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Uwe Conradt stellt Pläne für das Areal am Osthafen in Saarbrücken vor

Millionen-Plan von Oberbürgermeister Conradt : Dieser Plan fürs Osthafen-Areal soll künftig mehr Besucher nach Saarbrücken locken

Oberbürgermeister Uwe Conradt hat seine Pläne für das Osthafen-Areal vorgestellt. Mit dieser spannenden Zukunfts-Show für Gastronomie und Kultur will er Saarbrücken jetzt noch attraktiver machen.

Uwe Conradt steht im Regen und hat einen Zehn-Jahres-Plan. Dieser Plan sieht vor, die „Wiege Saarbrückens“, wie der Oberbürgermeister sagt, zu einem spannenden Ort zu machen. Und dem ein paar Meter weiter liegenden „verlassenen Stück Erde durch Kultur neues Leben einzuhauchen“. Der Regen an diesem Dienstagabend scheint die Stimmung nicht zu trüben. Uwe Conradt wirkt begeistert, ganz in seinem Element. Er hat auf der Internetplattform Facebook zu einer Liveübertragung aus dem Saarbrücker Osthafen eingeladen. Der Oberbürgermeister wird vor der Kamera zum überzeugenden Moderator einer spannenden Zukunfts-Show.

Dazu hat er sich Gäste eingeladen, die ebenso begeisterungsfähig sind, wie er selbst. Christian Russ, dessen Firma im Osthafen eine Schule betreibt, bei der man unter anderem Bootsführerscheine machen kann, spricht von Saartropez. Janis Mudrich, der mit seinem Verein Sektor Heimat Kultur und Parties ins ehemalige Silo und teilweise auch schon ins benachbarte Rhenaia-Gebäude gebracht hat, sieht den Osthafen als Ort, der Menschen nicht nur dazu bewegen kann, nach dem Studium in Saarbrücken zu bleiben. Der Hafen könnte zu einem bundesweit fast einzigartigen Ort werden, der Menschen sogar dazu bewegt, in diese Stadt zu kommen, sagt er. Und für Heino Brand vom Motorsportclub ist der Osthafen, in dem sein Verein auch die Stege für Gäste betreibt, die mit ihren Booten in den französischen Kanälen und auf der Saar unterwegs sind, betreibt, sowieso eins der faszinierendsten Stücke Saarbrücken. Und das ist Carmen Dams, die zuständige Amtsleiterin, die einen ersten Erfolg feiern kann bei der, wie es offiziell heißt, „städtebaulich und freiraumplanerischen Aufwertung des Osthafens“: Ein Dutzend Galloway-Rinder grasen auf den Daarler Wiesen. „Eine Attraktion für Saarbrücken“, findet Dams. Auch Wiesenbrüter könnte man wieder auf die Wiesen locken. Das Ganze mit finanzieller Unterstützung des Umweltministeriums.

Uwe Conradt stellt Pläne für das Areal am Osthafen in Saarbrücken vor
Foto: SZ/Müller, Astrid

Aber alle Beteiligten scheinen sich einig: Da geht noch mehr. Das Römerkastell, die Wiege der Stadt also, soll zu einem Park werden. Es soll veranschaulicht werden, warum dieser römische Stützpunkt so wichtig ist für die Geschichte Saarbrückens. Von einer „Straße der Römer“ ist die Rede. Sie könnte die Überreste des Kastells mit dem Mithrasheiligtum auf dem Halberg verbinden.

Der Osthafen hat die Fantasie von Investoren und Stadtplanern gleichermaßen beflügelt – immer wieder mal. Der Speerwerfer Boris Henry präsentierte zum Beispiel 2005 die Idee, aus dem ehemaligen Rhenania-Gebäude ein „Zentrum für Körperkultur“ zu machen.

Angedacht waren unter anderem ein Hotel, eine Saunalandschaft, Arztpraxen und ein Fitnesszentrum. Es war auch mal von Wohnungen am Osthafen die Rede. Dieses Kapitel scheint der neue Oberbürgermeister gerade zu beenden. Wohnen, sagt Uwe Conradt, stehe „ganz hinten“ auf der Liste der Dinge, die im Osthafen realistisch sind. „Wohnen ist an dieser Stelle schwierig mit Blick auf die TA Lärm“, erklärt er.

