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Was machen Musikschulen in Corona-Zeiten?

Nachgefragt : Was machen Musikschulen in Corona-Zeiten?

Das Kontaktverbot hält weiter an, nicht nur Schulen sind geschlossen. Auch die Musikschulen trifft die Corona-Krise. Wir haben uns umgehört.

Stefan  Weber, der Leiter der Musikschule Püttlingen, trägt es mit Galgenhumor. „Wenn alles vorbei ist, müssen wir zusammenfegen und sehen, was noch da ist.“ Für Musikschulen ist die aktuelle Corona-Krise nämlich nicht ohne. Die öffentlichen Schulen bekommen zwar staatliche Zuschüsse, leben aber zu einem erheblichen Teil auch von den Kursgebühren, die die Schülerinnen und Schüler zahlen. Private Musikschulen sind sogar komplett auf sie angewiesen.

Was aber, wenn keine Kurse stattfinden können, weil Schüler und Lehrer sich nicht treffen dürfen? Was wird dann aus den Musiklehrerinnen und Musiklehrern? Was machen sie, und wer bezahlt sie? Das wollten wir von einigen Musikschulen im Regionalverband wissen.

„Wir haben ja fast nur fest angestellte Lehrkräfte, die jetzt allerdings auch voll mit dem Online-Unterricht beschäftigt sind“, erläutert Thomas Kitzig, Chef der städtischen Musikschule Saarbrücken die aktuelle Situation. Nur fünf Honorarkräfte hat die Schule, „und die machen das Gleiche und haben deshalb unterm Strich auch keine Verluste“.

Etwa anders sieht es bei der Musikschule Sulzbach-/Fischbachtal aus: „Mittlerweile haben wir mehr freie Mitarbeiter als fest angestellte Lehrkräfte“, erläutert Musikschulchef Uwe Brandt. „Da wir aber seit dem 16. März Online-Unterricht anbieten, sind unsere Lehrkräfte alle bislang im normalen Dienst und erhalten daher ihr Gehalt beziehungsweise das Honorar für die gehaltenen Unterrichtseinheiten.“ Lediglich einige Angebote wie zum Beispiel Orchesterproben und Chorproben könnten zurzeit nicht angeboten werden, erklärt Brandt.

Auch die Püttlinger Schule rettet sich mit Online-Unterricht: „Ich erlebe bei unseren 45 Lehrkräften ein großes Engagement, die Eltern sind dankbar und die Schüler auch“, sagt Stefan Weber. Sehr viele Lehrkräfte, erzählt er, unterrichten über die verschiedensten Kanäle, über WhatsApp, über Skype – irgendwie soll die Musik weitergehen, „auch wenn man so über die Klangqualität einer Bach-Sonate natürlich nicht wirklich was sagen kann“, schränkt Stefan Weber die Möglichkeiten musikalischen Online-Unterrichts ein. Aber bisher laufe es an seiner Schule noch gut. „Wenn wir nur den April schließen müssen, dann schaffen wir das“, sagt Weber. Wenn das Ganze länger dauern sollte, wird es allerdings auch für die öffentlichen Musikschulen eng.

Noch heikler ist die Lage für die privaten Musikschulen. Hier steht ja kein städtischer Förderer mit Zuschüssen parat. „Wir sind froh, dass wir sehr schnell auf Online-Unterricht umsteigen konnten“, sagt Andreas Nagel, Chef der Stage Music School mit Standorten in Saarbrücken und Saarlouis. Wo Online-Unterricht nicht sinnvoll oder technisch nicht möglich sei, würden die Unterrichtseinheiten so schnell wie möglich nachgeholt. Denn die  Kursgebühren sind wichtig.

„Bei uns unterrichten ausschließlich Honorarkräfte“, und diesen Berufs-Musikerinnen und -Musikern bricht ja noch viel mehr weg. Sie spielen meist noch in Bands und Orchestern und verlieren nun auch diese Einkünfte. „Nachdem uns alle Musik-Engagements binnen kurzer Zeit weggefallen sind, sind wir froh, zumindest den Unterricht zum guten Teil weiterhin anbieten zu können“, sagt Andreas Nagel, der selbst als Pop-Sänger bekannt ist.

Thomas Kitzig, Leiter der Musikschule der Landeshauptstadt. Foto: jean m. laffitau/Jean M. Laffitau
 Uwe Brandt leitet die Musikschule in Sulzbach. Foto: Jean M. Laffitau
Andreas Nagel leitet die private Stage Music School. Foto: Jean M. Laffitau_www.laffitau.ne/Jean M. Laffitau
Stefan Weber, Leiter der Musikschule Püttlingen. Foto: Andreas Engel

Noch macht er sich keine ganz großen Sorgen, es gehe schließlich weltweit fast allen Branchen schlecht. „Sich sorgen bringt nichts. Wir arbeiten bestmöglich und hoffen auf eine baldige Lockerung der Ausgangsbeschränkungen.“ Denn ganz wichtig für seine private Schule ist, dass sich immer wieder neue Schüler anmelden, damit der Laden läuft. Aber genau die kommen jetzt natürlich nicht.