Saarbrücker Autor Bernd Reutler ehrt Komponisten Théodore Gouvy

Porträt : Saarbrücker Autor ehrt Schafbrücker Musiker

Bernd Reutler, 77, hat ein Dramolett über den Komponisten Théodore Gouvy geschrieben, der 1819 in Schafbrücke zur Welt kam.

„Taugt meine Musik etwas, werden die Deutschen sagen, ich sei Deutscher, und die Franzosen werden sagen, ich sei Franzose; taugt sie nichts, werden die Deutschen sagen, ich sei Franzose, und die Franzosen werden sagen, ich sei Deutscher“, sagt der am 3. Juli 1819 in Goffontaine, heute Saarbrücken-Schafbrücke, geborenen Komponist Louis Théodore Gouvy im Dramolett „Monsieur Gouvy und Herr von Chamisso. Ein phantastisches Rendezvous“. Dessen Autor Bernd Reutler, 77, hat Gouvy diese Worte in den Mund gelegt. 

In diesem fiktiven Bekenntnis drückt sich die Zerrissenheit des fast schon vergessenen lokalen Grenzgängers aus, „der im Gegensatz zu seinem Dialogpartner, dem Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso (1771–1838), zeitlebens mit dem Wandern zwischen den Nationen ein Problem hatte“, erklärt Reutler. Und führt weiter aus: „Eine erfundene Situation mit weitgehend erfundenem Dialog, der aber durch den Einbau zeitgenössischer Zitate (zum Beispiel deutsche und französische Kritiken) durchaus plausibel erscheint“.

Der Text stützt sich dennoch weitgehend auf historische Zeugnisse, zeichnet somit Gouvys musikalischen Werdegang biografisch korrekt nach.

Für die Feier des 200. Gouvy-Geburtstages hat der Regisseur und Autor sein bereits 2016 aufgeführtes Stück überarbeitet – mehr Fokus auf Gouvy. Sylvain Teutsch, Gründungsdirektor des „Institut Théodore Gouvy“ (Hombourg-Haut), hatte ihn dazu inspiriert, verrät Bernd Reutler.

Gouvy liegt Reutler schon lange am Herzen. Als Sachverständiger der FDP im Kulturausschuss hat er maßgeblich mit der Unterstützung des verstorbenen HfM-Professors Theo Brandmüller den seit 2010 existierenden „Musikpreis Théodore Gouvy“ des Eurodistricts Saar-Moselle aus der Taufe gehoben – und damit Gouvy im kollektiven Saar-Gedächtnis verankert. Denn obwohl Gouvy zu Lebzeiten in Paris Erfolge feierte und in Leipzig zu den meist aufgeführten Komponisten zählte, wo er 1989 starb – kennt ihn heute kaum noch jemand.

„Gouvy verkörpert im Stück die durch den erstarkenden Chauvinismus zutage tretenden politischen Probleme“, erklärt Reutler und benennt damit ein mögliches Motiv fürs Vergessen. Während man bis Beethoven von einer europäischen Musik sprechen kann, bildeten sich in der Romantik verschiedene Nationalstile aus. Das lässt sich in den im Stück vorgetragenen Zeitungskritiken gut erkennen. Die Kritiker heben immer wieder auf die Frage der Nationalität ab und politisieren damit die Musik.

Dass Gouvy dennoch ein hervorragendes Beispiel für den lebhaften Austausch zwischen den beiden großen Nationen und ihren Stilen ist, hat zumindest ein hellsichtiger Kritiker bereits damals erkannt: „Gouvy ist es gelungen, die französische Anmut, Eleganz und klare Logik mit dem deutschen Geiste und dessen Tiefe und Phantasie zu vereinigen, womit seine Musik zu einem friedlichen und freundschaftlichen Band zwischen zwei Nationen wurde, die die Kultur der modernen Welt tragen.“

Der Schafbrücker Komponist Théodore Gouvy (1819-1898). Foto: institut gouvy, honorarfrei

Zum 200. Geburtstag von Théodore Gouvy laden Saarbrücken und die Deutsch-Französische Gesellschaft Saar zu einem phantastischen Rendezvous in den Saarbrücker Rathausfestsaal ein. Die Pianistin Orsolya Nagy spielt unter anderem Serenaden von Gouvy und Mendelsohn. Der Schauspieler Peter Tiefenbrunner (Chamisso) und Autor Bernd Reutler (Gouvy) werden den Dialog vortragen.

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