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| 20:38 Uhr

Foodsharing
Wie Saarbrücker Essen vor der Tonne retten

Jonas Heintz (links) und Volker Wieland sorgen dafür, dass weniger Nahrungsmittel weggeworfen werden.
Jonas Heintz (links) und Volker Wieland sorgen dafür, dass weniger Nahrungsmittel weggeworfen werden. FOTO: Rich Serra
Saarbrücken. Die Initiative Foodsharing bewahrt Lebensmittel vor dem Müll. Auch in der Landeshauptstadt gibt es einen Ableger. Jeder kann mithelfen. Von Alexander Stallmann

Im Schutz der Dunkelheit parkt Thomas Soßt (Name von der Redaktion geändert) sein Auto an der Ecke eines Saarbrücker Supermarktes. Der junge Mann streift sich schwarze Handschuhe über, steigt aus dem Wagen und schließt vorsichtig die Autotür. Er will keine Aufmerksamkeit erregen. Nachdem er kontrolliert hat, dass ihn niemand beobachtet, schaltet er seine Taschenlampe ein. Soßt ist auf der Suche nach Lebensmitteln. Und zwar nach solchen, die Supermärkte weggeworfen haben.

Über Jahre hinweg rettete der 33-Jährige in Saarbrücken und Umgebung immer wieder Lebensmittel aus der Mülltonne, was auch als Containern bezeichnet wird. „Ich wollte etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun“, sagt Soßt. Nachdem er das Thema Verschwendung und ihre Ursachen über längere Zeit in den Medien verfolgt hatte, kam irgendwann der Punkt, an dem er selbst aktiv werden wollte.  Er sei auf die Lebensmittel nie angewiesen gewesen, habe das gefundene Brot, Obst und Gemüse auch häufig im Freundeskreis verteilt.

Seit einiger Zeit hat Soßt jedoch aufgehört, zu containern. „Die Supermärkte haben ihren Müll immer besser abgeriegelt“, sagt der Saarbrücker. Dennoch engagiert der 33-Jährige sich weiter im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Und zwar bei der Internet-Plattform foodsharing.de. Jener Initiative, die in vielen Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig ist, seit einiger Zeit auch in der Landeshauptstadt.

„Wir arbeiten in Saarbrücken mit 15 Betrieben zusammen“, sagt Jonas Heintz, der sich ebenfalls ehrenamtlich bei der saarländischen Food­sharing-Gruppe engagiert. Kurz vor Ladenschluss gehen Heintz und andere Lebensmittelretter bei den Unternehmen vorbei. Dann holen sie Essen ab, das noch genießbar ist, von den Händlern andernfalls aber entsorgt werden würde. Häufig handele es sich um Produkte mit kleinen Schönheitsfehlern, die zu gut für die Tonne sind, aber von den Kunden womöglich nicht mehr gekauft werden. Etwa Gemüse mit einer Delle oder Salat, der zu welken beginnt. Oder es handelt sich um Lebensmittel, die sich dem Mindesthaltbarkeitsdatum nähern  und vorsorglich aussortiert werden.

Die geretteten Nahrungsmittel können die Abholer selbst essen, im Freundeskreis verteilen oder in den Foodsharing-Kühlschrank legen. Der steht im Hof von Café Kostbar, Kino achteinhalb und Nauwieser Neunzehn und ist für jeden frei zugänglich. „Für den Kühlschrank gelten strenge Hygiene-Vorschriften. Er wird täglich gereinigt und zusätzlich kontrolliert“, sagt Jonas Heintz. Das Essen im Kühlschrank kann sich jeder kostenlos mitnehmen. Auch Privatpersonen können Lebensmittel, die zu Hause womöglich verderben würden, in den Kühlschrank ins Nauwieser Viertel bringen.

„Es geht um eine Wertschätzung der Nahrung“, sagt Volker Wieland. Auch er ist bei Foodsharing aktiv, auch er rettete früher Essen, das noch genießbar war, aus dem Müll. Der Gedanke von Foodsharing sei aus dem „Containern“ entstanden, sagt Wieland. Es werde einfach zu viel weggeworfen. Das grundsätzliche Ziel sei es, etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln und die Verschwendung von Ressourcen zu unternehmen.

Es gebe den Vorwurf, dass Lebensmittelretter Nutznießer der Gesellschaft seien, weil sie teilweise von kostenlosem Essen leben, erklärt Jonas Heintz. Das sei aber nicht der Fall. Ihre Arbeit führe dazu, dass die Unternehmen besser kalkulieren, weil ihnen das Problem ins Bewusstsein gerufen wird. „Wir beobachten, dass die meisten der Betriebe nach einiger Zeit immer weniger abgeben. Es ist eben etwas anderes, die übriggebliebenen Lebensmittel einem Menschen zu geben, als sie in eine Tonne zu werfen, die nicht sprechen kann“, sagt der 29-Jährige.