Zwischenstand : „Die Entschleunigung von 120 auf null war der Hammer“

Im Garelly-Haus ruhte monatelang der Betrieb. Usus-Vorsitzender Matthias Kollmann erzählt, was jetzt im „Kulturhaus für jedermann“ passiert.

Im Dezember 2016 hielt der „Usus“, der „Verein zur Förderung von Kunst, Kultur und einer nachhaltigen Stadt- und Quartiersentwicklung“ im Garelly-Haus in der Eisenbahnstraße Einzug. Seither hat sich der ehemalige Leerstand in eine Oase blühenden Kulturlebens verwandelt: Atelierbetrieb, Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und offene Treffs – all das findet regelmäßig im Garelly-Haus statt.

So ruhig wie in den letzten Monaten war es dort wohl selten. Im Angesicht der Corona-Krise war auch das Garelly-Haus gezwungen, das Rollgitter erst einmal unten zu lassen.

Der Eigentümer stellt dem Verein sein Haus kostenfrei zur Verfügung, im Gegenzug pflegt der Usus das Haus. Deswegen habe man in der Corona-Krise, die sich ja zusehends auch zu einer Krise der Kultur steigerte, „keinen Kostendruck“ gehabt, wie Matthias Kollmann, Vorsitzender und Geschäftsführer des Vereins bestätigt, man sei „relativ entspannt, ganz gut aufgestellt gewesen“.

Einbußen habe man eher „auf Seite der Einnahmen gemerkt“, sagt Kollmann. Schließlich ist auch die „Nacht der Schönen Künste“, eine der Haupteinnahmequellen des Vereins im Jahr, der Pandemie zum Opfer gefallen. Und auch den im Haus ansässigen Künstlern Mitgliedsbeiträge für die Ateliers abzuknöpfen, sei in dieser ohnehin schon wirtschaftlich prekären Zeit „eher schwierig“ gewesen, so Kollmann. Dennoch blickt er mit Optimismus in die Zukunft.

Das mag einerseits daran liegen, dass die Corona-bedingte Auszeit des Garelly-Hauses auch für Kollmann und seine Kollegen wie eine wohlverdiente Pause gewirkt hat, aus der sie mit frischem Geist und neuer Motivation herausgehen. Denn alle Vorstandsmitglieder üben ihr Amt ehrenamtlich aus, neben dem Beruf. Die Entschleunigung von „120 auf null“, wie Kollmann sagt, „sei der Hammer gewesen“, er habe das vor allem auch „genossen“. Andererseits gebe es in Saarbrücken „genug fähige Leute, die kreativ genug sind, im Niedergang immer auch einen Aufschwung zu bewirken“.

Um Künstlern und Kulturschaffenden, die sich mit ihren Projekten und Ideen im Garelly-Haus verwirklichen wollen, zukünftig eine bessere Infrastruktur bieten zu können, hat der Usus die Zeit des Shutdowns auch zur Renovierung genutzt. Licht- und Tontechnik habe man ausgebaut und sei jetzt „rundum ausgestattet“, so Kollmann.

Mit eigenem Fotostudio und Filmproduktion will der Usus im Garelly-Haus zukünftig auch die Möglichkeit bieten „professionell etwas festzuhalten“, sagt Kollmann, „und es so für die Zukunft besser zu dokumentieren“.

Auch die Möglichkeit zum Live-Stream ist damit geschaffen und die soll alsbald genutzt werden. Nämlich beim Hip-Hop-Festival „3x3 Open Air“, das erstmals im letzten Jahr im Pfarrgarten Völklingen stattfand. In diesem Jahr gibt es die Pandemie-Version: Live übertragen aus dem Garelly-Haus.

Im Idealfall soll das Kulturhaus im August wieder ganz real genutzt werden. Und zwar mit einer Ausstellung. Das ließe sich in Hinblick auf ein Hygienekonzept viel besser umsetzen und steuern als ein Konzert etwa, betont Kollmann. Ausstellen werden dann „gesetztere Saarbrücker Künstler“, wie Kollmann sagt. Mehr wollte er noch nicht verraten. Auch für neue Ideen und Konzepte, die noch ein Zuhause brauchen, ist das Garelly-Haus wieder offen. Denn das Haus ist, und daran hat auch diese Krise nichts geändert, ein Kulturhaus für jedermann.
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