Wirtschaft regional Ausbildung Kleinbetriebe bilden immer weniger aus

Saarbrücken · Trotz des deutschen „Jobwunders“ ist die Zahl der Ausbildungsplätze rückläufig. Das gilt auch für die lokale Wirtschaft.

Die Wirtschaft boomt, die Beschäftigung steigt und die Steuereinnahmen sprudeln — die Zahl der Ausbildungsplätze nimmt aber ab. Das ist das Ergebnis einer Studie des Soziologischen Forschungsinstituts (Sofi) und der Universität Göttingen, das die Bertelsmannstiftung in Auftrag gegeben hat. Das Fazit gilt für ganz Deutschland, das Saarland sowie den Regionalverband Saarbrücken. „In der Tendenz zeigt sich die unterschiedliche Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung über alle Betriebsgrößen hinweg — besonders dramatisch jedoch bei den Kleinst- und Kleinbetrieben mit bis zu 49 Mitarbeitern“, teilen die Autoren der Studie mit. In Kleinstbetrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern ging zwischen 1999 und 2015 den Angaben zufolge die Zahl der Beschäftigten um 3,2 Prozent zurück, die Zahl der Auszubildenden sogar um ein Drittel. Mehr als die Hälfte dieser Betriebe sind den Branchen Handel oder Finanz- und Versicherungsdienstleistungen zuzurechnen. Absolvierten im Jahr 2008 noch rund 225 000 junge Menschen ihre Ausbildung in Kleinstbetrieben, waren es sieben Jahre später rund 75 000 weniger. Für die Ausbildungsquote bedeutet das einen Rückgang von 7,5 Prozent auf weniger als fünf Prozent.

Ähnlich läuft die Entwicklung für Kleinbetriebe mit einer Belegschaft von sechs bis 49 Mitarbeitern. Diese Betriebe erbringen etwa ein Drittel der gesamten Ausbildungsleistung. Bei ihnen sank die Ausbildungsquote von 7,4 Prozent im Jahr 2008 auf 5,8 Prozent im Jahr 2015. Das entspricht einem Rückgang um mehr als 65 000 auf rund 540 000 Auszubildende.

Von dieser Entwicklung ist auch das Saarland betroffen. Wurden im Jahr 1999 noch 4775 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, waren es 2016 nur 4326, wie die Industrie- und Handelskammer des Saarlandes auf Anfrage mitteilte. Der bisherige Höchststand wurde im Jahr 2008 erreicht, als insgesamt 5344 neue Verträge abgeschlossen wurde. 2008 war das Jahr, als die globale Finanzkrise weltweit die Wirtschaft in Bedrängnis brachte. Seitdem hat sich die Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung in Deutschland entkoppelt. „Trotz deutschen Jobwunders und des damit einhergehenden Fachkräftebedarfs verliert die international so hoch gelobte duale Ausbildung also schleichend an Bedeutung“, stellen die Autoren der Studie fest. Einzig Betriebe mit einer Belegschaft von 50 bis 249 Beschäftigten bildeten 2015 mehr aus als noch 1999. Die Zahl der Auszubildenden in dieser Betriebsgröße hat sich in diesem Zeitraum um 11,3 Prozent erhöht. Allerdings wuchs die Anzahl der Beschäftigten in Betrieben dieser Größe im gleichen Zeitraum mit 19,3 Prozent deutlich stärker.

Die Untersuchung zur Entwicklung der Ausbildung in Klein- und Mittelbetrieben entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Ländermonitor berufliche Bildung 2017“ des soziologischen Forschungsinstituts Göttingen und des Instituts für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung der Universität Göttingen. Grundlage der Analyse sind Daten aus der Beschäftigten- und der Berufsbildungsstatistik.

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