Wie Baggerfahrer Matthias Uhl in Saarbrücken die Hitze aushält

Serie Menschen im Regionalverband : Baggerfahrer unter sengender Sonne

Matthias Uhl muss mit seinen Kollegen vom Tiefbau auch in brütender Hitze in der Saarbrücker Eisenbahnstraße ran.

Es ist zehn Uhr morgens, die Sonne hat sich in den Himmel über Saarbrücken gebrannt, als hätte sie Frühschicht gefahren und längst ganze Arbeit geleistet. Nichts bremst ihre Strahlen auf deren Weg zu den rotgebrannten Nacken der Bauarbeiter, die in der Eisenbahnstraße so tun, als wäre nichts. Allein die vielen Schweißperlen auf der Stirn verraten sie.

Einer von den Männern ist Matthias Uhl. Der 26-Jährige hat es aber noch ganz gut erwischt. Er fährt den Bagger und macht einfach seine Klimaanlage an. Aber in der Hitze ist trotzdem jeder Schritt beschwerlich, auch wenn sich seine kleine Kabine runterkühlt, als stünde sie in einem norwegischen Fjord. Gleich morgens ist man schon durchgeschwitzt. Wenn die Arbeiten einen seiner Kollegen unter einen Baum führt, bleibt der dort so lange im Schatten stehen wie möglich, führt die Werkzeuge an langen Armen, um nicht wieder in die Sonne raus zu müssen. Oberkörperfrei auf dem Bau ist nur ein Klischee, Arbeitskleidung muss sein, wenigstens kurz ist sie. „Das Schlimmste aber ist, dass es irgendwann unerträglich wird“, sagt Uhl, „die Klamotten sind durchnässt, da hat man morgens schon gar keinen Bock mehr.“ Manchmal muss man öfters etwas nassspritzen. „Dann stellst du dich halt einfach mal mit unter den Schlauch.“

Mit 16 Jahren ist Matthias Uhl in seinen Job eingestiegen, Baugeräteführer, wie sein Beruf offiziell heißt, ist er bei der Firma Wolff Tief- und Straßenbau seit drei Jahren. Seit einigen Wochen arbeitet er mit seinen Kollegen in der Eisenbahnstraße. Sie kümmern sich um den kompletten Straßenausbau, Verkehrsführung, Gestaltung des Kirchenvorplatzes und alles, was dazugehört. Sie schuften jeden Tag von sieben Uhr morgens bis 16.30 Uhr und ernten trotzdem Beleidigungen und zum Teil auch sehr harte Ausdrücke von ungeduldigen Passanten, die wegen einer Absperrung anders laufen oder fahren müssen als gewohnt. Das hat mit der Hitze jetzt mal nichts zu tun, sondern ist praktisch immer. Vielleicht intensiviert sie das, vor allem aber lässt sie die Materialien aggressiver reagieren. „Wenn die frisch verlegten Wasserrohre eine Stunde lang in der blanken Sonne gelegen haben und du sie anfasst, verbrennst du dir die Finger. Das ist, als würdest du einen Auspuff in die Hand nehmen.“ Auch sein klimatisierter Bagger ist nicht ohne. „Wenn der eine Stunde lang in der Sonne stand, werden die Armlehnen so heiß, dass ich mir Lappen drauf legen muss, um mich nicht zu verbrennen“, sagt Uhl. Dazu kommt noch, dass der Asphalt weich wird. Gerade wenn der frisch liegt, darf Uhl um Himmels Willen nicht mit dem Bagger darauf fahren, sonst drucken seine Reifen ihr Profil, hinterlassen tiefe Fahrspuren oder sogar ganze Löcher. Dann wäre alles für die Katz gewesen.

Damit es nicht ganz so schlimm wird mit der Hitze, helfen sich die Kollegen untereinander. Der Vorarbeiter geht dann mal eine Runde Eis kaufen, Wasser gibt es jetzt auch gratis von der Firma. Und ausnahmsweise schon um 16 Uhr ist diese Woche Schluss. Noch weniger arbeiten geht aber nicht, weil es schließlich Fristen gibt, die die Firma einhalten muss. Wenn dann aber Feierabend ist, dann geht es für den Baggerfahrer heim, direkt in den kleinen Pool, den er hat.

Urlaub hat Matthias Uhl erst mal leider keinen mehr. Die meisten Tage nimmt er lieber im Winter. Wenn die Temperaturen unter minus fünf Grad Celsius fallen, hat Straßenbau keinen Sinn mehr. Uhl bekäme dann einen Ausfall bezahlt, der liegt aber nur bei circa 67 Prozent. Nimmt er Urlaub, kriegt er die Tage voll bezahlt. Ab welcher Gradzahl die Arbeit in der Hitze ruht, das weiß Uhl dagegen nicht. Aber wie auch immer, das schafft er schon, sagt er. Wobei er tatsächlich lieber den Winter hat.

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