Kulturausschuss : Größere und kleine, neue und alte Töpfe für die Kultur

Anträge der freien Szene sind vom Kulturausschuss bewilligt. Der Fonds für die Veranstalter ebenfalls. Zwei Jurys wurden bestellt.

(kek) Um Corona-gebeutelte Veranstalter, Künstler und Kreative zu unterstützen, hat die Landeshauptstadt einen Solidaritätsfonds eingerichtet (die SZ berichtete) – auch das war Thema im letzten Kulturausschuss. Das von Oberbürgermeister Uwe Conradt und Kulturdezernent Thomas Brück vorgelegte und im Stadtrat verabschiedete Konzept beruht auf zwei Säulen.

Wobei Programm A (für Kulturschaffende, Kulturvereine und -Initiativen) mit 103 100 Euro just jenes Budget beinhaltet, das ohnehin als reguläre Projektförderung an die Freie Szene ausgeschüttet worden wäre – man hat dem Kind lediglich einen anderen Namen gegeben.

Anders sieht das für Programm B aus: Da wurde tatsächlich ein zusätzlicher Topf mit 125 000 Euro aufgesetzt, aus dem nun ausnahmsweise auch Kulturbetriebe, Veranstalter, Institutionen und Spielstätten-Betreiber Zuschüsse beantragen können – diese Summe speist sich aus Geldern, die durch die Covid19-bedingte Absage von Altstadtfest, Saar-Spektakel, Perspectives und anderen Veranstaltungen frei wurden.

Anträge der Freien Szene, die zwar bereits gestellt, aber noch nicht bewilligt waren, mussten wegen Corona binnen kürzester Frist noch einmal neu eingereicht werden; zusätzlich wurde die jeweilige Förderhöhe vom Stadtrat auf 7 500 Euro gedeckelt. Die bis 10. Juni erneut eingegangenen Anträge wurden von einer verwaltungsinternen Jury gefiltert und jetzt im Kulturausschuss sang- und klanglos durchgewunken – man darf es als nachträgliche Schadensbegrenzung begreifen, dass man auf die zunächst zur Bedingung gemachte, Corona-taugliche Änderung der Konzepte verzichtete und die bewilligten Projekte notfalls auch noch im kommenden Jahr durchgeführt werden können.

Einige Kulturschaffende hatten jedoch ihre Anträge gar nicht neu gestellt, unter anderem wegen des äußerst knapp bemessenen Zeitfenster des Verfahrens, wie von Seite der Antragsteller verlautet. Dadurch wurde ein Kleckerbetrag von 16 200 Euro frei, der nun weiter über Programm A des Soli-Fonds ausgeschüttet wird.

Auch hier greift eine Deckelung auf 7 500 Euro, während in Programm B maximal 10 000 Euro beantragt werden können. Zur Vergabe wurden im Kulturausschuss zwei je dreiköpfige Jurys inthronisiert, deren Personalien nach Aussage von Kulturamts-Chefin Sylvia Kammer-Emden von der Kulturdezernats-Mitarbeiterin Marisa Winter gemeinsam mit den kulturpolitischen Sprechern und Sprecherinnen der Stadtrats-Fraktionen abgestimmt worden waren.

Für Programm A sind dies Maria Grätzel (Orchestermanagerin der Deutschen Radio Philharmonie), Horst Busch (Chefdramaturg des Saarländischen Staatstheaters) und Volker Schütz, Multimediakünstler, Fotograf, Experimentalfilmer und Autor.

Über Programm B entscheiden die Konzertbookerin und Poprätin Trixi Hussong (Luxemburg, früher Saarbrücken), Oliver Strauch (Jazz-Schlagzeuger und Dozent an der Hochschule für Musik Saar, HfM) und der Kultur-Blogger Sascha Markus, besser bekannt als „Flaneur“. Als Ersatzkandidaten sind der HfM-Dozent (und Ex-Rektor) Wolfgang Mayer und die freie Schauspielerin Elisabeth Brück vorgesehen (A) sowie die SR-Kulturjournalistin Barbara Renno und Dock11-Projektleiter Lars Potyka (B) bestellt.

Anträge für den Solidaritätsfonds können bis einschließlich 30. Juni gestellt werden. Voraussetzung ist, dass Betroffene Veranstaltungen oder Projekte seit März absagen oder verschieben mussten und erhebliche Einnahmeausfälle geltend machen können. Kulturschaffende und -betriebe sind außerdem nur zur Förderung berechtigt, „wenn der Fortbestand nach der Corona-Pandemie beabsichtigt und plausibel“ ist.

Die Anträge sind postalisch einzureichen oder per E-Mail an kreativ@saarbruecken.de; Ansprechpartnerin ist Marisa Winter, Tel. 0681/905-1660, marisa.winter@saarbruecken.de
www.saarbruecken.de/kultur/solidaritaetsfonds