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Bürgerinitiative
„Wir nennen uns freie Elektronen“

Die Mitglieder der Fairtrade Initiative Saarbrücken. Auch dank ihnen ist die Stadt bundesweit Vorreiterin im fairen Handel.
Die Mitglieder der Fairtrade Initiative Saarbrücken. Auch dank ihnen ist die Stadt bundesweit Vorreiterin im fairen Handel. FOTO: Heiko Lehmann
Saarbrücken. Rund 30 Leute haben sich in Saarbrücken zusammengetan, um für fairen Handel zu werben. Von Heiko Lehmann

„Jeder von uns ist mit der aktuellen Situation in dieser Welt nicht zufrieden. Der faire Handel ist ein sehr gutes Instrument, um etwas zu bewirken“, sagt Fleurance Laroppe, sucht mit einer Hand nach dem Schild am Kragen ihrer Bluse und zeigt dann das Emblem des Fairen Handels darauf. „Es ist nicht schwer, man muss nur wollen. Wir können mit fairem Handel ganz viel erreichen“, sagt Heike Zimmermann. Die beiden Frauen sind von der Fairtrade Initiative Saarbrücken, so etwas wie der FC Bayern München unter den Fairtrade-Organisationen.


„Wir sind kein Verein. Wir sind etwa 30 Personen, die sich spontan zu Themen treffen und Projekte aller Art realisieren. Wir nennen uns freie Elektronen und wir sind schon ein bisschen fair-rückt“, sagt Fleurance Laroppe und lacht. Aber die Erfolge sind vergleichbar mit denen des FC Bayern München. Im Jahr 2009 wurde die Landeshauptstadt Saarbrücken zur ersten Fairtrade-Stadt in der Bundesrepublik Deutschland ernannt. Im Jahr 2014 wurde die Universität des Saarlandes in Saarbrücken die erste Fairtrade-Universität Deutschlands. Mittlerweile ist auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken eine faire Hochschule. Von 16 fairen Universitäten, die es mittlerweile in Deutschland gibt, sind zwei aus Saarbrücken. Alle diese Erfolge gehen auf das Engagement der Fairtrade Initiative Saarbrücken zurück.

„Mittlerweile gibt es 528 Fairtrade-Städte in Deutschland, und wir waren damals die ersten und haben alles ins Rollen gebracht. Das macht uns schon ein bisschen stolz“, so Heike Zimmermann. Weltweit gibt es in 28 Ländern 2000 Fairtrade-Städte. Vorreiter war England, wo sich auch Fleurance Laroppe viele Dinge abgeschaut hat.

Die Fairtrade Initiative Saarbrücken ist das ganze Jahr unterwegs, organisiert Workshops und lädt zu Veranstaltungen ein. Dieser Tage nun war Ester Nyambara Juma aus Kenia zu Gast bei der Initiative. Die Kenianerin arbeitet unter fairen Bedingungen auf eine Rosenplantage. Zehn Prozent von jeder verkauften Rose gehen an den Ort in Kenia, in dem die Plantage liegt. Durch das Geld werden Schulen und Kindergärten gebaut und die medizinische Versorgung verbessert.

Bejard Noupa kommt aus Kamerun, lebt schon länger in Deutschland und gehört auch der Fairtrade Initiative Saarbrücken an. Sie hat in ihrer Kindheit erlebt, was ohne Fairtrade passiert. „Meine Eltern und Großeltern waren Kaffee- und Kakaobauern. Die großen Konzerne konnten unsere Löhne so drücken, dass kein Geld mehr da war, damit ich und meine Geschwister zur Schule gehen konnten“, sagt die Kamerunerin und berichtet weiter, dass sich die Situation in Afrika allmählich verbessere, aber immer noch schlimm ist. „In Westafrika gibt es immer noch etwa 250 000 Kinder, die auf Plantagen Sklavenarbeit verrichten müssen. Ich erzähle das nicht nur, weil ich Afrika kenne, sondern weil ich das alles hautnah erlebt habe. Es muss überall auf der Welt so billig wie möglich sein, aber kaum jemand kennt die Konsequenzen“, sagt Bejard Noupa.