Urteil in Strafprozess: Zwölf Jahre Haft nach tödlichem Messer-Angriff in Saarbrücken

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Mit 32 Messerstichen hat ein junger Afghane im April 2019 einen anderen Flüchtling getötet. Jetzt stand er vor Gericht und wurde verurteilt.

Wegen Totschlags hat das Landgericht Saarbrücken einen jungen Flüchtling aus Afghanistan zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Nach Feststellung der Richter hat der 23-Jährige am Abend des 14. April 2019 einen gleich alten Landsmann in dessen Wohnung in Saarbrücken mit einem Messer angegriffen und 32 Mal zugestochen. Dabei habe der Angeklagte mit dem unbedingten Willen zur Zerstörung eines anderen Menschen gehandelt.

Täter und Opfer waren befreundet und Wohnungsnachbarn. Sie gehörten zu einer vierköpfigen Gruppe von jungen Männern, die sich zum Teil schon auf dem Weg von Afghanistan nach Deutschland kennengelernt hatten. Dazu der Vorsitzende Richter in der mündlichen Begründung des Urteils: Der Angeklagte sei in seinem Heimatland bei seiner Familie aufgewachsen und habe dort vier Jahre lang eine Schule besucht. Im Alter von 13 Jahren sei er zunächst in den Iran gegangen, um dort bei einem Onkel zu arbeiten. Als 15-Jähriger sei er schließlich nach Deutschland gekommen und hier als Asylbewerber anerkannt worden. Er habe den Hauptschulabschluss gemacht, eine Lehre begonnen und bis zuletzt eine Arbeitsstelle gehabt. Freude und Bekannten beschrieben ihn als freundlichen und niemals aggressiven jungen Mann. Niemand von ihnen konnte sich letztlich erklären, wie es zu der brutalen Bluttat in Saarbrücken kommen konnte.

Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme dürfte das Ganze etwas mit dem Gefühlsleben des Angeklagten zu tun gehabt haben. Er habe nach dem Ende einer früheren Beziehung deutliches Interesse an einer jungen Frau aus seinem Bekanntenkreis gezeigt. Diese habe jedoch kein Interesse an einer solchen Bindung gehabt. Das habe der Angeklagte nicht verstanden. Er habe deshalb seine Freunde für das Scheitern seiner Bemühungen verantwortlich gemacht, so die Richter. Er habe sich in die Vorstellung hineingesteigert, dass die Freunde ihn bei der jungen Frau schlecht gemacht hätten.

Darüber habe der junge Mann mit seinen Freunden aber nicht geredet. Er habe sich vielmehr von diesen zurückgezogen. Nach und nach habe er sich immer mehr isoliert und gegrübelt. Auch zur Arbeit sei er phasenweise nicht mehr gegangen. Alles Anzeichen für eine klassische Depression. Die Freunde hätten das nicht gewusst und versucht, Kontakt zu halten. Sie machten sich Sorgen. Einer von ihnen, der im gleichen Haus auf dem gleichen Flur wohnte, habe den 23-Jährigen schließlich zum Essen eingeladen. Nach einigem Zögern habe der Angeklagte zugesagt. Er sei in die Wohnung nebenan gegangen und habe ein Klappmesser mitgenommen, das er drei Wochen zuvor gekauft hatte.

„Was dann passiert ist, das wissen wir nicht genau“, betonte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung: „Wir wissen, es gab eine Auseinandersetzung. Den Grund dafür kennen wir aber nicht.“ Der Angeklagte sage dazu lediglich, dass er von dem Freund und Nachbarn beleidigt worden sei. Er habe sich deshalb aufgeregt und sei ausgerastet. Aus der subjektiven Sicht des Angeklagten könnte es so gewesen sein, so das Fazit der Richter. Der junge Mann habe das Ganze wohl so empfunden. Ob es tatsächlich so gewesen sei, das bleibe aber unklar.

Völlig klar seien dagegen die Täterschaft des Angeklagten und der äußere Ablauf des Messer-Angriffs mit insgesamt 32 Stichen und Schnitten. Dieser Angriff sei bis ins Detail von Gerichtsmedizinern rekonstruiert worden. Demnach habe das Ganze mit Stichen gegen Kopf und Oberkörper vor dem Sofa in der Wohnung des Opfers begonnen. Der Mann sei aufs Bett gefallen, habe sich aufgerappelt und taumelnd die Wohnung verlassen. Im gemeinsamen Hausflur sei er dann von vier Stichen ins Herz getroffen worden und verblutet. Er lag dabei fast direkt vor der Wohnungstür des Angeklagten. Der verließ nach der Bluttat das Haus. Später am Abend klingelte er bei einem anderen jungen Mann aus seinem Freundeskreis, bedrohte ihn mit dem Messer. Der Mann rief die Polizei. Der 23-Jährige wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft.

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