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Was das Saarbrücker Theaterschiff in der Corona-Krise macht

Saarbrücken : Schotten dicht auf dem Theaterschiff

30 Veranstaltungen fallen auf der Maria-Helena aus wegen der Corona-Krise. Für die freie Compagnie Lion ist das eine Katastrophe.

Die Theatercompagnie Lion vom Theaterschiff Maria-Helena war eine der ersten Kulturinstitutionen in Saarbrücken, die aufgrund der Corona-Pandemie ihr Programm eingestellt haben. „Wir haben schon montags begonnen, uns ernsthafte Gedanken zu machen. Denn wir wollten am Wochenende eigentlich die neue Spielzeit eröffnen“, erklärt Frank Lion.

„Aber vier Veranstaltungen für Kinder in unserem Theaterschiff, in einem Raum, dessen besondere Atmosphäre sich auch wegen der Nähe zueinander herstellt, erschien uns zu riskant für unsere Besucher und unsere Schauspieler. Daher haben wir mittwochs alle Veranstaltungen bis Ende April abgesagt“, fährt er fort.

Gerade das Zielpublikum Kinder und gerade die intime Atmosphäre waren der Theatercrew zu heikel. „Wir haben das noch eigenverantwortlich entschieden. Da war an eine Stilllegung des öffentlichen Lebens noch nicht zu denken“, sagt er.

Mittlerweile sieht Frank Lion auch die anvisierte Zeit von Ende April kritisch. „Nüchtern und realistisch betrachtet ist Ende April zu kurz. Denn selbst wenn der Schulbetrieb dann wieder aufgenommen wird, werden sich die Schulen darauf konzentrieren müssen, den Lernstoff nachzuholen. Da wird wohl keine Zeit bleiben für einen Theaterbesuch“, erklärt Frank Lion.

So rechnet er damit, dass bis zu den Sommerferien wohl keine Schülerveranstaltungen mehr stattfinden. „Ich lasse mich gerne positiv überraschen, aber ich rechne nicht damit“, sagt er.

Für die Theatercompagnie Lion bedeutet das, dass bis Ende Mai 30 Veranstaltungen ausfallen. Darunter sind nicht nur die beliebten Theateraufführungen für Schulklassen, sondern auch das Lesefestival „ErLesen!“, Konzerte, sogar ein Gottesdienst.

„Auch die privaten Vermietungen mussten abgesagt werden. Und die sind für die Gesamtfinanzierung des Theaterschiffs sehr wichtig“, erläutert Frank Lion. Dazu kommt, dass auch ein großes Projekt, das  ab Mitte Juni stattfinden soll, wackelt. „Die Hochschule für Musik Saar will mit uns eine Tour nach Trier, Metz und Schengen machen. Das ist ein großes Interreg-Projekt. Wir hoffen sehr, dass es stattfinden kann“, erzählt Frank Lion.

Wie geht es mit dem Theaterschiff Maria-Helena nach all den Absagen weiter? Kann das Theaterschiff überhaupt gehalten werden? „Es wird knapp. Zum Glück erhalten wir eine Förderung vom Land. Das ist eine enorme Hilfe, auch wenn uns alle Eintrittsgelder und die Einnahmen aus den Vermietungen schmerzlich fehlen“, erklärt Frank Lion. Außerdem hofft er auf die unbürokratische Hilfe des Landes, die die Kulturministerin gerade nochmal zugesagt hat, eventuell auch Hilfen vom Bund.

Privat werden er und seine Familie den Gürtel auf alle Fälle enger schnallen müssen. „Aber es gibt da keine Alternative. Ich finde den Stillstand gut und richtig, auch wenn wir zurzeit all unserer Tätigkeiten beraubt sind“.

Derzeit hat er noch viel mit Büroarbeiten zu tun. Die ganzen Absagen müssen geregelt werden, Termine erstmal verschoben werden. Langweilig wird es Frank Lion nicht werden, auch wenn die Bürotätigkeiten erledigt sind. „Wenn ich ganz viel Ruhe habe, werde ich vielleicht ein neues Stück schreiben. Und wenn nicht, werde ich die Fenster putzen. Mal sehen. Man wird demütig“.