Vereinbarkeit: Sternekoch Erfort schließt Restaurant am Wochenende

Kostenpflichtiger Inhalt: Vereinbarkeit von Familie und Beruf : „Lebensqualität geschenkt“: Sternekoch Erfort schließt Restaurant am Wochenende

Sternekoch Klaus Erfort öffnet sein „Gästehaus“ in Saarbrücken nicht mehr am Wochenende. Er will, dass die Angestellten seines Restaurants mehr Zeit für ihre Familien haben – ein neuer Trend in der Gastronomie?

Der Samstag ist nun ein Ruhetag für Gourmets: Seit Jahresbeginn empfängt Klaus Erfort seine Gäste von Montag bis Freitag, die Öffnungszeiten am Wochenende fallen weg. Wer am Samstag in seinem Drei-Sterne-Restaurant speisen will, kann das nur noch „nach Vereinbarung“ tun. Das hat der Küchenchef in dieser Woche öffentlich bekannt gegeben.

Wieso stellt Erfort auf eine Fünf-Tage-Woche mit freiem Wochenende um? „Mir war es wichtig, meinen Mitarbeitern einen Rahmen zu schaffen, in dem sie Familie und Beruf besser in Einklang bringen können“, sagt der 47-Jährige. Auch seine Attraktivität als Arbeitgeber will Erfort steigern, einem Fachkräftemangel in der Spitzengastronomie vorbeugen. „Ich denke, unsere Gäste werden die neuen Öffnungszeiten gut annehmen und diesen Schritt nachvollziehen können“, ist er überzeugt.

Nach gut sechs Wochen zieht Erfort im Gespräch mit unserer Zeitung eine erste Zwischenbilanz. Der Montag entwickele sich „ganz gut“, sagt der Sternekoch. In der Vergangenheit hatte das „Gästehaus Erfort“ zu Wochenbeginn geschlossen – wie andere Topadressen. So bleiben bei Christian Bau in Perl-Nennig, wie Erfort mit drei Michelin-Sternen dekoriert, die Tische am Montag und Dienstag leer.

Durch die neuen Öffnungszeiten bekomme man „sehr viel Lebensqualität geschenkt“, erklärt Christian Heilemann, Restaurantleiter und Sommelier bei Erfort. Sein Chef sagt: „Die Mitarbeiter sind alle ganz glücklich.“ Für ihn geht es auch um Wertschätzung für die Beschäftigten in der Gastronomie. Es sei selbstverständlich, dass man immer da sei und immer am Wochenende arbeite, sagt Erfort über die Erwartungshaltung, mit der er jetzt bricht.

„Im Prinzip haben wir sieben Tage, an denen die Gäste vor der Tür stehen“, sagt Frank C. Hohrath, Geschäftsführer beim Branchenverband Dehoga im Saarland. Er beobachtet, dass sich die Öffnungszeiten der Restaurants trotzdem verändern – und zwar in der Fläche. „Der Trend geht eher dazu, zwei freie Tage in der Woche zu machen“, erklärt Hohrath. Aus der Not werde eine Tugend gemacht. Denn die Bereitschaft, sich in der Küche oder hinter dem Tresen aufzureiben, während andere Freizeit haben – sie sinkt.

Mark Baumeister, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), sagt über den Gastro-Trend zu mehr Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf: „Für die Sternegastronomie ist das neu, aber eigentlich ein alter Hut.“ Als Beispiel führt er die Fünf-Tage-Woche an, die mittlerweile im Tarifvertrag festgeschrieben sei. „Früher hatten wir viele Sechs-Tage-Wochen“, berichtet Baumeister. Die Zeiten, sie ändern sich.