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Interview Donots
„Wir haben sehr friedliche Fans“

Die Münsteraner Band „Donots“ spielt am 20. Februar um 20 Uhr in der Saarbrücker Garage.
Die Münsteraner Band „Donots“ spielt am 20. Februar um 20 Uhr in der Saarbrücker Garage. FOTO: Dennis Dirksen
St. Johann. Die Münsteraner Band „Donots“ setzt mit ihrer Musik ein Zeichen gegen Ignoranz in der Gesellschaft. Von Kai Florian Becker

Die Resonanz auf „Lauter als Bomben“, das neueste Album der Münsteraner Alternative-Rocker „Donots“, ist positiv. Mit Platz vier haben die fünf Musiker hierzulande sogar ihre bis dato höchste Album-Chartplatzierung erreicht. Am 20. Februar spielen sie um 20 Uhr in der Garage. Kai Florian Becker sprach mit Sänger Ingo Knollmann.


Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer Musik lauter als Bomben sein können?

Knollmann Nein. Wenn man es ganz platt betrachten will, so glaube ich nicht, dass Musik die Welt verändern kann. Aber ein Song kann durchaus dabei helfen. Ich bin mir im Klaren darüber, dass wir Unterhaltung machen, selbst wenn in unseren Texten sozialkritische oder politische Aussagen mitschwingen. Der Albumtitel kommt ja in zwei Songtexten vor und hat einmal eine positive und einmal eine negative Entsprechung. Das Negative bezieht sich auf die Kriegstreiberei und das 140-Zeichen-Großbuchstaben-Getwitter, das derzeit weltweit grassiert. Auf der anderen Seite soll „Lauter als Bomben“ positive Signale senden, wenn es an einer Stelle heißt: „Unsere Köpfe könnt ihr niemals haben, weil unsere Herzen lauter als Bomben schlagen.“

Haben Sie den Eindruck, Ihre Fans verstehen Ihre Ideale und Ihren politischen Standpunkt?

Knollmann Ich würde sagen, auf das Gros der Fans trifft das zu. Es gibt natürlich immer ein paar, wo Du Dich dann doch wunderst. Etwa wenn Du mitbekommst, dass Deine Band in einer Bestenliste von jemandem auftaucht, der eine Platte von Freiwild abfeiert. Da denkst Du dann schon: Das kann nicht sein, oder? Man muss so was nicht verstehen. (lacht) Ansonsten haben wir sehr friedliche und positive Fans, und ich hoffe, dass sie uns nicht blind folgen und alles unreflektiert nachsagen, was wir rausposaunen. Wenn ich mit ihnen nach den Shows spreche, stelle ich eine große Schnittmenge bei gewissen Themen fest – auch hinsichtlich Religion. Es dürfte ja mittlerweile bekannt sein, dass ich mit Religion nicht viel anfangen kann. Vielmehr halte ich sie für das größte Übel auf diesem Planeten.



Es heißt, Sie hätten genug von „Rassisten, Faschisten, Extremisten, Leichtgläubigen, Nervensägen und Selbstdarstellern“. Werden Sie empfindsamer oder wächst die Zahl der Unsympathen?

Knollmann Ich möchte das alles mit einem ganz klaren Ja beantworten (lacht). Wir sind sicherlich sensibilisiert für einige Themen. Das ist eine natürliche Entwicklung, weil man derzeit Scheiße von allen Seiten ins Gesicht gerieben bekommt, sobald man Nachrichten schaut. Dadurch hat man ein ganz anderes Sendungs- und Empfangsbewusstsein. Anderseits sollte man das alles nicht total überstilisieren und es realistisch betrachten. Unser letztes Album „Karacho“ war eine klassische Nein-Platte: Mittelfinger in diese Richtung, Mittelfinger in jene Richtung. Natürlich kotzen wir auch auf „Lauter als Bomben“ einigen Leuten vor die Füße, und natürlich gibt es genügend Menschen, die ich scheiße finde und die uns hoffentlich auch scheiße finden. Aber es ist auch wichtig, dass man kein völlig verbissener Kulturpessimist wird. Man darf auch über Dinge glücklich sein, die auf diesem Planeten passieren. Wir haben zum Beispiel mittlerweile sieben Band-Kinder. Ich war gestern recht lange auf einem Konzert der Band „Fjørt“, und es gab einige grüne Flaschen zu trinken. Als ich heute Morgen um sieben Uhr geweckt wurde von einem Kind, das gerne Milch trinken wollte, ist das das Schönste, das einem passieren kann, selbst wenn man noch verkatert ist.

Wenn Sie an der Macht wären, was würden Sie ändern?

Knollmann Das mag jetzt fatalistisch klingen, aber ich würde alle Religionen verbieten. Ebenso würde ich dem Turbokapitalismus einen Riegel vorschieben und alle Ländergrenzen abschaffen, ohne dass alle mordend und brandschatzend übereinander herfallen. In Deutschland würde ich rigoros rechte Parteien und auch faschistoides Wording verbieten und alle Mittel dazu ausschöpfen. Wenn man sich die Nazis anschaut, was sie verbal raushauen: Man kann ihnen ja nicht attestieren, dass sie dumm sind. Sie sind sehr intelligent und wissen ganz genau, wie sie verfassungsfeindliche Aussagen umgehen und dennoch ihre faschistoide Scheiße ganz offiziell loswerden. Dagegen würde ich vorgehen.

Die Fragen stellte Kai Florian Becker