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Valerie Kramp hilft als Saalbetreuerung beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken

Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken : Fürs Ophüls ist ihr kein Weg zu weit

Die 25-jährige Valerie Kramp macht sich jedes Jahr von London aus auf, um als Volunteer beim Filmfestival in Saarbrücken zu helfen.

Gegen London zieht Saarbrücken den Kürzeren. Könnte man meinen. Man könnte aber auch meinen, dass sich Menschen in den wenigen Tagen Urlaub, die sie im Jahr haben, nach Ruhe und Entspannung sehnen und nicht nach mehr Arbeit. Könnte man eben auch nur meinen. Denn bei der 25-jährigen Valerie Kramp trifft irgendwie beides nicht zu. Zumindest nicht, während das Filmfestival Max Ophüls Preis stattfindet. Aber dann herrscht ja bekanntlich fast überall Ausnahmezustand.

Ursprünglich kommt Valerie Kramp aus dem Saarland. Nach einer Ausbildung im Hotelgewerbe zog sie 2018 mit ihrem Freund nach London. „Wir dachten, na ja, wir gehen mal weg“, erzählt sie, „und London hat eben geklappt.“ Nach gut zwei Jahren fühlt sie sich dort heimisch, es gefällt ihr, der „pre-settled status“, mit dem sie wahrscheinlich auch nach dem Brexit im Land bleiben kann, ist beantragt. Einmal im Jahr verfällt sie allerdings in Sehnsucht, es wird ihr ganz blau ums Herz, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Rede ist vom Januar. Filmfestival-Saison in Saarbrücken. Kramp nimmt dann Urlaub, packt ihre Koffer und kommt in die alte Heimat. Allerdings nicht, um sich gemütlich in Ruhe und ohne jeden Stress ein paar Wettbewerbsfilme anzuschauen. Nein, in ihrem Urlaub arbeitet Kramp dann als Volunteer beim Filmfestival Max Ophüls Preis.

Zum ersten Mal hat sie das 2018 gemacht, da war sie noch in der Ausbildung, „aber ich brauche immer was nebenher, ich langweile mich nicht so gerne“, sagt sie. Bei diesem ersten Kontakt mit dem Filmfestival ist das passiert, was irgendwie so viele beschreiben, die mit dem Festival und den Filmschaffenden in Berührung gekommen sind: Alle sind sie dem blauen Fieber verfallen, wie elektrisiert, begeistert. Und: Sie wollen mehr. „Das war damals ein Schlüsselerlebnis“, sagt Valerie Kramp. Plötzlich konnte sie mit (Film-)Menschen und dem Medium Film „ganz anders kommunizieren“, wie sie sagt, sie war verzaubert, wusste, „ich will zum nächsten Mal noch mal hin“.

Und sie kam wieder. Während sie im ersten Jahr am Info-Counter arbeitete, ist sie seit zwei Jahren für die Saalbetreuung zuständig. Jeden Tag bis zu neun Stunden. Eine Bezahlung bekommt sie dafür nicht, lediglich die Kosten für ihre Anreise werden gedeckt. „Natürlich erwarte auch ich was“, sagt sie, „nämlich, dass es schön wird.“ Ihre Arbeit als Saalbetreuerin sollte man, wenn es gut läuft, gar nicht merken, erzählt Kramp. Sauberkeit kontrollieren, Rosen bei Premieren vorbereiten, die Uhr im Auge behalten. All das fällt in ihr Aufgabengebiet. Aber auch die Anmoderation und das Abspielen des Trailers erfolgen auf ihr „Go“. Manchmal muss sie auch nervöse Filmteams beruhigen, vor allem, wenn die ihr „erstes Screening“, wie sie sagt, haben. Wie selbstverständlich hat sie sich die Fachsprache der Filmwelt angeeignet, benutzt sie.

Bis Sonntag noch wird es derart überfüllte Kinosäle geben. Und für jeden Saal werden freiwillige Helfer gebraucht, die sich um Einlass und Kontrolle kümern. Foto: ffmop / Oliver Dietze/Oliver Dietze

Ob sie sich schon vorher so für die Filmbranche interessiert habe? „Das kam dann nach und nach“, sagt sie verlegen. Auch in der großen Filmszene in London habe sie sich dann mal umgeschaut, kleinere Festivals besucht. Dort sei aber alles aufgespalten: Kurzfilm-Festival, Festival für mittellangen Film, für Spielfilm. Oft werden sie von Privatleuten initiiert. Mit dem Ophüls könne man das nicht vergleichen, „London kommt da bei weitem nicht ran“. Eine Meinung, die auch Filmschaffende zu teilen scheinen. „Die sagen immer: In Sachen Filmfestivals kommt Saarbrücken direkt nach Berlin und München“, sagt Kramp und grinst. Und so kehrt sie doch jedes Jahr von der Metropole London in ihre eigene heimatliche Filmmetropole zurück.