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Walking Down Brenton Road: Comeback nach Jahrzehnten

Interview mit Fred Scholl von Walking Down Brenton Road : Walking Down Brenton Road: Die Kultband von einst bringt ein fast 30 Jahre altes Album raus

Anfang der Neunzigerjahre gab es im Saarland einige aufstrebende Indie-Bands auf der Suche nach dem großen Erfolg. Eine davon, Walking Down Brenton Road aus Sulzbach, hatte mit „Verve“ ein recht erfolgreiches Album aufgenommen. Für den Nachfolger „Loop“ fand sich aber kein passendes Label, die Band löste sich auf. Nach 28 Jahren kommt das Album nun doch heraus, auf Initiative des ebenfalls aus Sulzbach stammenden Künstlers Gregor Hildebrandt. Ein Gespräch mit WDBR-Schlagzeuger Markus „Fred“ Scholl übers Gestern und Heute.

Wie kamst du damals zu der Band?

Fred Scholl: Mein Vorgänger Andreas Kuhn ist damals tödlich verunglückt. Ich spielte bei einer Rocky Horror Show-Aufführung am Sulzbacher Gymnasium mit, die Schule, auf der alle waren, auch Gregor Hildebrandt. Da haben die mich angesprochen. Ich kam ja eher aus der Homburger Hardcore-Szene und dachte, dass ich das nur kurz mache. Aber da kam auch was rum bei den Gigs. Das waren ja noch Zeiten, als man als saarländische Band noch 100 bis 200 Leute bei einem Gig erwarten konnte.

Was war euer größter Erfolg damals?

So sahen die Bandmitglieder von Walking Down Brenton Road in den Neunzigerjahren aus.
So sahen die Bandmitglieder von Walking Down Brenton Road in den Neunzigerjahren aus. Foto: Band

Fred Scholl: Die erste CD erschien bei Heartache Transplant Records und wurde über Rough Trade vertrieben. Das war in einer Zeit, in der man den Eindruck hatte, dass Indie-Musik einen gewissen Stellenwert bekommt. Wir sind mit solchen Bands wie The Bates aufgetreten, zum Beispiel im Kühlhaus. So eine CD öffnet dann Türen. Das Größte war ein Promo-Gig in einem WoM oder Saturn in Düsseldorf. Aber über die Regionalität kamen wir nicht so richtig hinaus, auch weil sich Dietmar Noss, der Label-Chef, nicht groß um uns gekümmert hat.

Welche Vorbilder hattet ihr damals?

Fred Scholl: Scholl: Anfang der Neunziger gab es gar nicht viel an Indie-Mucke, von der man beeinflusst werden konnte. Außer vielleicht The Smiths. Unsere ursprünglichen Einflüsse waren Stone Roses und vom Gitarrenspiel her The Edge von U2. Das hat sich aber im Zuge von Sonic Youth, Mercury Rev und Nirvana gewandelt. Wir waren eigentlich noch vor der Britpop-Welle. Aber es gab auch schon Bands wie The Verve und Suede oder Primal Scream. Wir orientierten uns an Ride, einer klassischen Showgaze-Band oder auch an Slowdive oder My Bloody Valentine. Unser Wall of Sound und der Feedback-Schwall kommt aus dieser Ecke. Wir waren nicht so simpel gestrickt wie Oasis, bei denen immer nur ein Beat durchging.

Weshalb seid ihr damals auseinandergegangen?

Fred Scholl: Wir haben sehr viel an Ochsentour gemacht im Hinblick darauf den Bekanntheitsgrad zu erhören. Wenn man sich vornimmt, auf das nächste Level zu kommen und es gelingt nicht, ist das eben enttäuschend. Es gab damals auch diese Diskussion, dass wir auf Deutsch singen sollten. Die Songs wären gut, aber als deutsche Band englisch klingen zu wollen, war halt gar nicht angesagt.

