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Wie Bob Ziegenbalg das „Ei des Kolumbus“ fand

Interview : Ein Zeitsprung mit dem „Ei des Columbus“

Nach Jahrzehnten kommt ein altes Kult-Stück wieder auf die Bühne – als Benefiz eines „Überzwergs“ für das Theater im Viertel.

Am Wochenende kann man im Theater Überzwerg ein Stück Saarbrücker Theatergeschichte erleben. Theater-Urgestein Bob Ziegenbalg spielt hier sein legendäres Stück „Das Ei des Columbus“ als Benefizvorstellung. Mit dem Erlös der Aufführung will er insbesondere das Theater im Viertel (TiV) unterstützen. Eine kollegiale Geste, über die wir uns mit ihm unterhalten haben.

Das „Ei des Columbus“ begleitet Sie schon fast ihr ganzes Leben. Vor bald 40 Jahren haben Sie das Stück geschrieben und damals noch in Saarbrücker Kneipen aufgeführt. Mit dem Amerika-Entdecker hat das Ganze aber tatsächlich nichts zu tun. Worum geht es?

Bob Ziegenbalg:  Mein Columbus ist Geschichtenerzähler, ein Fabulatore, ein Bruder Sheherazades. Er erzählt und spielt in diesem Programm vor allem erotische Geschichten, die aus Boccaccios „Decamerone“ sein könnten.

Sie haben das Stück selbst gut 100 mal allein in Saarbrücken gespielt, aber schon viele Jahre nicht mehr. Wieso kommt es jetzt wieder auf die Bühne?

Bob Ziegenbalg:  Ich wollte, als Privatmann, etwas für die Saarbrücker freie Szene spielen und überlegte, was ich tantiemenfrei machen könnte – da fiel mir der Columbus ein. Jetzt hoffe ich, dass ihn möglichst viele Zuschauer von damals noch einmal sehen wollen und spenden.

Die Aufführung am Samstag ist ein Benefiz fürs Theater im Viertel, für die freie Szene. Was ist der Anlass?

Bob Ziegenbalg: Kaum jemand ist von der Corona-Krise härter betroffen als die freien Musiker und Schauspieler und alle, die im künstlerischen Bereich frei arbeiten. Das Theater im Viertel hat es durch Cororna finanziell sehr schwer, und da das TiV die Bühne ist, die den Freien ihren Auftritt ermöglicht, war es mir wichtig, es zu unterstützen. In dieser Krise sollten wir alle Zusammenhalt und Solidarität üben, wo immer es uns möglich ist.

Das von Ihnen geleitete Theater Überzwerg hat sich generell in der Corona-Krise als außerordentlich solidarisch mit allen Teilen der freien Saarbrücker Kulturszene gezeigt. Sie stellen Ihr Theater anderen zur Verfügung und haben sich durch viel Fantasie und zupackende Kreativität ausgezeichnet in den schwierigen Monaten des Lockdowns. Woher nehmen Sie diese Energie und Einsatzbereitschaft?

Bob Ziegenbalg: Wenn man für Kinder und Jugendliche arbeitet, ist man vielleicht etwas sensibler als andere, daran gewöhnt hellhörig zu sein ... Und als Schauspieler ist man auf der Bühne aufeinander angewiesen. Da geht kein Alleingang, sonst funktioniert das nicht. In solchen Zeiten ist Solidarität einfach wichtig für uns Menschen und unsere Gesellschaft. Es sollte eigentlich für jeden selbstverständlich sein. Besondere Zeiten erfordern besonderen Einsatz. Das gesamte Überzwerg-Team hat mir das in den letzten Wochen bestätigt.

„Das Ei des Columbus“ wird am Samstag, 11. Juli, 19.30 Uhr, im Hof des Überzwerg-Theaters als Benefiz zu Gunsten der Freien Szene gespielt. Das Stück im Stil der „Commedia dell’Arte“ ist für Menschen ab 16 Jahren geeignet. Der Eintritt ist frei, es werden Spenden gesammelt. Infos auf www.ueberzwerg.de