Uwe Meyer aus Malstatt musste noch mit dem Besen von oben Schornsteine putzen

Kostenpflichtiger Inhalt: Dienstältester Schornsteinfeger in Saarbrücken : Der Glücksbringer mit dem Zylinder

Der Molschder Uwe Meyer hat in seiner 43-jährigen Karriere als Schornsteinfeger schon über 100 000 Kamine geputzt.

Wenn Uwe Meyer sagt, dass er ein Lächeln in die Gesichter der Menschen zaubert, dann ist das keineswegs übertrieben. Beim Fototermin mit der Saarbrücker Zeitung mitten in der Breite Straße in Malstatt folgte der Beweis. Vorbeigehende Kinder lächelten und auch ein älteres Ehepaar, das grüßte und gleich Glück fürs neue Jahr wünschte. „Wenn ich klingele und sie die  Haustüre aufmachen, lächeln sie sofort. Das ist das Zauberhafte an meinem Beruf“, sagt Uwe Meyer.

Er ist Schornsteinfeger – und das schon seit 43 Jahren. Er kennt fast alle Häuser in Saarbrücken und findet damals wie heute den Blick über die Dächer der Landeshauptstadt fantastisch. Uwes Papa war Lehrer an einer Schornsteinfeger-Schule, und ein Freund des Papas nahm Uwe im August 1977 einfach mal mit auf seine Schornsteinfeger-Tour. „Damals wurde ja noch richtig vom Dach aus in den Schornsteinen gekehrt. Ich fand das Arbeiten auf den Dächern so spannend, dass ich sofort eine Lehre angefangen habe“, blickt Uwe Meyer 43 Jahre zurück.

Nach der Lehre folgte eine vierjährige Gesellenzeit, dann der Meisterbrief, und nach 23 Jahren als Mitarbeiter machte sich der Molschder Bub schließlich selbstständig. Er ist Schornsteinfeger aus Leidenschaft und trägt immer original Kluft mit Zylinder. Bei der Frage, wie viele Schornsteine er schon sauber gemacht hat, zieht er kurz die Augenbrauen hoch, tippt auf seinem Taschenrechner und sagt: „Etwa 100 000. Früher haben wir zwölf Monate im Jahr Schornsteine sauber gemacht. Es gab ja sonst nichts. Heute sind es vielleicht noch drei Monate im Jahr. Dafür gibt es jetzt viel mehr Messungen wie zum Beispiel bei Gasöfen“, sagt der Schornsteinfeger, der gleichzeitig auch Umweltfachwirt und Gebäude-Energieberater ist.

Der Beruf hat sich gewandelt, die Erinnerungen bleiben aber. „Früher mussten wir uns richtig lautstark ankündigen und in den Höfen schreien – Heute kommt der Schornsteinfeger, es wird gefegt“, erinnert sich Meyer und fängt an zu lachen. „Damals gab es in den Küchen noch Kohleöfen, auf denen gekocht wurde. Wenn wir gerufen haben, legten die Menschen nasse Handtücher um den Ofenanschluss in den Schornstein, damit es nicht in die Küche rußt. Wer es vergaß, erlebte sein schwarzes Wunder. Nicht selten kamen wir in eine total zugerußte Küche“, erzählt der 60-Jährige die Geschichte weiter. Im Nauwieser Viertel befeuerten mehrere Studenten in den 1990er-Jahren mal einen Ölofen mit Holz. „Die hätten fast ihre neue Wohnung in Brand gesteckt. Gott sei Dank haben sie mich noch rechtzeitig gerufen“, erzählt der Schornsteinfeger, der auch im Vorstand der Schornsteinfeger-Innung ist.

Sieben Jahre möchte Uwe Meyer seinen Traumberuf mindestens noch ausüben. Was danach kommt, weiß er heute noch nicht. Wenn man dem 60-Jährigen aber zuhört, wenn er von seiner großen Leidenschaft erzählt und von den vielen lächelnden Menschen, die er täglich sieht, dann ist es kaum vorstellbar, dass Uwe Meyer irgendwann einmal seinen Kaminbesen an den Nagel hängt. „Es macht mir ja auch noch großen Spaß. Ich habe immer kleine Schornsteinfeger in der Tasche, die ich an die Kunden und an Kinder verschenke. Die Leute glauben seit Jahrhunderten daran, dass Schornsteinfeger Glück bringen, und das soll auch so bleiben“, sagt der dienstälteste Saarbrücker Schornsteinfeger.