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Arbeitsmarkt
Weiterbildung wird immer wichtiger

Die Maßnahmen der Pädsak haben schon einige Menschen in Beschäftigung gebracht wie hier eine Gruppe Hauswirtschafterinnen.
Die Maßnahmen der Pädsak haben schon einige Menschen in Beschäftigung gebracht wie hier eine Gruppe Hauswirtschafterinnen. FOTO: Bert Romann;PÄDSAK e.V.
Saarbrücken. Im Regionalverband ist die Langzeitarbeitslosigkeit besonders hoch. Dagegen hilft nur Qualifizierung, sagen Experten. Von Jörg Wingertszahn

„Wir können es uns leisten, Langzeitarbeitslosigkeit zu beseitigen“, da ist sich Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke sicher, „denn wir sind eines der reichsten Länder der Welt.“ Dafür bekam er am Dienstagabend beim Zukunftsforum der Arbeitskammer des Saarlandes viel Zuspruch. Barke diskutierte die Zukunft der Arbeitsmarktpolitik im Land mit Monika Steffen-Rettenmaier von der Landesarbeitsgemeinschaft Beschäftigung und Qualifizierung, Jörg Disteldorf, Personalchef der Dillinger Hüttenwerke und Saarstahl, sowie Toni Brem, Sozialexperte von Verdi Trier/Saar.


„Als 2015 der große Flüchtligsstrom nach Deutschland kam, hat Angela Merkel gesagt, das wird uns 15 Milliarden Euro kosten – eine Steuererhöhung sei aber nicht notwendig. Dann war das Geld also da. Warum hat man es nicht zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit verwendet? Die Frage darf man ja mal stellen“, sagte Barke weiter. Jetzt erst ergreife man Maßnahmen, die man vor fünf Jahren hätte angehen müssen. Und: „Es ist Aufgabe des Staates, jeden Einzelnen aus seiner prekären Situation herauszubekommen. Wir im Saarland haben den Schuss gehört und kämpfen um jeden Arbeitsplatz, um den Strukturwandel zu schaffen, daher brauchen wir mehr Qualifizierung.“

Das Saarland ist stärker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen als andere Länder, wie der Vorstandsvorsitzende der Arbeitskammer, Jörg Caspar, sagte. Im Jahresdurchschnitt waren im Saarland 12 300 Personen länger als ein Jahr ohne Beschäftigung und galten daher als langzeitarbeitslos. Jede dritte arbeitslose Person im Saarland ist damit von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Auch das Risiko, langzeitarbeitslos zu werden, ist im Saarland überdurchschnittlich hoch. Nur Nordrhein-Westfalen schneidet in diesem Punkt noch schlechter ab.



Für Toni Brem von Verdi liegt der Schlüssel zur Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit in der Bildung. „Wie müssen die Weiterbildungsangebote modernisieren und an den Markt anpassen. Ein Excel-Kurs oder eine SAP-Schulung sind zwar gut und schön, auf uns kommen aber mit der Digitalisierung noch ganz andere Aufgaben zu.“

Auch Personalchef Disteldorf betont die Bedeutung von Weiterbildung. „Irgendwann verlernt man zu lernen. Deshalb muss ein Unternehmen seinen Mitarbeitern vermitteln, dass eine weitere Qualifizierung langfristig notwendig ist.“

Wird es mit der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt überhaupt noch einfache Tätigkeiten für ungelernte Arbeiter geben? Ja, sagt Monika Steffen-Rettenmaier. Das könnte zum Beispiel eine Begleitung von Senioren im Alltag oder bei Arztbesuchen oder Einkaufen sein. Am 21. November ist der Beschäftigungsgipfel, zu dem die Bundesregierung einlädt. Das Saarland will sich laut Barke dann als Modellregion bewerben. „Wir wollen für die anderen Pate stehen und endlich das umsetzen, was wir seit fünf Jahren diskutieren.

Jürgen Barke (SPD), Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr
Jürgen Barke (SPD), Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr FOTO: SHS Strukturholding Saar - Peter Kerkrath / Peter Kerkrath