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Unsere Woche
Wenn’s Millionen hagelt – da blickt kaum einer durch

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Die Königsdisziplin der Politik ist das Geldausgeben. Oft fließen ungeheure Summen, und niemand weiß, worum es geht. Schön, wenn man dann ersatzweise lautstark über Hallengebühren streiten kann. Das versteht jeder. Von Jörg Laskowski

Rums, zisch, zasch, fläsch. Diese Woche donnerten uns die Millionen mal wieder nur so um die Ohren. Viele Saarbrücker klappten morgens die Zeitung auf – und zogen gleich unwillkürlich den Kopf ein. Schon beim ersten Blick ins Blatt wurden sie von der Angst gepackt, die eine oder andere Million könnte sie zwischen die Augen treffen. Das gibt unangenehme Beulen. Ein gewisses Unwohlsein machte sich breit.


Woher kamen plötzlich wieder mal all diese eiligen Millionen? Was hat’s mit denen auf sich? Sicher, sicher, viele reden mit, wenn’s um die Millionen geht. Aber ob die alle verstanden haben, was da Sache ist? Gibt es überhaupt jemanden, der das versteht? Und könnte das nicht endlich mal irgendwer verständlich erklären?

Sie ahnen es sicherlich: Hier geht’s um die Haushaltsmillionen von Stadt und Regionalverband. Meist reicht ja schon das Wort Haushalt – und sofort schweift der Leser ab. Schließlich will er sich nicht langweilen. Und schon gar nicht will er sich beim Lesen abquälen und anschließend total frustriert sein, weil er nichts verstanden hat – oder besser gesagt, weil mancher Autor nicht erklären kann, was er selber nicht durchschaut hat.

Wenn also über Haushaltsmillionen diskutiert wird, dann sind fast alle in derselben prekären Situation. Die Verwaltung, die Politiker, die Journalisten und die Leser.

Natürlich dürfen Verwaltung und Politiker nicht zugeben, wenn sie etwas nicht verstehen. Sie müssen das überspielen. Sonst denkt jeder, die sind fehl am Platz.



Journalisten könnten theoretisch zugeben, dass sie etwas nicht begreifen. Aber auch sie fürchten meist, man könnte ihnen Blödheit unterstellen. Also tun auch sie so, als sei alles klar. Nach dem Motto: „Hauptsache der Cashflow (gesprochen: Käschfloh) liegt im Benchmarking (gesprochen: Bänschmarkink), denn die Schlüsselzuweisung ist ja entscheidend für die Liquiditätskredite“ — auch wenn keiner weiß, was das ist.

Eigentlich  müssten alle gemeinsam versuchen, die Sache – in Demut – zu durchdringen und die meist unangenehme Wahrheit für die Bevölkerung verständlich zu machen. Au, weia! Das wär’ ja eine Heidenarbeit!

Doch so weit kommt es nie. Denn irgendwo in all dem Finanzchaos und Kauderwelsch steckt immer noch ein winziges Detail, ein Wort, ein Begriff, den alle kennen. Hurra, hurra! Da ist es ja! Und über dieses Detail entspinnt sich dann eine Diskussion, bei der man meist nicht weiß: Geht’s hier um das Detail oder geht’s darum, zu vertuschen, dass man den Rest von dem Millionenspiel nicht begreift?

Das zündende Detail im aktuellen Stadthaushalt war die Erhöhung der Hallengebühren. Die ist ärgerlich. Das kapiert jeder.  Tragisch ist: Keiner redet dann davon, warum diese Gebühren hoch sollen. Warum 2016 die Gewerbesteuer erhöht wurde. Warum die Grundsteuer bis 2022 jedes Jahr ein Stück steigt. Und so weiter.  Ja, denn die schmerzhafte Wahrheit ist: Die Hallengebühren müssen hoch, weil der Bund seine Sozialleistungen streicht und die Städte zwingt, an seiner Stelle zu bezahlen. Das treibt einige Städte in den Ruin. Die müssen dann überall abknapsen. Und genau darüber müssten wir jeden Tag diskutieren.