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Vanessa Bender ist Newcomerin der Saarbrücker Szene

Serie Poetry-Slammer : Ihre Texte sollen Mut und Kraft schenken

Ein Beitrag von Selina Dahler bei einem Poetry Slam hat Vanessa Bender derart inspiriert, dass sie auch so was hinkriegen wollte.

Vanessa Bender ist in der Saarbrücker Poetry Slam-Szene eine Newcomerin mit ihren gerade mal 19 Jahren. Trotzdem hat sie es geschafft, seit ihrem Debüt im April vergangenen Jahres an fünf weiteren Slams teilzunehmen – zuletzt bei einem feministischen Poetry Slam in der Stadtbibliothek, bei dem sie den zweiten Platz errang.

Auffallend dabei: wie stark sie ihr Innerstes nach außen kehrt in ihren Texten. „Alle meine Texte sind tiefgehend und sehr persönlich, auch ein bisschen selbsttherapeutisch, das tut mir gut“, sagt sie. Um teils sehr schlimme Erlebnisse geht es da, aber auch um die Verwirklichung eines lange gehegten Wunsches – nämlich mal auf einer Bühne zu stehen und etwas vorzutragen.

Diese Sehnsucht war unspezifisch schon lange vorhanden und fand dann ein Ziel bei einem Poetry Slam des Dichterdschungels. Vanessa war dort zu Gast und von einem Beitrag von Selina Dahler so inspiriert, dass sie sich sagte, so was wolle sie auch hinkriegen. In dem Text war es um eine tiefe persönliche Krise gegangen und wie die Autorin wieder herausgefunden hatte.

„Ein paar Tage danach habe ich meinen ersten Text geschrieben, in der Nacht, bevor ich mein Tattoo bekommen habe“, erzählt Vanessa und zeigt, um was es ging: Den Schriftzug „Hope“ hat sie sich in den Unterarm stechen lassen. Die Hoffnung war also das Thema ihres ersten Slam-Textes: Wie man mithilfe dieses Gefühls aus tiefer Dunkelheit wieder zurück ins Leben findet. „Meine Hoffnung! Ich werde dich auf meiner Haut tragen. Über all meinen Narben!“, heißt es darin, oder: „Hoffnung, du bist da. Bis irgendwann an meinem letzten Tag!“. Starke Worte. „Etwas, was ich mit meinen Texten erreichen möchte, ist anderen zu helfen, Mut und Kraft zu schenken und ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind“, sagt Vanessa. Ihr Umfeld habe sehr positiv auf ihre Mitwirkung bei Slams reagiert und sie darin bestätigt, dass sie sich trauen sollte, ihre Texte vorzutragen. „Viele Bekannte von mir waren auch sehr beeindruckt, wie ausdrucksstark meine Texte sind und dass ich so mutig bin sie vorzutragen“, sagt sie stolz.

Kraft gibt ihr auch die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin, die sie bei den Saarland Heilstätten und einer Wohngruppe der Lebenshilfe absolviert. Vanessa betreut dort geistig Behinderte und mehrfach Schwerstbehinderte mit und ohne körperliche Einschränkung. „Das macht mir auf jeden Fall Spaß. Klar, es ist manchmal auch anstrengend und ein bisschen eklig, je nachdem, was gerade passiert.“

Denn die Auszubildende ist dort in die komplette Grundpflege eingebunden, duscht die Bewohner oder macht sie sauber. „Ich mache das gerne, weil die Leute das ja nicht selber können. Die geben einem unheimlich viel Dankbarkeit zurück. Das tut mir selber auch gut“, sagt Vanessa Bender.

In der Zukunft will Vanessa gern noch mal außerhalb des Saarlandes bei einem Poetry Slam auftreten. Das Weiteste war bisher Trier, wo sie bei den U 20-Stadtmeisterschaften teilnahm. „Dort aufzutreten, war sehr schön, aber ich war sehr aufgeregt und nervös.“ Vanessas Inspirationsquelle Selina Dahler war dort auch und widmete der jungen Saarbrückerin ihren Text: „Das war sehr schön.“ Sie selbst hat bereits vier Slam-Texte vorgetragen und einen weiteren fertig: „Für den fühle ich mich noch nicht bereit.“