Nachgefragt : Warum manche Leute jetzt Gold kaufen

Trotz Verlusten und Lieferengpass kaufen mehr Leute Edelmetall. Wir haben Saarbrücker Spezialisten gefragt, ob das Sinn macht.

Die Saarbrücker kaufen in der Corona-Krise massenhaft Gold. Das bestätigen Saarbrücker Banken übereinstimmend. Ob das auch sinnvoll ist, das sehen die Experten differenziert. Denn einen explodierenden Goldkurs sehen die Profis in ihren Kursstatistiken momentan nicht. Die Preise entwickeln sich eher stabil. Und so sind kurzfristige Gewinne gar nicht zu erwarten.

„Aber unsere Kunden sehen das als eine Art Versicherung. Gold ist eine Wertanlage, die nicht zerstört werden kann. Und man kann mit keiner anderen Anlageform so viel Wert auf so kleinem Raum transportieren. Insofern ist Gold die Tauschwährung in Kriegszeiten“, sagt Goldfachmann Horst Erbel von der Saarbrücker Sparkasse mit Blick auf die Geschichte des Goldes.

Aktuell verzeichne seine Bank eine deutlich höhere Nachfrage, die mehr als doppelt so hoch sei wie im März des letzten Jahres. „Und sie wäre noch höher, wenn wir liefern könnten“, fügt er hinzu. Leider hätten wegen der Corona-Pandemie einige Goldminen weltweit die Produktion gedrosselt, die Werttransporteure geringere Leistungsfähigkeit und die Raffinerien in der Schweiz, so nennen die Fachleute die Betriebe, in denen Gold eingeschmolzen wird, Probleme mit der Produktion. An diesen drei Stellschrauben wirke sich die Pandemie aus, deswegen könnten gar nicht alle Bestellungen bedient werden.

Bei der Sparkasse habe man beschlossen, pro Kunde nur noch Bestellungen bis 10 000 Euro zuzulassen, das entspreche ungefähr sechs Unzen Gold, was sechs großen Goldmünzen oder etwa zwei 100-Gramm-Barren entspreche. „Wir wollen nicht, dass jetzt Millionäre mit Großbestellungen der Masse unserer Kunden das Gold wegnehmen. Jeder soll eine Chance haben, bedient zu werden“, so Erbel. Das sei in etwa, wie die Einführung der „haushaltsüblichen Menge“, sofern Gold überhaupt haushaltsüblich sei.

Allerdings sei es auch nicht so, dass jetzt wirklich Millionäre Schlange stehen würden. Die Sparkasse wolle lediglich das Prinzip „einer kauft alles“ verhindern. Wer heute bestelle, müsse ohnehin mehrere Wochen auf die Lieferung warten. Gold werde nicht in der Bank vorgehalten, es werde gezielt bestellt.

Ob es eine gute Anlage ist? „Es gibt definitiv keine Kursrallye. Und wir sagen auch nicht, dass man Gold unbedingt haben muss“, so der Fachmann. Es sei sogar eher wahrscheinlich, dass man Geld verliere, da Gold hohe Aufschläge für Logistik, Lagerkosten und Herstellung von Münzen oder Barren habe. „Ängstliche Kunden wollen ihr Vermögen gegen schweren Verlust sichern. Das ist es ihnen Wert. Für Spekulationen eignet sich physisches Gold nicht. Das geht nur mit virtuellem Xetra-Gold an der Börse, aber das spielt hier in der Krise keine Rolle für Privatleute“, so Erbel.

Sein Fazit: die Sparkasse weist auf das Risiko von Verlusten hin, bestellt aber auf Wunsch Gold in Form von Münzen oder Barren, die dann auch in gleicher Form am Schalter zurückgekauft werden. Die Mengenbeschränkung sei ein Anliegen der Sparkasse, um die Kunden fair zu behandeln.

Carlo Segeth, Vorstandschef der Bank 1 Saar, weist auf ähnliche Erfahrungen in seinem Haus hin: „Wir verzeichnen durchaus eine gestiegene Nachfrage nach Gold. Dies resultiert wohl daraus, dass derzeit viele ihren Wunsch zum Kauf von Gold mit einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis begründen. Allerdings empfehlen wir – wie sonst auch – eine Goldanlage nur im Zusammenhang mit einem breit gestreuten Anlagemix bei entsprechend größerem Vermögen.“ Auf Gold allein setzte man auch bei der Bank 1 Saar nicht.

„Bei der Beschaffung gibt es aktuell Lieferengpässe“, so Segeth. Auch sein Haus nehme Gold wieder zurück: „Unsere Kunden können bereits erworbenes Gold bei uns zur Gutschrift auf ihr Girokonto wieder eintauschen.“ Auch hier liegt der Ankaufspreis allerdings derzeit deutlich unter dem Verkaufspreis, solange der Kurs in der Zwischenzeit nicht deutlich steigt. Die üblichen An- und Verkaufspreise werden in der Wirtschaftspresse täglich veröffentlicht.