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Was passiert in Zeiten von Corona für die Künstlerinnen und Künstler?

Kostenpflichtiger Inhalt: Kulturverwaltung : Wie geht es weiter mit der Kultur in der Stadt?

Bekommen die Kulturschaffenden der Stadt wenigstens ihre bereits zugesagten Zuschüsse? Die Sorge der Szene ist groß.

 „Unsere Angst ist, dass der gesamte Etat verloren geht“, sagt Peter Tiefenbrunner am Telefon. Der Schauspieler und Kabarettist ist Mitglied des Netzwerks Freie Szene und macht sich wie alle Kulturschaffenden derzeit große Sorgen. Alles, was sie in Monaten vorbereitet haben, alle Projekte sind bedroht oder schon abgesagt. Und damit fürchten die Saarbrücker Künstlerinnen und Künstler auch noch um das kleine bisschen Geld, dass sie als Zuschüsse dafür von der der Stadt bekommen.

Seit Wochen steht das kulturelle Leben still oder hat sich ins Internet verlagert. Für die Menschen, die sonst dieses Leben möglich machen, steht damit alles auf dem Spiel. In „guten“ Jahren verteilt die Stadt Saarbrücken rund 100 000 Euro Zuschüsse für Künstlerische Projekte.

Das ist nicht viel, aber ermöglicht doch so manches Bühnenstück – zumal die Künstlerinnen und Künstler oft Meister der Querfinanzierung sind, sein müssen, sich überall um Unterstützung bemühen. Oft ist dabei die eine Hilfszusage an die andere gekoppelt. So knüpfen die meisten anderen Förderer in Bund, Land und Großregion ihre Zuschüsse daran, dass das Projekt auch von der Heimatstadt gefördert wird.

Das macht die derzeitige Situation besonders schwierig für die Kulturschaffenden. „Wir hatten ein Telefongespräch mit Kulturdezernent Thomas Brück und Kulturamtsleiterin Sylvia Kammer-Emden“, sagt Tiefenbrunner. „Im Prinzip stellen sich alle hinter die Forderung, den Förder-Etat dieses Jahres nicht zu streichen“. Aber unter der Hand haben die Kultur-Netzwerker auch von Bedenken gehört, dass das evtl. nicht durchsetzbar sein könnte.

Wir haben bei der Stadt Saarbrücken nachgefragt, wie der Stand der Dinge ist. Immerhin hat Oberbürgermeister Uwe Conradt vor knapp zwei Wochen einen Brief an alle Kulturschaffenden, Kreativen  (und auch an die Schausteller) verschickt. Beigefügt war ein kleiner Fragebogen. „Was für Auswirkungen hat die Coronakrise auf Ihre Ertragssituation“, „Was passiert, wenn sich die Situation auf absehbare Zeit nicht ändert?“ waren so die Fragen, die gestellt wurden. Und eine Frage war auch: „Was wünschen Sie sich von Ihrer Kommune in der jetzigen Situation?“.

Für die Kulturszene dürfte diese Frage fix beantwortet sein: Wertschätzung, Sicherung der bereits zugesagten Zuschüsse. Und die Szene wünscht sich auch, dass das für regionale Künstlerinnen und Künstler wichtige Festival Sommermusik in irgend einer Weise stattfinden kann. Einige haben dafür sogar schon recht ausgereifte Konzepte ausgearbeitet – von der Verlegung in größere Räume oder ins Freie bis zur Verlegung ins Internet.

Aus der Stadtverwaltung kommen dazu bisher noch wenig konkrete Antworten. „Die Corona-Krise hat massive Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens in Saarbrücken – ganz gleich ob Kita- und Schulbetrieb, Krankenhäuser, Wirtschaft und Arbeitsmarkt oder Kultur“, sagt Stadtpressesprecher Thomas Blug und weist damit auf die insgeamt angespannte und arbeitsreiche Lage in der Verwaltung hin. „Wir arbeiten seit Beginn der Krise konzentriert und gut organisiert an all diesen  Themen“, sagt er und nennt als Beispiel die schrittweise Öffnung der Stadtbibliothek und die kurzfristige Verteilung der Schutzmasken.

„Wir arbeiten auch weiter an dem Thema Hilfe für Kulturschaffende. Die Kulturszene in Saarbrücken ist sehr facettenreich. Wir prüfen alle Möglichkeiten, Kulturschaffenden aus den verschiedensten Sparten zu helfen“, sagt Blug weiter und verweist auf die Umfrage des Oberbürgermeisters. „Wir sind aktuell dabei, die bereits vorliegenden Stellungnahmen auszuwerten. Und wir werden mit Interessenvertretern der jeweiligen Gruppen die Auswertung und das weitere Vorgehen besprechen“.  Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des sehr rührigen Pop-Rats, Peter Meyer, gab es bereits. Weitere sollen folgen.

Noch in dieser Woche, so Blug, solle in der Dezernentenkonferenz darüber beraten werden, wie man haushaltsrechtlich vorgehen könne, um die Zuschüsse auszuzahlen – „vor dem Hintergrund eines noch immer nicht genehmigten Haushalts.“ Sobald es konkrete Ergebnisse gebe, werde das öffentlich kommuniziert, so Blug.