht mehr etwas wirklich Neues.“ „Es ist, wie wenn ein Zug in einem Sackbahnhof steht“, sagt Eschenbach, „Du kannst Dich damit abfinden, dass Du da stehst, oder Du musst da wieder raus.“ Der Vater von vier Kindern hat sich fürs das „Raus“ entschieden. Was dabei geholfen hat: „Ich bin nicht so der klassische Beamtentyp. Und das wäre eh nicht mehr lange gut gegangen.“
Lothar Arnold, den Mann der seit einigen Tagen Vorsitzender des Landes-Seniorenbeirats ist, kennt Heiner Eschenbach aus seiner ehrenamtlichen Arbeit für den Verein „St. Arnual blüht auf“. Seit 2004 organisieren die beiden dort unter anderem Kunst- und Genießermärkte. „Lothar Arnold hat erzählt, dass er für seine Firma keinen Nachfolger findet, aber es ihm sehr leid tun würde, den Betrieb auflösen zu müssen“, erklärt Eschenbach. Ein „gewisses Risiko“ sei es natürlich, sich so selbstständig zu machen. Aber zum einen hat seine Frau einen festen Job, der sicherstelle, „dass die Kinder nicht hungern müssen“. „Zum andern ist Frau Arnold noch ein paar Monate im Betrieb und hält mich auch mal am Händchen“, sagt der Neu-Unternehmer.

Dass es in diesem Jahr keinen Kunst- und Genießermarkt geben wird in St. Arnual, liegt aber nicht am neuen beruflichen Engagement. Außer ihm und Roland König, dem Vorsitzenden des Vereins, gebe es keine Helfer mehr, die die nötige Zeit opfern. Wobei sich Heiner Eschenbach auch in der evangelischen Kirchengemeinde Dudweiler als Prädikant, also eine Art Laienprediger, engagiert. Nach Dudweiler sei er gegangenen, weil es damals daheim in St. Arnual in der Kirchengemeinde keine Angebote für Kinder gegeben habe.

Das christliche Menschenbild ist ihm wichtig. Deshalb hat er sich auch den Tempelrittern angeschlossen. Dem Orden, nicht „irgendeiner Gruppe, die auf Mittelaltermärkten Schauschwertkämpfe veranstaktet“, wie er betont. Die Templer arbeiten weltweit in humanitären Einsätzen, kümmern sich um die „christliche Traditionspflege“ und die „Unterstützung von Pilgern“, erklärt Ritter Heiner. Man lese weniger von seinem Orden als von den Johannitern und den Maltesern, weil er „eher im Stillen“ arbeite. Inzwischen ist Heiner Eschenbach Kommandat der Templer-Komturei für die Großregion.

Sein Orden unterstützt auch die Arbeit eines Vereins, dessen stellvertrender Vorsitzender Eschenbach ist: den deutsch-rumänischen Freundeskreis von Wili Gehring. Die Arbeit in diesem Verein erde einen Menschen. Denn: „Wenn man zwei bis drei Tage in Rumänien war, sieht man  unseren Wohlstand mit anderen Augen. Rumänien ist zwar in der EU, aber wer in Rumänien arm ist, der verhungert und erfriert.“ Diese ehrenamtliche Arbeit, sagt Heiner Eschenbach, sei immer wichtig gewesen und bleibe es, egal, ob er sein geld im sicheren Staatsdienst oder in der freien Wirtschaft verdient.