| 20:43 Uhr

Das erste Springthing-Festival im Saarland
Von diesem Frühling bitte noch mehr auf die Ohren

Saarbrücken. Gelungene Premiere für das Festival „Spring Thing“ im Studio 30. Die lokale Musikszene zeigt, dass sie verdammt viel drauf hat. Von Oliver Sandmeyer

Ein bisschen ist die Stimmung tatsächlich wie bei einem Klassentreffen, aber das war von Festival-Initiator Max Ludwig ja auch so gewollt: Bei der ersten Ausgabe des neuen Saarbrücker Festivals „Spring Thing“, das viele lokale Bands zusammenbringt, kennen sich die Musiker und deren oftmals gleich mit angereister Anhang untereinander. Es wird sich umarmt und miteinander gequatscht, was eine angenehme, familiäre Atmosphäre aufkommen lässt.


Fast pünktlich eröffnen Trainer den ersten Festivalabend am Freitag im Live-Musik-Club Studio 30. Und sie bringen das Publikum augenblicklich auf Betriebstemperatur: Die Band spielt eine Mischung aus Noise-Rock und Post-Punk, die dreckig klingen soll. Und das tut sie auch. Zwei Takte zerhackende Gitarren und keinen Bass haben Trainer – was der Band ein besonderes Soundbild verpasst. Statt Ansagen hält Sänger Diede zwischen den Songs Ausdrucke mit Songtiteln hoch. Gut eingespielt klingt das Ganze. Kaum zu glauben, dass dies das erste Konzert der Band überhaupt sein soll: Ein toller Auftakt.

Danach entert das Trio Tausend Augen die kleine Bühne und kredenzt dem Publikum seine repetitiven Songs – ohne langweilig zu sein. Die Band spielt Krautrock – im weitesten Sinne – denn eine punkige Attitüde ist in jedem der Songs spürbar. Während der Rest der Band mal mehr, mal weniger verhallte Riffs aus den Verstärkern schickt, treibt Drummer Alex seine Band mit hypnotischen Motorik-Beats an und lässt Köpfe dauernicken.



Schon nach der Hälfte des Abends sind sich die circa 100 Zuschauer einig: Schade, wenn es keine weiteren Auflagen des „Spring Things“ geben würde; dafür ist die lokale Musikszene momentan einfach zu spannend. Auch wenn bei den darauf folgenden New Faces die Spannung etwas abfällt: Die Musik der drei Damen erinnert an frühe The Cure und Joy Division; vielleicht liegt es an den beiden souveränen Auftritten der vorangegangenen Bands, aber der unterkühlte Post-Punk schafft es heute Abend irgendwie nicht, zu zünden. Vielleicht aber auch, weil sich die getragenen Klangflächen aus dem Synthesizer von Lied zu Lied oft zu wenig unterscheiden. Das Publikum weiß jedoch was sich gehört und applaudiert trotzdem artig.

Oaks, die auf New Faces folgen, sind darauf ein denkbar großer Kontrast und können getrost als der Höhepunkt des ersten Abends bezeichnet werden – auch in Sachen Lautstärke: Fünf Typen in den besten Jahren, darunter gleich zwei Drummer, machen sich daran das Studio 30 durch pures Volumen in Schutt und Asche zu legen und Musik zu einer physisch erfahren Angelegenheit.

Ihr alternativer Metal – wobei diese Beschreibung zu kurz greift – hat viel Groove und ist dem Sound der 90er verschrieben, ohne nostalgisch zu sein. Nach dem Auftritt ist man euphorisiert von der schieren Power von Oaks – aber auch ein wenig erleichtert, dass man diesen Musik gewordenen Orkan überstanden hat und sich am Samstag noch Killflavour, Yagow, Pretty Lightning, Zesura und Cannahann anhören darf. Der Tinnitus begleitet das Publikum anschließend nach Hause – aber das muss so sein.