Ihr hättet aber doch sagen können, dass ihr euer Ding durchzieht…

Fred Scholl: Ja, aber wir hatten halt hochfliegende Ambitionen. Dann war auch der Bandname ein Zankapfel und Stein des Anstoßes. Den hatten die sich schon vor meinem Einstieg ausgedacht, ich weiß nicht warum. Außerdem gab es die Idee, den Gesang neu aufzunehmen und die Überlegung, den wirklich auf deutsch zu machen. Damals kamen gerade solche Bands wie Selig raus. Wir haben alles Mögliche diskutiert, auch mit unserem Produzenten Stefan Zintel, der uns dabei helfen wollte. Der hatte sich ja auch auf der Aufnahme von Loop verewigt und wollte, dass damit etwas passiert. Wie das Schicksal so wollte, war es aber die Zeit, wo alle auf der Uni ihre Zwischenprüfungen gemacht haben. Christoph ging nach Glasgow oder Berlin, Eric ging sogar nach Australien und ich nach Newcastle. Den letzten Gig haben wir im Ratskeller in Saarbrücken gespielt – das war’s dann. Da war auch kein Groll dabei. Es war enttäuschend, aber ging in Freundschaft zu Ende.

Hatte Gregor Hildebrandt damals schon etwas damit zu tun?

Fred Scholl: Er war wohl damals schon ein Fan, ist aber vier, fünf Jahre jünger als wir. Torsten Krächan hatte unser erstes Cover gemacht, dieses an Roy Lichtenstein angelehnte Bild einer rauchenden Frau. Damit haben wir damals die Uni zugekleistert. Da hat Hildebrandt so den Narren dran gefressen, dass er das nachgebildet hat mit seinen Tapestreifen – er arbeitet mit alten Bändern. So wird dann auch das Cover der LP werden. Gregor wollte wohl einfach, dass diese verschollene Aufnahme noch mal aufgelegt wird. Ohne ihn gäbe es keine Reunion. Das fiel für mich übrigens vom Himmel. Ich saß da eines Abends und Christoph hatte sich angekündigt. Er hat mir diese Wahnsinns-Story von der Veröffentlichung erzählt. Damals hätten wir danach gelechzt – jetzt passiert das halt in unseren Anfang-50ern.

Warum wollte damals niemand das Album haben?

Fred Scholl: Wir haben es rumgeschickt bei allen Indie-Labels, weil wir dachten, wir seien so ähnlich wie die anderen Bands. Aber wir hatten da keinen objektiven Blick drauf: Wir waren gar nicht ähnlich wie andere Bands. Da hat niemand gesagt: Okay, die verkaufen wir jetzt als deutsche Antwort auf die oder die englische Band.

Aber abgesehen von der nicht angenommenen LP lief es in der Band?

Fred Scholl: Ja, wir haben dann Tapes herausgebracht. Außerdem hatte Christoph eine gewisse Bühnenpräsenz, die dem weiblichen Publikum gefiel. Wir hatten da schon einen Fanclub.

Wie kam es, dass ihr jetzt wieder zusammengefunden habt?

Fred Scholl: Eric und ich hatten sowieso noch etwas miteinander gemacht im Duo go nogo. Er und Christoph hatten auch immer noch Kontakt. Von den anderen beiden wussten wir gar nicht, was mit ihnen los ist. Über Facebook haben wir entdeckt, dass Daniel auch noch Musik macht. Aber Torsten hatte ganz damit aufgehört. Wir haben über alle möglichen Internetplattformen die Leute angeschrieben, dass es da eine Veröffentlichung gibt auf Vinyl. Das glaubte erstmal keiner. Und wir fragten, ob sie Bock hätten, das Ganze noch mal aufleben zu lassen um die Platte zu promoten.

Wie war die erste Probe nach 30 Jahren?

Fred Scholl: Hoch emotional, zumindest für die Leute, die ich lange nicht mehr gesehen habe. Es war erstmal so ein Hoch- und Runterschauen, ob man sich auf der Straße ohne Hinweis noch erkannt hätte. Von meiner Warte aus war es so: Ich hatte total Bock zu spielen und war angefixt, noch mal zu trommeln. Es hat dann mehr gegroovt als vor 30 Jahren. Auch die anderen haben tighter gespielt. Christoph hatte in einem Popchor gesungen bei Almut Klotz von den Lassie Singers. Er hat jedenfalls seine Stimme geölt. Wir haben dann gespielt und uns angegrinst. Als das erste Lied vorbei war, dachte ich: Warum proben wir überhaupt noch? (lacht)

Wieso habt ihr die Release-Party in Prag gemacht?

Fred Scholl: Da war eine Vernissage von Gregors neuer Ausstellung. Das war auch eine Motivation für mich: Die Musik hat mich immer an Orte gebracht, die ich sonst nicht aufgesucht hätte.

Und für Saarbrücken sucht ihr noch einen Auftrittsort?

Fred Scholl: Ja. Wir wollen zwar auch gerne in Berlin auftreten. Aber wir müssen natürlich in Saarbrücken spielen.