Die „Technische Anleitung“ Lärm ist eine bundesweite Verwaltungsvorschrift, die Nachbarn vor zu großer Lautstärke schützt. Würde die Stadt eine Wohnbebauung im Osthafen zulassen oder gar fördern, „würde das bedeuten, dass es dort keine Veranstaltungen mehr gibt, zumindest ein wesentlicher Teil der künstlerischen Angebote, die es dort jetzt gibt, wäre nicht mehr durchzuführen“, sagt der Oberbürgermeister.

Doch direkt neben der „Straße der Römer“ soll ein „Kulturhafen“ entstehen. Dabei setzt Conradt auf die Veranstalter, die schon seit Jahren im Osthafen aktiv sind. „Wir wollen diesen Ort mit der Szene entwickeln. Die Investitionen, die hier notwendig sind, wird die öffentliche Hand alleine nicht bewältigen können“, sagt er. Die Szene, die sich im Osthafen entwickelt hat, sei ein „Pfeiler der urbanen Kultur in Saarbrücken“, sagt Conradt. Und: „Mir ist es wichtig, dass die Szene, die sich am Osthafen entwickelt hat, bleiben kann.“

Deshalb habe die Stadt den Vertrag fürs Rhenania-Gebäude gerade um zwei Jahre verlängert. Das Gebäude ist im Besitz der Stadt, während das Silo nebenan in Privatbesitz ist. Das Gesamtareal wird zurzeit für Partys und Kunst genutzt.

Ergänzt werden soll das bisherige kulturelle Konzept der privaten Betreiber durch „eine unternehmerische Nutzung“, sagt der Oberbürgermeister. Die Rede ist von einem weiteren Ort für die Kreativwirtschaft. Klar ist aus Conradts Sicht: „Da sind wesentliche Investitionen notwendig, die die Stadt selbst nicht leisten kann. Wir reden hier von einer siebenstelligen Summe.“ Man sei da aber mit den „Betreibern in guten Gesprächen“. Die Stadt werde das ihrige tun, damit „das Ganze konzeptionell, rechtlich und wirtschaftlich tragfähig“ sein werde. Ein erster Schritt dazu sei ein Stadtratsbeschluss vom Ende des vergangenen Jahres. Da hat der Rat entschieden, ein „Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept“ in Auftrag zu geben.

Denn es soll nicht nur um Party geht, betont Janis Mudrich. Künstlerinnen und Künstler sollen hier weiter arbeiten und mit Menschen in Kontakt kommen können, die sich für ihre Kunst interessieren. Eine Hafenbühne auf dem Wasser mit Zuschauerterrassen in Form von Sitzstufen am Ufer soll den Osthafen als Veranstaltungsort noch attraktiver machen.

Eine neu zu schaffende „Freizeitinsel“, sagt Dams soll den Osthafen auch für Familien zum Ausflugsziel machen. Die Grünfläche zwischen Motorbootclub und Römer-Wäldchen soll zu einem „naturnahen Park“ werden. Die Stadtplaner können sich dort unter anderem ein Beachvolleyballfeld und einen Bolzplatz, aber auch ein „Spielwäldchen mit Picknickzone“ vorstellen. Im Hafen ist auch ein Anlegeplatz für ein Restaurantschiff vorgesehen, sagt Dams.

Natürlich, betont der Oberbürgermeister, werde man die Belange des Naturschutzes im Blick haben. Und natürlich werde es eine Bürgerbeteiligung geben, sobald die Projekte konkret werden. Wann das soweit ist, hängt von Geldgebern ab. Die Stadtverwaltung beobachte genau, wo und wann sich „Fördermöglichkeiten“, etwa durch den Bund, das Land oder die Europäische Union, ergeben. Dann könne man einzelne Projekte „wie aus einem Baukasten, wie es eben passt“ umsetzen, sagt Dams. In den Präsentationen, die der Stadtrat abgesegnet hat, ist von rund 15 Millionen Euro „Investitionsvolumen“ für die Umsetzung des „Leitbilds“ die Rede. Vor der Kamera gab sich Dams da zurückhaltender: Zu den Baukosten könne man zurzeit noch nichts sagen. „Unter einer Milliarde Euro“, scherzte der gut gelaunte Oberbürgermeister.