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Saarbrücken für Fortgeschrittene
Was uns verbindet

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Freude an gutem Essen, das ist etwas, was uns verbindet. Wobei die eine Region prägenden Gerichte – oder umgekehrt – gerne zur deftigen Sorte gehören. Wie bei uns Hoorische, Gefillde, Dibbelabbes oder Verheirade. Speck muss ran und Soße. Gerade war ich in Bamberg. Dort isst man frankengemäß eine Frankenplatte, auf der sich Schäuferla, Haxen und Bratwürste türmen. Ersteres ist ein Stück kross gebratene Schweineschulter, deren Fleisch so zart sein muss, dass es wie von selbst vom Knochen in Soße und Mus fällt. Wobei die Platte so üppig sein muss, dass der unvorsichtige Genießer nach deren beabsichtigtem und vollzogenem Verzehr erfüllt, aber wie ein Wackerstein ins Bett fällt. Und sich am Morgen danach wie ein ebensolcher erhebt: Hilflos der Schwerkraft ausgeliefert mit sich kämpfend, erst nach einer guten Viertelstunde wieder in der Senkrechten. Kommt man in eine unbekannte Stadt, will man sie entdecken und sich Lieblingsplätze schaffen. Schön ist das und macht Spaß. Plätze eben, die man in der Heimatstadt lange schon zu solchen erklärt hat und immer wieder liebevoll mit Besuchen zu beehren pflegt.

Wie mein Lieblingscafé hier, es findet sich am Cora-Eppstein-Platz mit Kirche und Brunnen. Unter Bäumen lässt es sich bei lauem Wetter wunderbar entspannen. Ab und an sitzen jetzt schon ein paar Hartgesottene draußen, ich lasse mir damit lieber noch etwas Zeit. Was die Ferne so reizend macht, Neueroberungen und Entdeckungen, erweist sich als Gegenteil von dem, wofür wir die Heimat lieben, für das Gewohnte und Bequeme. Hier weiß ich, ob mein Cappuccino mit Blümchenzier im Schaum serviert wird und von wem. Wie cremig er an den Tassenrand schlägt. Wie seine Konsistenz sein muss. Und wie vollmundig der Geschmack. Und welcher der schokoglasierten und puderzuckerbestäubten Kuchen am verführerischsten von der mit frischen Rosen dekorierten Theke lockt.


Der Bamberger Kaffee unterscheidet sich nur unwesentlich vom Saarbrücker. Das Bier jedoch sehr. Rauchbier trinken die dort, es schmeckt wie flüssiger Schinken und bereitet den Magen optimal auf Frankenplatte vor. Womöglich auch auf Hoorische oder Verheirade. Egal, „Hauptsach’ gudd gess“, das ist etwas, was uns verbindet…