Sing along in der Ludwigskirche : „Sing along“, der Mitsing-Trend aus Amerika in der Ludwigskirche

Ein Teil von Bachs Weihnachtsoratorium wurde unter Mitwirkung des Publikums aufgeführt. Nächstes Jahr kommt der zweite Teil.

Also ganz allein, wie es die Ankündigung befürchten ließ, war das Publikum am Sonntag in der Ludwigskirche dann doch nicht. Bei drei Teilen des Bachschen Weihnachtsoratoriums wäre es ja auch, nach nur ein paar Probestunden, stark überfordert gewesen.

Aber wer vorher zu den Proben gekommen war, durfte eben mitsingen mit dem Ludwigskirchenchor. Das ist ja auch schon was – und ruft wohl einen zu Bachs Zeiten üblichen Brauch auf den Plan: Dass nämlich Oratorien nicht reine Konzert-Aufführungen waren, wie heute üblich, sondern Teile des Gottesdienstes. Und dass dabei eben die Zuhörer einzelne Abschnitte mitsangen.

Ulrich Seibert, Kantor der Ludwigskirche, hat sich bei der Einladung zu diesem „Mitsing-Versuch“ einem neuen Trend angeschlossen, der in Amerika wohl schon länger beliebt ist, auch in mehreren Städten in Deutschland, seine Anhänger hat: „Sing along“ heißt das, also „Sing mit“. Aber natürlich nach Proben. Und nach Noten, die man auch selbst mitzubringen hat.

Die Ausführenden waren neben Chorleiter Seibert und Organist Francesco Bernasconi, die Sporanistin Cornelia Winer, Almut Panfilenko (Alt), Michael Hasselberg (Tenor), Thomas Molitor (Bass), Streicher und Bläser, und natürlich die Sängerinnen und Sänger des Figuralchors der Ludwigskirche – und eben die Mutigen, die sich getraut hatten, nach durchaus anstrengenden Proben mitzusingen.

Ein überschaubares Häuflein, Noten unterm Arm, war am Tag vor dem Konzert zur Kennenlernprobe erschienen. Andere hatten sich vielleicht nicht getraut, nicht gewusst, worauf sie sich da einlassen. Sie hätten mal kommen und sich aufklären lassen sollen . . . Vielleicht hätte man die Idee auch früher und lautstärker in die Öffentlichkeit bringen sollen. So war die Ludwigskirche dann auch beim gemeinsamen Konzert leider nur halb besetzt. Schön war’s trotzdem. Es gab viel Beifall für das ungewöhnliche Konzert. Und Zugaben wurden auch eingefordert.

Nachdem in diesem ersten „Sing along“ nun erstmals die Teile zwei, vier und sechs des Oratoriums aufgeführt wurden, ist für die nächste Vorweihnachtszeit (schon mal vormerken: 3. Advent 2019) ein weiteres „Sing along“-Konzert mit den Teilen eins, drei und fünf geplant. Vielleicht trauen sich dann ja ein paar Hobby-Sängerinnen und Sänger mehr, die Stimme zu erheben.

Einfach ein bisschen mitsingen kann man am Sonntag, 23. Dezember, 17 Uhr beim Weihnachtsliedersingen in der Ludwigskirche. Was man zudem jetzt schon vormerken sollte: Am Dienstag, 1. Januar, ist um 17 Uhr ein – aber dann ganz „normales“ – Neujahrskonzert.