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Mysteriöses Telefon: Zwischen Hexentanzplatz und Schwarzenbergturm

Mysteriöses Telefon : Zwischen Hexentanzplatz und Schwarzenbergturm

Der Saarbrücker Stadtwald hat mich angerufen. Er hat das auf ziemlich subtile Weise getan und es so geschafft, sich in Erinnerung zu rufen.

Wenn dieses Telefon klingelt, wer ist dann wohl dran? Der Förster? Ein Jäger, der seinen Hund sucht. Der Naturschutzbund? Der Umweltdezernent? Die Oberbürgermeisterin? Der Geist des Waldes?  Oder doch Edgar Wallace? Wer auch immer: Wahrscheinlich wäre es ziemlich unheimlich, wenn dieses Telefon klingeln würde.

Solche Gedanken gehen mir durch den Kopf, seit mir die Kollegin Kerstin Krämer vor ein paar Tagen dieses Foto mit dem Telefon geschickt hat. Sie hat es im Eschberger Wald aufgenommen, wie sie schreibt, zwischen Hexentanzplatz und Schwarzenbergturm. Sie vermutet allerdings nicht, dass das Telefon klingelt, sondern dass es dafür da ist, dass man es zum Anrufen benutzt. „Zur Kompensation der vielen Mobilfunklöcher im Eschberger Wald gibt es nun offenbar die Möglichkeit, analog zu telefonieren“, sagt sie.
Analog - das war irgendwann früher. Und deshalb, habe ich neulich irgendwo gelesen, sind solche Wählscheibentelefone aus den 70er Jahren, vorzugsweise in Sumpfgrün, bei  jungen Menschen, die besonders cool sein wollen, wieder gefragt.  Rückschritt ist der neue Fortschritt, lautet die Devise. Und das Teil ist ja nicht nur kultig, es dient auch der Entschleunigung. Mann kann mit so einem Telefon nicht hetzen. Ich erinnere mich daran, dass das Wählen einer Nummer früher länger gedauert hat als das Gespräch, denn sich fernmündliuch zu verständigen galt vor 40 Jahren noch als extrem teuer und deshalb hieß es: „Fasse Dich kurz!“

 Ein mysteriöses Fundstück im Eschberger Wald.
Ein mysteriöses Fundstück im Eschberger Wald. Foto: Kerstin Krämer

Die Kollegin hat mich mit dem Foto auf eine schöne Reise durch die Zeit geschickt, ohne, dass ich mich bewegen musste. Natürlich wird das Telefon im Forst nie klingeln. Es liegen dort überhaupt keine Leitungen, die ihm den Kontakt zu irgendjemand ermöglichen. Aber in meinem Kopf klingelt es trotzdem. Ich habe auf der Intenetseite der Stadt nachgeschaut: „Der Saarbrücker Stadtwald ist aus jedem Winkel der Stadt in rund 20 Minuten zu Fuß zu erreichen“, steht da. Der Wald hat mich also angerufen, ich sollte ihn mal wieder besuchen.