Vokalensemble Saarvoir Chanter mit fantastischer Uraufführung

Konzert : Eine Uraufführung mit dem Vokalensemble Saarvoir Chanter

Eine stimmungsvolle Atmosphäre, ein fantastisches Vokalensemble und eine Uraufführung – all dies erlebten die etwa 40 Zuhörer am Samstagabend in der Saarbrücker Jugendkirche „eli.ja“. Dass das möglich wurde, hing eigentlich am seidenen Faden.

Denn ursprünglich war ein anderes Vokalensemble engagiert, wie eine der beiden Organisatorinnen, Josefine Hoffmann, berichtete. Das sagte im September (!) aus Termin- und Krankheitsgründen ab.

Wie gut, dass Hoffmann David Eckstein vom Ensemble Saarvoir Chanter kennt und diesen in der Not fragte, ob man nicht übernehmen könne. Man konnte. Und so wurde das schwierige Werk des Kölner Komponisten Martin Brenne „La lampe, le dormeur“ in Rekordzeit einstudiert.

Zunächst aber eröffnete Saarvoir Chanter das Konzert mit drei skandinavischen Stücken: Mit Gunnar Erikssons „Gjendines badnlat“ hielten die vier Sängerinnen und vier Sänger Einzug in die Kirche. Dabei zeigte sich schon die Klasse des Vokalensembles, das sich aus ehemaligen Mitgliedern des Landesjugendchors Saar gegründet hat.

Der nächste Block umfasste drei Stücke geistlicher Chormusik aus Renaissance und Barock. Nach zwei britischen Liebesliedern und drei zeitgenössischen Stücken war das Ensemble eingesungen für die Uraufführung.

Josefine Hoffmann ist wie ihre Mitorganisatorin Maike Hansen Doktorandin im Graduiertenkolleg „Europäische Traumkulturen“, das derzeit an der Universität des Saarlandes abgehalten wird. Hansen schlug das Gedicht „La lampe, le dormeur“ des Franzosen Yves Bonnefoy vor, Hoffmann sprach Martin Brenne an, ob er den Text vertonen könne.

Inhaltlich handelt es sich um das Gespräch zwischen einem Einschlafenden und einer Nachttischlampe. Dem Stück selbst hätte man den Bezug zum Thema Schlaf nicht unbedingt angemerkt, denn es war alles andere als einschläfernd. Im ersten Satz führte Sopranistin Susanne Meyer eindrucksvoll über teils gnadenlos tiefe Basstöne. Das setzte sich im zweiten Satz fort. Dieser überzeugte durch seine wundervollen Harmonien. Der dritte Satz wiederum brachte mehr Schräges und brutale Tonsprünge.

Einer der Zuhörer sagte im anschließenden Gespräch, die Komposition habe ihn an Paul Hindemith erinnert. Darüber freute sich Brenne – der sei nämlich sein Lieblingskomponist. Aber auch an Bach, Strawinski und Bartok finde er Gefallen, ebenso wie an den Progrock-Gruppen der Siebziger, Yes und King Crimson. Ein wenig von diesen Vorbildern war hier und da zu erkennen.

Wie lange Brenne daran gearbeitet hat, könne er nicht genau sagen. „So etwa 20 Stunden für die Komposition und sicher mehr als das Doppelte für den Chorsatz.“ Vor allem die Rhythmik des Französischen sei für ihn eine Herausforderung gewesen. Vom Vortrag von Saarvoir Chanter war Brenne sehr angetan: „Das Ensemble war sehr gut.“ Eine gute Idee war es auch, nach der Gesprächsrunde das Stück ein zweites Mal aufzuführen – da hörte man es noch mal mit anderen Ohren.

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