Vom Handweben zum Webdesign : Vom Webstuhl zum Webdesign

Cornelia Holleck-Weithmann verknüpft Menschen genauso wie Fäden aus Wolle und Papier.

Neben dem Bücherregal steht ein Webstuhl, zwischen Sofa und Klavier ein Spinnrad. Kein Zweifel, hier wohnt jemand mit fleißigen Händen. Davon zeugt auch ein ganzes Sortiment auf dem Schrank drapierter Gegenstände. Was ist das denn? Typisch Upcycling – da werden Konsumgüter gern mal ein bisschen anders gedacht. Mit viel Liebe und Geschick hat jemand Fahrradschläuchen, Tageszeitungen und Knöpfen ein zweites, originelles Leben als Tasche, Gürtel, Schale oder Ring geschenkt. „Das ist mein Hobby. Mit Materialien zu spielen macht einfach Spaß“, erklärt Cornelia Holleck-Weithmann.

Auf die Idee, Zeitungspapierstreifen zu dicken Fäden zu formen, muss man erst mal kommen. Sie winkt ab: „Das haben schon andere gemacht.“ Die drehen die Streifen allerdings mit den Fingern, „das ist mir zu mühsam“. Wie sich herausstellte, funktioniert es auch mit dem Spinnrad ganz gut. Auf die Gummischläuche kam Cornelia Holleck-Weithmann, als sie ein Weihnachtsgeschenk für ihren Schwager suchte. Es wurde ein Unikat-Gürtel aus schwarzem Gummi. Auf den Geschmack gekommen, nähte sie sich anschließend eine Tasche aus dem ungewöhnlichen Material – und ging mit beiden Produkten in Serie.

„Von Beruf her bin ich gelernte Handweberin“, zusätzlich studierte sie Textildesign in Saarbrücken. Es folgten ein paar Jahre in der Möbelstoffweberei, dann machte sich die gebürtige Bad Kreuznacherin als Textildesignerin selbstständig. Schwierig wurde es, als die Kinder kamen. „Als Keramikdesignerin hätte man im Saarland bessere Karten“, doch das stand nie zur Debatte. Nach einer Fortbildung 2001 verlegte sich die zweifache Mutter beruflich aufs Webdesign und Grafik. Computer, Maus und Tastatur sind seitdem ihre Werkzeuge. So kreativ diese Tätigkeit ist, Cornelia Holleck-Weithmann vermisste dabei „das Material zwischen den Händen. Ich habe ja damals meinen Beruf nicht ohne Grund gewählt.“

Deshalb lebt sie ihre von Mutter (Weberin), Vater (Grafiker) und Großvater (bildender Künstler) ererbte handwerkliche Ader in der Freizeit aus. Vorzugsweise mit Werkstoffen, die sowieso anfallen und die niemand mehr braucht.

Angefangen hat alles in der Grundschule Rußhütte. Dort galt es, einen Ostermarkt zu organisieren – und mit Dingen zu bestücken, die möglichst wenig in der Produktion kosten. Als der Nachwuchs an die Montessorischule wechselte, hob Cornelia Holleck-Weithmann mit ihrer Freundin den Kunsthandwerkermarkt aus der Taufe. „Der Schule waren Fördermittel gestrichen worden und wir haben uns gefragt, wie man da unterstützen kann.“

Längst ist der Markt, um den sich ein elfköpfiges Team kümmert, etabliert. Immer im Spätherbst  präsentieren 40 Aussteller ihre Arbeiten, in diesem Jahr schon zum siebten Mal. „Anfangs flossen die Gewinne in den Sozialfonds. Inzwischen gehen sie in den Kunstbereich.“ Eine Druckerpresse sprang zum Beispiel schon dabei heraus und Material für den Musikunterricht, „das passt, das werden wir beibehalten“.

Jetzt laufen die ersten Vorbereitungen an, ab Mai wird eingeladen. Sie selbst bietet dort immer auch ihre eigenen Werke an. Fest zu ihrem Leben gehört inzwischen auch „Frauenmantel“. „Sich mit Frauen verbinden und stärken. Neue Wege gehen, altes Wissen finden“, das sind die Intentionen, derentwegen sie den Verein mit gründete und ihn als zweite Vorsitzende unterstützt.

Das jüngste Projekt war die Kunstaktion „Wir haben eine Stimme“ für den One-Billion-Rising-Tag. Cornelia Holleck-Weithmann entwarf fünf Frauen-Motive für Postkarten, unter die Geschlechtsgenossinnen notieren konnten, was sie „stark“, „mutig“, „dankbar“ macht , was sie „freut“ oder „empört“.

Langweilig wird es der Wahlsaarbrückerin, Jahrgang 1963, garantiert nicht so schnell. Wobei sich ein Motto weiter wie ein roter Faden durch ihre Biographie ziehen wird, egal ob weben oder Web-(Design): „Hauptsache kreativ“.