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Falsche Polizeibeamte
Wie Kriminelle Senioren abzocken

Mit der Betrugsmasche des falschen Polizisten haben es Kriminelle vor allem auf Senioren abgesehen.
Mit der Betrugsmasche des falschen Polizisten haben es Kriminelle vor allem auf Senioren abgesehen. FOTO: dpa / Martin Gerten
Saarbrücken. Im Gespräch mit dem SZ-Ältestenrat warnt Landespolizeipräsident Norbert Rupp vor den Maschen von Trickbetrügern. Von Alexander Stallmann

„Guten Tag, hier spricht die Polizei. Wir haben gerade einen Dieb gefasst, der einen Zettel mit Ihrer Adresse dabei hatte.“ Wer solch einen Anruf bekommt, sollte sofort stutzig werden, sagt Landepolizeipräsident Norbert Rupp, der sich in dieser Woche mit dem SZ-Ältestenrat zu einem Gespräch traf. Die Betrugsmasche, bei der Kriminelle sich als Polizisten ausgeben, treibe die echte Polizei derzeit besonders um, erklärt Rupp.


Betroffen sind davon vor allem Senioren. In etwa 90 Prozent der Fällen sind die Opfer über 65 Jahre alt. In der Regel melden sich die Kriminellen per Telefon. Dabei gehen die Betrüger sehr professionell vor. Sie manipulieren das Telefon so, dass auf dem Telefon-Display des Opfers beim Anruf die Nummer 110 angezeigt wird. Und die Betrüger benutzen Namen, die den Leuten vertraut sind. „Es kann durchaus sein, dass der  Täter anruft und sich als Udo Schneider aus der Polizeiinspektion Karcherstraße vorstellt“, sagt Rupp. „Die Menschen kennen den Namen aus der Zeitung und fassen Vertrauen.“ Dann erkläre der falsche Polizist, dass er einen Dieb gefasst hat, der einen Zettel mit der Adresse des Opfers dabei hatte. Deshalb werde man das Haus des Betroffenen in den nächsten Tagen überwachen. „Die Täter fragen dann, ob das Opfer Geld oder Schmuck zu Hause hat“, erklärt Rupp. Falls die Senioren das bejahen, erklären die falschen Beamten, dass ein Kollege vorbeikommt, der die Wertsachen zur Sicherheit in Verwahrung nimmt, während man das Haus überwacht.

Die Betrugsmasche mit dem falschen Polizeibeamten werde bei Kriminellen immer beliebter, sagt Rupp. Während es im Jahr 2015 im Saarland 66 Fälle gab, stieg die Zahl im Jahr 2016 bereits auf 225 Fälle. 2017 habe es 334 Fälle gegeben, so Rupp. „Ich gehe zudem davon aus, dass die Dunkelziffer enorm hoch ist“, sagt Rupp. Vielen Menschen ist es womöglich peinlich, auf den Betrug hereingefallen zu sein. Erfolgreich sind die Täter  selten. In gerade einmal drei von den 334 Fällen machten die Betrüger Beute. Die Masche sei für Verbrecher dennoch lukrativ, sagt Rupp. Die Täter bleiben im Verborgenen, es ist schwer, sie ausfindig zu machen. Und in den drei besagten Fällen entstand für die Opfer insgesamt ein Schaden von 123 000 Euro.



„Sie können sich jedoch sicher sein, dass die echte Polizei niemals anruft und fragt, ob Sie Geld zu Hause haben“, sagt der Landespolizeipräsident. Wer unsicher sei, rufe am besten sofort, nachdem er aufgelegt hat, eine Polizei-Dienststelle vor Ort an. Auch der sogenannte Enkeltrick, bei dem Betrüger sich am Telefon als Enkel des Opfers ausgeben und eine Notsituation vortäuschen, sei beliebt bei Kriminellen. Im Jahr 2017 gab es im Saarland 206 Fälle. Auch hier gilt: Wer unsicher ist, sollte die Polizei vor Ort anrufen.

Ein weiteres Thema, das den Ältestenrat beschäftigt, sind Wohnungseinbrüche. „Jeder Bürger bekommt von der Polizei eine kostenlose Sicherheitsberatung am eigenen Haus“, sagt Rupp. Dabei informieren die Beamten über sichere Fenster und Türen.

Doch was, wenn ein Einbrecher bereits im Haus ist? In jedem Fall sollte man die Polizei anrufen, sagt Rupp. Wer es sich zutraut, könne den Dieb auch stören. „In über 90 Prozent erschrecken die Einbrecher und machen sich aus dem Staub“, so der Landespolizeipräsident.

Landespolizeipräsident Norbert Rupp besuchte den Ältestenrat der SZ. Er informierte unter anderem über die Möglichkeiten, Einbrüche zu verhindern.
Landespolizeipräsident Norbert Rupp besuchte den Ältestenrat der SZ. Er informierte unter anderem über die Möglichkeiten, Einbrüche zu verhindern. FOTO: Iris Maria Maurer