| 20:30 Uhr

Mir redde Platt
Von Dampfnudel-Blues bis Pfälzer-Lied

Die Band Schaukelpferd mit Didier Atamaniuk, Hervé Atamaniuk und Roland Helm animierte das Publikum beim Mundart-Festival in der Breite 63 zum Mitsingen.
Die Band Schaukelpferd mit Didier Atamaniuk, Hervé Atamaniuk und Roland Helm animierte das Publikum beim Mundart-Festival in der Breite 63 zum Mitsingen. FOTO: Nicole Burkhardt
Malstatt. Zwei Bands spielen beim Festival in der Breite 63 für die Großregion und ihre Mundarten. Von Nicole Burkhardt

Dampfnudeln, Wein, Witz und Musik – in der Breite 63 konnte das Publikum am Donnerstag einen gemütlichen und interessanten Abend erleben. Die Organisatoren haben sich mit dem „Mir redde platt“-Festival vorgenommen, die regionale Mundart nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.


Denn die Großregion bietet einiges, was Sprachenvielfalt angeht: Pfälzischer, lothringischer, elsässischer, und letzeburgischer Dialekt sind da nur eine winzige Auswahl, ganz abzusehen von den unterschiedlichen Farben und Klängen, in denen sich die Sprachen je nach Mikroregion unterscheiden. Das meint auch der künstlerische Leiter des Hauses Hans Martin, als er die beiden Bands zu Beginn begrüßt. Der langjährige künstlerische Leiter des Festivals Hervé Atamaniuk heißt die Besucher des Abends angemessen – nämlich in saarländischer Mundart – willkommen. „Hier in der Breite fühlt man sich dahemm“, ist er der Meinung, als er in die gemütliche Runde mit Kerzen auf den Tischen blickt. Als saarländischer Gastgeber hat er zur 20. Ausgabe des Festivals zwei Gäste aus Ost und West geladen: „Reinig, Braun und Böhm“ aus der Pfalz und die lothringische Band „Schaukelpferd“, bei denen er selbst auf der Bühne steht.

Das Trio Reinig, Braun und Böhm beginnt mit lustigen, spritzigen Melodien, die Rüdiger Böhm auf der Blockflöte locker-leicht präsentiert. Fast keltisch muten die Klänge an. Als sie Anspielprobe hatten, sei den Bands sogar die musikalische Ähnlichkeit aufgefallen, sagt der Sänger. Man merkt: Die Grenzen sind genauso wenig hart gezogen, wie die Sprachgrenzen. Das Pfälzische ähnelt dem Saarländischen, das Saarländische dem Lothringischen und so weiter. Mit diesem ersten Stück wollten die Drei eigentlich den Frühling begrüßen, der im Saarland aber leider noch nicht so richtig angefangen hat. In einem weiteren Lied besingen die drei das pfälzische Weinfest mit all seinen Besonderheiten, da darf auch das traditionelle „Pfälzer Lied“ am Schluss nicht fehlen. Im Wechsel übernehmen die Instrumentalisten die Melodie, das gibt den Liedern vielfältige Klangfarben und auch Tempo und Rhythmen sorgen für Abwechslung, beim Dampfnudelblues fangen sogar einige Zuhörer an, mitzusingen. Das Publikum verlangt nach einer Zugabe.



Die zweite Hälfte bestreitet „Schaukelpferd“. Die vierköpfige Band mit Didier und Hervé Atamaniuk und Roland Helm ist musikalisch auf einem höheren Level und deutlich routinierter auf der Bühne. Mit einer Leidenschaft und viel Spaß können sie auch das Publikum mitreißen, zum „Miauen“ und Mitschnippen bringen. Auch die mehrstimmigen Passagen sind ein wahrer Genuss. Als Höhepunkt des Abends gehen die Bands gemeinsam auf die Bühne und zeigen, dass die Sprachgrenze oder musikalische Grenze nichts mit der politischen Grenze zu tun haben muss.