Frühling im Garten : Workout in Floras Namen

Es ist an der Zeit, der Garten wartet auf Bearbeitung. Das beste daran: Wie gesund diese handgreifliche Auseinandersetzung mit der Natur doch sein soll. Wie unersetzlich zur Erhaltung geschmeidiger Muskeln und Wiederherstellung frischer Gesichtfarbe.

Stimulierend und kräftigend sei das, im dunklen, von Milliarden winziger Lebewesen durchsetzen Erdreich zu graben, zu schaufeln und zu jäten. Sich blindlings durch Dornengebüsch zu hacken, um dahinter liegende, längst vergessene Beete freizulegen. Unvermutete Ameisenhaufen unter Rosensträuchern mittels voluminöser Tontöpfe umzusiedeln. Auf Leitern zu steigen, um in Respekt gebietender Höhe Totholz aus den Baumkronen zu klauben und doch nur die Hälfte davon zu erwischen. Die Bestattung all der angenagten, vor Längerem sicher nicht ganz freiwillig verblichenen Säugetiere mit den süßen Öhrchen und langen Schwänzen mal ganz außen vor gelassen. Gesund ist das alles, man muss es noch einmal konstatieren! Jeder Fachmann wird Ihnen das bestätigen. Jeder Gartenfachmann zumindest und jede -fachfrau vermutlich auch. Ob auch jeder Orthopäde diese Ansicht vertritt, weiß ich nicht zu sagen. Berücksichtige ich das sich stündlich steigernde, schmerzliche Ziehen in meinem Rücken, das sich mit jedem Bücken und wieder Aufrichten zu verdoppeln scheint, kommt mir die Betätigung auf und für Mutter Erde gerade gar nicht konditionsunterstützend vor. Vielleicht haben meine Muskeln noch nicht gemerkt, was ich ihnen mit diesem der Flora huldigenden Workout Gutes antue. Eventuell habe ich mich durch die Zeitumstellung verspannt und mein Bewegungsapparat hat an Elastizität verloren. Manchmal schwant mir, das einzig Gesunde an der Tätigkeit draußen ist das vermehrte Einatmen frischer Luft und nicht das Gartengeräteschwingen an sich. Und das einzig Sinnvolle, das Unkraut wachsen zu lassen. Oskar Kokoschka soll gesagt haben: „Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner.“ Genau, trotzdem ist womöglich Gartenarbeit besser als stundenlang vor dem PC zu hocken. Obwohl die Mäuse dort Rädchen haben und blinken.