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Vorstellung der CD "Passion" von Elisa Wehrle in der Breite63

Talent der Saarbrücker Hochschule für Musik : Eine Bodenständige mit Hang zum Glamour

Schubert-Lieder singt Wehrle mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der sie Hits von Céline Dion schmettert. Macht das die Sängerin aus Saarbrücken gerade so erfolgreich?

„Bei mir läuft es gerade ziemlich gut!“, strahlt die Sängerin und Schauspielerin Elisa Wehrle, 31, und schiebt sich die Ray Ban-Sonnenbrille aus dem perfekt geschminkten Gesicht. „Irgendwie hat Corona bei mir was ins Rollen gebracht.“ Momentan lebt die Sopranistin aus dem Koffer, weil sie von einer TV-Show zur nächsten Benefiz-Gala weiter gereicht wird. Selbst für so verrückte Sachen wie die musikalische Untermalung von Titelkämpfen im Boxen werde sie gebucht, berichtet sie.

Master-Abschlusskonzert an Hochschule für Musik Saar

Tatsächlich ist sie so viel unterwegs, dass sie sogar die Noten und Texte für ihr Master-Abschlusskonzert an der Hochschule für Musik Saar (HfM) am 21. September unterwegs in Zug und Flugzeug lernen muss. Wie kam's? Als Künstlerin stand auch Wehrle während der Pandemie vor der Frage: „Was mache ich ohne Live-Publikum?“ Also baute sie ihre Online-Präsenz aus und stürzte sich auf Film, Fernsehen und Studio. In Köln nahm sie Anfang des Jahres ihre erste Solo-CD auf; mit „Liedern, die mir Kraft geben“, erzählt Wehrle.

Neues Album „Passion“

„Passion“ heißt das Album mit Neu-Interpretationen von geistlichen und weltlichen Titeln. Die CD war so erfolgreich, dass Wehrle nachpressen lassen musste. Und jetzt plant sie ein Album mit selbst geschriebenen Songs, allesamt Deutschpop. Ihre Komposition „Hinter den Wolken“ brachte ihr bereits im September letzten Jahres ein Stipendium des „Klangspektrums BW“ der Baden-Württemberg Stiftung ein. Und ihr Lied „Liebenswert“ wird aktuell auf Spotify und anderen Plattformen eifrig gestreamt: Darin schildert sie das Gefühl, wie es ist, als erwachsener Mensch sich selbst als Kind zu begegnen.

Schauspielausbildung bei Ute Münz

„Eigene Lieder und Texte zu singen, fühlt sich völlig anders an, als etwas zu interpretieren“, sagt Wehrle – vielleicht, weil man mehr von sich preisgebe. Die Musik zu „Passion“ hat Wehrle größtenteils selbst mit Klavier und Gitarre zu vorproduzierten Sounds eingespielt. Bei den Arrangements für ihr neues Album möchte sie nun gern zurück zu ihren Wurzeln und überlegt, die Mädchenkantorei des Freiburger Münsters einzuspannen. Dort war sie selbst als Kind Mitglied und absolvierte deshalb schon früh regelmäßig Konzertreisen im In- und Ausland, etwa durch Russland und Kanada. Danach studierte Wehrle zunächst Operngesang in Frankfurt und wechselte dann an die HfM zu Ruth Ziesak, die sie als Sängerin wie Pädagogin überaus schätzt. Und weil ihr auch das Schauspiel immer schon wichtig war, nahm sie bei HfM-Dozentin Ute Münz mehr Unterricht, als in diesem Fach für Sänger üblich ist.

Bereits während ihres Studiums konzertierte Wehrle als Solistin in Norwegen und Israel; sie absolvierte diverse Meisterkurse und erhielt zig Stipendien, darunter das der Elisabeth und Bruno Meindl-Stiftung oder der Yehudi Menuhin Stiftung. Und heute noch singt sie im Extra-Chor der Oper Frankfurt, meist Verdi oder Wagner. Das Publikum des Saarländischen Staastheaters kennt Wehrle aus der Kinderoper „Die arabische Prinzessin“, aus der Schauspielproduktion „Glück“ und aus gleich mehreren Musiktheater-Produktionen in Kooperation mit der HfM: Wehrle sang die Partie der Mutter in „Coraline“ und zuletzt die Silvia Lombardi in Erich Korngolds „Die stumme Serenade“.

Arbeit mit TV-Prominenz

„Korngold war eine Entdeckung“, schwärmt Wehrle, „die Rolle dieser Schauspiel-Diva war mir wie auf den Leib geschrieben!“ Lachend bekennt sie sich zu einem gewissen Hang zum Glamour, betont jedoch zugleich ihre disziplinierte Bodenständigkeit: Proben und kleine Konzerte in privatem Rahmen nimmt sie genau so ernst wie große Shows an der Seite prominenter TV-Stars oder klassische Lieder- und Operettenabende, die sie liebevoll szenisch ausgestaltet. Ihre vielleicht größte Stärke ist jedoch ihre Vielseitigkeit. Als Schauspielerin wie Sängerin liebt sie es, in verschiedene Charaktere einzusteigen, und sie tummelt sich in der E-Musik wie im Pop: Schubert-Lieder singt Wehrle mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der sie Hits von Céline Dion schmettert. Beides sei vereinbar, versichert sie und kann nur jeden ermutigen, es auszuprobieren, um seinen eigenen Weg zu gehen. Am Samstag gastiert Elisa Wehrle in Begleitung der Pianistin Natalia Malkova im Malstatter Bürger- und Kulturzentrum „Breite 63“: Auf Einladung des Vereins KuBe (Kultur und Bewusstsein) stellt sie ihr Album „Passion“ vor.
 Vorstellung der CD „Passion“: Samstag, 4. September, 20 Uhr, Breite63. Breite Str. 63, 66115 Saarbrücken. Es gilt die 3G-Regel, Anmeldung verpflichtend unter www.breite63.de