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Volles Haus und satter Sound: „Joel Becks & Das Nathan Birnbaum Trio“

CD-Release : Eine (be-)rauschende Nacht mit Joel Becks im Garelly-Haus

Volles Haus und satter Sound: „Joel Becks und das Nathan Birnbaum Trio“ machen ihre CD-Präsentation zu einem Fest, das die Fans beglückt.

„Darf ich noch mal anfangen?“ Klar doch. Schließlich haben sich an diesem kalten Novemberabend wirklich viele Musikfans im Alt-Saarbrücker Garelly-Haus eingefunden, dem alternativen Kulturzentrum mit seinem rustikalen Beton-Schick. Dort heißt es heute „A Night out with Joel Becks“. Das Erscheinen ihrer gleichnamigen CD feiert die Band mit dem womöglich schrägsten Namen der Stadt, „Joel Becks und das Nathan Birnbaum Trio“.

Blues-Musiker Tom North ist ihr Vor-Act, sammelt sich, atmet tief durch und beginnt nochmals seinen Auftritt mit einer langsamen, selbst komponierten Blues-Nummer.

Obwohl er immer wieder mit dem Sound hadert und sich ständig entschuldigt – „sorry echt“ – überzeugt seine Darbietung, die er mit einer beherzten Prise Selbstironie würzt, wenn er in seiner Hose nach dem Plektrum wühlt: „Das ist natürlich in der kleinsten Tasche, die ich habe – der einzigen, die kein Loch hat.“

Um halb zehn heißt es dann auf die Beine, fertig und „einen Schritt weiter nach vorne“. Mit „We came from the North“, dem Opener des neuen, dritten Albums, legen die Jungs von „Joel Becks und dem Nathan Birnbaum Trio“ los und bekommen dafür großen Applaus.

Wie von Frontmann und Sänger Joel Becks gewünscht, rückt das Publikum auf und geht mit dem Quartett auf Tuchfühlung. Während die vier Mannen mit den blumigen Namen vor bunten Projektionen in die Saiten hauen und das Schlagwerk zum Klingen bringen, kommt das Publikum mächtig in Fahrt.

Ausgelassen mitgehende Besucherinnen säumen die auf einem Teppich agierende Band. Zwischen Betonposten dicht gedrängt tanzt und wippt die Besucherschar im Takt. „Das ist unser eigenes kleines Utopia, was hier heute feiern werden“, verkündet Joel Becks und wird dafür lauthals gefeiert.

Wenig später feuern ambitionierte Fans Konfetti-Kanonen in die Menge und verwandeln das Besucherrund in einen glitzernden und funkelnden Kometenschauer. So mancher muss funkelnde Schnipsel aus dem Gin Tonic fischen, während die Band das Publikum mit dem Song „Jolly Jumper“ zum galoppierenden Tanz antreibt. „Alles ist erlaubt und alles möglich“, orakelt Joel Becks.

In ihrem gut zweistündigen Konzert spielt die Band alle Lieder ihres neuen Albums, das sie im Anschluss auch verkauft. Aber natürlich bringen die vier neben der frenetisch gefeierten Coverversion von Iggy Pops „Passenger“ auch sorgsam ausgewählte Songs aus ihrer zehnjährigen Bandgeschichte zu Gehör. Was ihnen die kundigen Fans mit textsicheren Gesangseinlagen zum Beispiel bei der hippiehaften Nummer „Coming to L.A.“ danken.

Ein Schmankerl ist der Auftritt des Saxofonisten Schlomo Rubinstein, der den „Devil Dance“ meisterhaft zu befeuern weiß. Nach zwei Stunden Konzert sind nicht nur die Bandmitglieder, sondern auch ihre Fans glücklich und geschafft. „Ich fand’s wieder saugeil“, sagt ein Gast. Dem ist nichts hinzuzufügen.