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Radfahren in Saarbrücken
Wer in Saarbrücken Rad fährt, braucht Mut

Schutzstreifen wie in der Lebacher Straße sollen dafür sorgen, dass Radfahrer sich in Saarbrücken sicher fühlen.
Schutzstreifen wie in der Lebacher Straße sollen dafür sorgen, dass Radfahrer sich in Saarbrücken sicher fühlen. FOTO: ADFC
Saarbrücken. Als Stadtradel-Star versuchte SZ-Redakteur Alexander Stallmann drei Wochen aufs Auto zu verzichten. Ein Experiment, das fast gelang. Von Alexander Stallmann

Das war knapp: In letzter Sekunde bleibe ich mit meinem Fahrrad vor einem weißen Peugeot stehen. Der Autofahrer biegt von der Mainzer Straße links in eine Einfahrt ab. Dabei muss er den Bürgersteig und den Radweg überqueren. Nun steht er mitten drauf. Ich hebe empört meinen Arm, der Autofahrer zeigt mir den Vogel. Dass ich Vorfahrt habe, scheint ihn nicht zu interessieren.


Solche Erfahrungen habe ich in den vergangenen Wochen mehrmals gemacht. Im Rahmen der Kampagne Stadtradeln habe ich mich als einer von vier Stadtradel-Stars in Saarbrücken dazu verpflichtet, drei Wochen aufs Auto zu verzichten, auch als Mitfahrer. Zudem sollte ich möglichst oft aufs Rad steigen. Ich konnte die strengen Regeln in den drei Wochen nicht immer einhalten. Das Experiment hat mir aber einige Erkenntnisse gebracht.

SZ-Redakteur Alexander Stallmann auf seinem Fahrrad.
SZ-Redakteur Alexander Stallmann auf seinem Fahrrad. FOTO: Alexander Stallmann


Was ich im Vorfeld immer wieder gehört habe, kann ich nun aus eigener Erfahrung bestätigen: Wer in der Saarbrücker Innenstadt mit dem Rad fährt, ist bei vielen Strecken mindestens genauso schnell wie mit dem Auto. In meinem Fall geht’s mit dem Rad oftmals sogar schneller, da ich für die Parkplatzsuche rund um die Mainzer Straße in der Regel zusätzlich zehn Minuten einplanen muss.

Die nervige Parkplatzsuche entfällt mit dem Rad. Dafür ist aber der Weg zur Arbeit, von der Mainzer Straße zur Gutenbergstraße, auf dem Drahtesel manchmal nervenaufreibend. Etwa wenn man von der Alten Brücke auf die Franz-Josef-Röder-Straße fährt. Einen Radweg gibt es dort nicht. Es bleibt nur der Bürgersteig oder die Straße. Bei dem hohen Verkehrsaufkommen fühle ich mich jeden Morgen unsicher. Die Autos fahren dicht und schnell an mir vorbei. Deshalb weiche ich hin und wieder auf den Bürgersteig aus, zum verständlichen Unmut der Fußgänger. Die Fahrt im Pkw bereitet ein deutlich weniger mulmiges Gefühl. Fast an jedem Tag in den drei Wochen wird mir aufs Neue klar: Wer in Saarbrücken mit dem Rad unterwegs ist, braucht Mut. An den Stellen, an denen es Radwege gibt, fühle ich mich wesentlich sicherer. Aber auch hier kommt es immer wieder zu brenzlichen Situationen. Autofahrer missachten meine Vorfahrt. Zudem sind einige  Radwege ständig zugeparkt.

All das ist störend und teilweise auch gefährlich. Es hält mich aber nicht davon ab, weiterhin aufs Rad zu steigen. Es gibt jedoch auch unüberwindbare Hindernisse in den drei Wochen. Zum Beispiel eine Band-Probe in Blieskastel. 30 Kilometer pro Weg mit schwerem Equipment – das scheint mir mit dem Fahrrad unmöglich zu sein. Deshalb prüfe ich die Möglichkeit, mit Bus und Bahn zu fahren. Das Angebot ist ernüchternd. Selbst mit der schnellsten Verbindung bräuchte ich, um nach 22.30 Uhr von Blieskastel nach Saarbrücken zu gelangen, knapp zwei Stunden. Ich breche die Stadtradel-Regeln und nehme das Auto. Bei einem besseren Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs, hätte ich jedoch Bus und Bahn genutzt. Auch das ist eine Erfahrung, die ich in den drei Wochen mehrmals mache. Im Stadtverkehr ist das Rad trotz brenzlicher Situationen eine echte Alternative zum Pkw. Sobald es aber über die Stadtgrenzen hinaus geht, wird es ohne Auto schwierig – zumindest beim derzeitigen Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs.