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Interview mit Heads.
„Wir haben  sehr wenige gemeinsame Nenner“

Bei „Heads.“ gehen die Musiker mit Leidenschaft zur Sache.
Bei „Heads.“ gehen die Musiker mit Leidenschaft zur Sache. FOTO: Heads
Der Saarländer Chris Breuer etablierte sich als Musiker in Berlin. Im Juni tritt er mit seiner aktuellen Band „Heads.“ in Saarbrücken auf. Von Kai Florian Becker

Chris Breuer stammt aus Roden und lebt seit einiger Zeit in Berlin. Er hat nicht nur er sein Label Crazysane Records gegründet, er stand als Bassist auch mit „The Ocean“, „Gewalt“ und seiner Sludge-/Noiserock-Band „Heads.“ auf der Bühne. Im Juni gastieren „Heads.“ in Saarbrücken.


Stimmt es, dass Ihre Band „Heads.“ den Ursprung an einem Berliner
Flughafen hatte?

Breuer: Die Flughäfen sind hier in Berlin wirklich sehr leicht zu erreichen, aber ganz so war es dann doch nicht. Da hat der gute Chris von unserem Label „This Charming Man Records“ wohl wieder die große „Sensationskeule“ ausgepackt. Ed und ich haben uns über Craigslist kennengelernt. Er war gerade erst von Melbourne nach Berlin gezogen und hatte in den ersten Tagen nach seiner Ankunft online nach einem Bassisten und einem Drummer gesucht. Ich war zu der Zeit gerade mit „The Ocean“ in China unterwegs. Vor meiner Reise hatte ich eine Anzeige aufgegeben, in der ich nach neuen Projekten beziehungsweise neuen Mitstreitern gesucht habe, die mit mir und meinem doch sehr speziellen Musikgeschmack auf gleicher Wellenlänge liegen.

„Heads.“ sind ein Australier, ein Hamburger und ein Saarländer, und die Basis ist Berlin. Was ist Ihr musikalischer Nenner? Oder hören Sie ganz unterschiedliche Sachen?

Breuer: Unsere Geschmäcker sind ziemlich unterschiedlich. Um ehrlich zu sein, haben wir sehr wenige gemeinsame Nenner. Das haben wir aber nie als Problem verstanden, sondern eher als Herausforderung und als Chance, etwas Besonderes zu erschaffen. Einige Gemeinsamkeiten gibt es dann aber doch: wie zum Beispiel Radiohead oder Suuns, mit denen Ed neulich um die Ecke kam – wir waren sofort total begeistert.



Sie waren Mitglied bei der Saarbrücker Band „Llynch“, mit „The Ocean“ auf Welttournee, haben bei Patrick Wagners Band „Gewalt“ ausgeholfen und betreiben das Label Crazysane Records. Langeweile kennen Sie wohl nicht. Wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?

Breuer: Das weiß ich manchmal selbst nicht, aber irgendwie geht es ja doch immer. Wobei ich mir in stressigen Momenten schon manchmal vorstelle, wie es denn wäre, stattdessen heute noch beim 1. SC Saarlouis-Roden im Tor zu stehen. Bei einem Monatsbeitrag von fünf D-Mark und jeder Menge Sport und Freibier wäre das definitiv die günstigere, gesündere Option gewesen.

Können Sie von der Musik leben, oder gehen Sie noch einem „normalen“ Job nach?

Breuer: Um von der Musik leben zu können, musst du entweder ganz viel Glück haben oder Sachen machen, auf die du keine Lust hast und die nicht deiner Vorstellung von Kunst entsprechen. Ab einem bestimmten Punkt wird alles Arbeit oder zumindest ziemlich eintönig. Ein „normaler“ Job in einer Medienagentur, der mit der ganzen Musikbranche nichts zu tun hat, schafft da Abwechslung und auch ein Stück weit Sicherheit und Unabhängigkeit. Aber solange für einen selber das große Ganze stimmt, nimmt man das gerne in Kauf.

„Heads.“ haben ihr zweites Album „Collider“ veröffentlicht, das von der Presse gelobt wird. Wie fühlt sich das an, wenn man anscheinend alles richtig gemacht hat?

Breuer: Wir fühlen uns auch sehr geschmeichelt, aber etwas „richtig oder falsch“ machen gibt es in dem Zusammenhang für mich nicht. Die Öffentlichkeit kann ihre Meinung dazu sagen, und deren Sichtweisen sind oft ziemlich interessant. Aber am Ende des Tages entscheiden ja wir, was sich für uns gut anfühlt.

„Collider“ ist bei This Charming Man Records erschienen, nicht auf
Ihrem eigenen Label Crazysane Records. Warum?

Breuer: Es wäre eine Option gewesen, aber ich möchte diese Dinge einfach voneinander trennen. Bei „Crazysane“ bin ich Label-Heini und bei „Heads.“ der Typ am Bass. So soll es bleiben.

Hatten Sie bei der Labelgründung ein Vorbild – ein Label, von dem Sie fast alle Veröffentlichungen besitzen?

Breuer: Ich fand Labels schon immer sehr beeindruckend, die das ganz offensichtlich nicht nur tun, um Geld zu scheffeln. Natürlich ist das Ganze ohne Plattenverkäufe undenkbar. Aber manche Labels haben es geschafft, eine Brücke zu schlagen zwischen kommerziell erfolgreichen und eher ausgefallenen, eigenartigen Liebhaber-Veröffentlichungen. Das wären beispielweise Sacred Bones, Sub Pop, Touch & Go, Dischord und so weiter.

Letzte Frage: Was war in Ihrer musikalischen Karriere die bisher
wichtigste Entscheidung?

Breuer (lacht): Das Singen bleiben zu lassen.

Termin: Das Konzert beginnt am Freitag, 15. Juni, um 20 Uhr im Studio 30. Adresse: Das Studio 30 ist in der Mainzer Straße 30 in St. Johann.

Die fragen stellte  
Kai-Florian Becker