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was machen Mauerpfeiffer und Indiera Promo in der Corona-Krise?

Veranstalter und Clubs : „Das haut uns jetzt komplett die Beine weg“

Die Corona-Krise trifft die Kulturszene weltweit. Auch die Veranstalter von Konzerten und die Club-Szene sind durch die Schließungen gefährdet.

Wie sehr betrifft die Corona-Krise die freie Kulturszene Saarbrücken? Wie ergeht es jetzt Clubbetreibern und Konzertveranstaltern, wo bis auf unabsehbare Zeit alle Partys und sonstigen Veranstaltungen ausfallen?

Wir fragen heute bei Clubbetreiber Tim Grothe und Konzertveranstalter Jörg Mathieu nach. Grothe betreibt den Musik-Club Mauerpfeiffer, der am Ludwigskreisel angesiedelt ist. Neben DJ-Partys finden, besser gesagt fanden dort auch Livekonzerte statt.

Schon vor dem offiziellen Verbot schloss der Club die Türen, weil „uns das zu krass wurde und wir wissen, welche Gefahr von Clubs ausgeht“, wie Grothe sagt. Über zehn Jahre habe man den Club zu einem der bekanntesten Läden in der Techno-Szene entwickelt, und nun das. „Das haut uns jetzt komplett die Beine weg“, sagt Grothe, auch weil man es bisher nie geschafft habe, Rücklagen zu bilden.

Im Moment versuche man einfach, alles runterzufahren, die Grundstücksmiete, die Pacht, die Energiekosten. „Man weiß ja nicht, wann es weitergehen kann. Sechs bis acht Wochen Pause bekämen wir vielleicht hin, zumal uns unsere Community toll unterstützt, da gab es schon Spenden.“

Aber spätestens für die Zeit danach erhofft Grothe sich Unterstützung aus der Politik. Clubs in Deutschland seien schließlich ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Auch sorge man mit dem Mauerpfeiffer für ein attraktives Nachtleben in Saarbrücken, womit man gegen den Trend ankämpfe, dass es junge Leute in die Millionenstädte zieht.

Das Mauerpfeiffer unterhält zwei fest angestellte und etwa 20 Minijobber, dazu kommen noch die DJs, die nun auch keine Beschäftigung mehr haben. Aber: „Uns ist es verdammt wichtig, dass wir trotzdem für die Leute da sind. Deswegen haben wir mit einem Online-Stream angefangen über unseren Kanal auf einer Streaming-Plattform, twitch.tv/mauerpfeiffer. Da treffen sich bei uns lokale DJs und legen auf, wir stellen das dann live ins Netz. Wir versuchen wirklich das beste aus der Situation zu machen.“

Der Betreiber der Konzertagentur Indiera Promo, Jörg Mathieu, hat sozusagen Glück im Unglück. Er betreibt die Agentur mit seinem Bruder nur nebenbei, hauptsächlich lebt er davon, dass er das Retro-Filmmagazin „35mm“ herausgibt. Auch erweist es sich jetzt als Vorteil, dass Indiera Promo über keine eigenen Konzertsaal verfügt und sich bisher immer einmieten musste. „Das ist jetzt unser Glück“, meint Mathieu.

Die Agentur hat schon frühzeitig Konzerte abgesagt, und das war sicher richtig so im Nachhinein gesehen. Denn die Band, die Anfang März in Saarbrücken auftreten sollte, kam ausgerechnet aus Mailand. „Die hatten da noch null Verständnis“, erzählt Mathieu. Das Problem sei jetzt: „Wie lange im Voraus soll man absagen?“. Bis jetzt haben man alle Termine bis zum 22. Mai abgesagt.

Das zweitägige Black Water Festival im November mit sieben Bands sieht Mathieu noch nicht in Gefahr, der Ticketvorverkauf dafür läuft. Insgesamt sieht er die Situation so, dass wohl einige Veranstalter vor die Hunde gehen werden und nach Ende der Krise wieder neue auf den Plan treten. Für Indiera Promo ist er optimistisch: „Wir werden das überleben aufgrund unseres Konzepts.“

Jörg Mathieu ist zuversichtlich, dass er die Krise übersteht. Als reiner Veranstalter hat er keine laufenden Kosten. Foto: Layoutist

Mauerpfeiffer-Clubatmosphäre gibt es im Internet unter  twitch.tv/mauerpfeiffer. Ein Angebot gegen Entzugserscheinungen der Fans.