„Wir sind die Band, die mit dem kleinsten Auto angereist ist und die meisten CDs verkauft hat“,

Sonntags ans Schloss : Zu Gast am Saarbrücker Schloss seit 20 Jahren

Die Band Kozmic Blue ist schon mehrmals bei der Konzertreihe „Sonntags ans Schloss“ aufgetreten – so auch dieses Mal. An das Saarland haben sie alle gute Erinnerungen.

Wann sie mit Kozmic Blue ihre erste Matinee bei „Sonntags ans Schloss“ gespielt haben, daran können sich Maggie Mackenthun und Gerhard Sagemüller nicht mehr genau erinnern. Mindestens 20 Jahre muss das her sein, grübeln sie. Eher noch länger. „Das war doch einer unserer ersten Gigs?“ Aber wie das war, das wissen sie noch ganz genau. „Blues sonntagsmorgens um 11 Uhr? Da kommt doch kein Mensch! So dachten wir“, erzählt Sagemüller: „Reicht, wenn wir ein paar Minuten vorher da sind.“ Also lümmelten sie gemütlich im Hotel herum und wollten gerade frühstücken, als der künstlerische Leiter Claude Adam-Brettar vom Kulturforum des Regionalverbands sie um 9.30 Uhr nervös herbei telefonierte. Sagemüller erklärt: „Wir guckten uns nur verständnislos an. Wozu die Hektik? Am Schloss kam uns dann ein aufgeregter Techniker entgegen und fragte, wo der Truck mit der Backline wäre.“ Sagemüller muss lachen, während er sich erinnert. „Backline?“ Kozmic Blue waren damals als Trio mit Mini-Ausrüstung unterwegs – Band und Equipment passten in einen Renault 5. „In zehn Minuten hatten wir Soundcheck gemacht, und als es los ging, hockten da tatsächlich 2000 Leute. Wahnsinn!“

Auch Adam-Brettars Empfehlung, viele CDs mit zu bringen, nahmen die beiden nicht wirklich ernst. Mackenthun sagt: „Wir hatten 70 Stück mit, und die waren ratzfatz weg. Beim nächsten Mal waren wir klüger und haben ganz fix 250 verkauft.“ Saarbrücken sei jedes Mal ein Tour-Höhepunkt und das hiesige Publikum „der Hammer“, meint Mackenthun. „Wir sind die Band, die mit dem kleinsten Auto angereist ist und die meisten CDs verkauft hat“, resümiert Mackenthun. Und eine von den Gruppen, die am häufigsten da waren – jetzt schon zum sechsten Mal. Oder? „Unser letztes Konzert hier war jedenfalls vor sechs Jahren“, meint Sagemüller. „Nee, vor acht!“ korrigiert Keyboarder und Organist Martin Doepke, der seit über 20 Jahren immer mal wieder als Gastmusiker dabei ist und fürs Foto im Hotel hinzu kommt.

„Erzähl Du!“ So geht das die ganze Zeit: Mackenthun und Sagemüller, auch privat ein Paar und bereits mehrfache Großeltern, fallen sich ständig gegenseitig ins Wort, um einander liebevoll zu widersprechen oder einen Faden weiter zu spinnen.

„Sonntags ans Schloss“ feiert in diesem Sommer sein 30-Jähriges, und auch Kozmic Blue werden im September 30 Jahre alt. 1994 wurde die aus Düsseldorf stammende Mackenthun, Tochter einer Deutschen und eines Schotten, vom WDR als Sängerin für ein Led-Zeppelin-Projekt engagiert. Hier lernte sie den Schlagzeuger Gerhard Sagemüller kennen, der für Stars wie Joe Cocker, Drafi Deutscher, Wolf Maahn, Ina Deter, Purple Schulz oder Anne Haigis trommelte und auch als Produzent erfolgreich war. Lange hatte Sagemüller ein eigenes Tonstudio. Er macht auch heute noch bei Kozmic Blue alles selbst: Aufnahmen, Produktion, Management, Booking, Werbung.

Nachdem er 1996 einen Hörsturz hatte, schulte er um auf akustische Gitarre, um bald Percussion und Klampfe miteinander zu kombinieren – tatsächlich spielt Sagemüller beides gleichzeitig. Mit Mackenthun, die außerdem Harp und Querflöte bläst, gründete er das Duo Kozmic Two, das bald um den Bassisten Cläusel Quitschau zum Trio Kozmic Blue erweitert wurde. Der Name wird oft fehlinterpretiert. „Wir sind keine Janis-Joplin-Coverband“, stellt Mackenthun klar. Obwohl ihre Stimme oft mit der von Joplin verglichen wird und sie eine ähnlich wilde Biografie aufweisen kann: Mackenthun verließ ihr Zuhause, als sie noch nicht volljährig war, schulte ihre Röhre beim Tingeln mit Straßenmusik durch halb Europa, wohnte in einem alten Hanomag-Bus und rockte mit diversen Bands. Tatsächlich haben Kozmic Blue auch ein Musiktheater-Stück in petto, bei dem sie Joplins Leben auf die Bühne holen. Hauptsächlich spielt die Band jedoch eigene Songs, bei denen Mackenthun allerdings mit einer ähnlich kompromisslosen Emotion und Leidenschaft singt wie Joplin. „Ich kann gar nicht anders“, sagt sie. 2012 übernahm Justus, Sagemüllers Sohn aus erster Ehe, den Part des erkrankten (und 2016 verstorbenen) Quitschau. Aber weil Justus Physiker ist und nach Skandinavien geht, um dort in Mathe zu promovieren, mussten Kozmic Blue für die Matinee kurzfristig umdisponieren. In die Bass-Saiten griff diesmal Dietmar Bertelt.

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