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Porträt: Von Köln über Chile nach Saarbrücken

Porträt : Von Köln über Chile nach Saarbrücken

Der Informatiker Wolfgang Riesenkönig startete seine Karriere in Südamerika. An der HTW lehrte er dann als Professor.

Wolfgang Riesenkönig sitzt in seinem Arbeitszimmer in seiner Wohnung in Scheidt am Computer. Im Internet kennt er sich bestens aus und besucht virtuell viele Länder dieser Welt. Ab und zu schreibt er auch noch ein paar kleinere Programme, wenn er Lust dazu hat. „Ach ja, die Informatik. Das ist schon eine schöne Sache, und sie hat mir sehr viel ermöglicht“, sagt der 92-Jährige mit einem sympathischen Kölner Dialekt.

In Köln hat der junge Wolfgang nach dem Zweiten Weltkrieg Informatik studiert und danach bei einem Elektronikunternehmen in Stuttgart gearbeitet. Wie es der Zufall wollte, verkaufte das Unternehmen auch Computer an eine Universität in Chile. Als die Chilenen fragten, ob ein qualifizierter Mitarbeiter  gleich mitkommen könne, um die Computer einzurichten und zu erklären, meldete sich Wolfgang Riesenkönig. „Das war eine einmalige Chance und ein Abenteuer zugleich. Ich habe diesen Schritt nie bereut“, blickt der 92-Jährige zurück. Der Kölner leistete so gute Arbeit in Südamerika, dass er gleich mehrere Angebote bekam und mit seiner Familie für sechs Jahre nach Chile zog. Das jüngste seiner drei Kinder wurde sogar in Chile geboren. Politische Unruhen in Chile führten Ende der 60er Jahre allerdings dazu, dass Familie Riesenkönig ihre sieben Sachen zusammenpackte und nach Saarbrücken zog.

„Ein Freund von mir, der mittlerweile auch schon verstorben ist, hatte mir einen Platz an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken angeboten. Meine Frau hat sich sofort in das Saarland verliebt und wollte nicht mehr weg“, sagt der Informatik-Professor und zeigt auf ein Foto seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Frau. Die Kontakte nach Chile hielt Wolfgang Riesenkönig immer, half den Chilenen bei Informatikfragen und ermöglichte vielen chilenischen Studenten ein Studium in Saarbrücken. Für diese besonderen Leistungen erhielt Wolfgang Riesenkönig im Jahr 2004 das Bundesverdienstkreuz, das er ebenfalls in seinem Arbeitszimmer liegen hat. Wobei der kleine Raum viel mehr an ein Museum erinnert als an ein Arbeitszimmer.

„Der philippinische Präsident Ferdinand Marcos lud meine Frau und mich in den 60er Jahren auf eine Insel ein. Es war eine verrückte, aber auch sehr schöne Zeit“, erinnert sich der 92-Jährige und zeigt sich und Marcos auf einem Foto. Daneben hängt ein Bild von seinen alten Kriegskameraden, von denen nur noch er lebt. In Riesenkönigs Jugend fing Deutschland den Zweiten Weltkrieg an. Der Kölner wurde Pilot und flog Transportflugzeuge. „Später musste ich als Soldat an die Front und kam erst vier Jahre nach Kriegsende 1949 aus russischer Gefangenschaft zurück“, sagt Riesenkönig und blättert dabei im Original-Flugzeug-Truppenbuch von damals. Dabei sitzt er an einem Klavier, das genauso alt ist wie er.

„Das war mal meinem Vater. Er war Musiklehrer, aber leider habe ich mit Musik nicht viel am Hut. Es müsste mal gestimmt werden“, so der 92-Jährige. Mit Rudern hatte der Kölner viele Jahre lang was am Hut und war auch Vorsitzender der Saarbrücker Rudergesellschaft Undine.

„Heute fahre ich nur noch Fahrrad, da fühle ich mich noch sicher. Das Autofahren habe ich schon längere Zeit aufgegeben. Es ist zu gefährlich für mich und die anderen“, sagt der Kölner, der mittlerweile keine Freunde mehr in seinem Alter hat. „Alle, die ich früher einmal gekannt habe, sind tot. Das ist ein komisches Gefühl. Aber ich habe neue Freunde gefunden. Und ich habe noch meine ganzen Hobbys, allen voran die Informatik“, sagt der Kölsche Jung in seiner Wahlheimat Scheidt.