Sogar Bundespolizei muss einschreiten 180 Urlauber hängen über halben Tag am Saarbrücker Flughafen fest – Mehrere Fehler waren Auslöser

Saarbrücken · Ein wahrlich holpriger Start in den langersehnten Urlaub: Flugreisende mit Ziel Las Palmas auf Gran Canaria konnten nicht abheben. Der Kapitän ihrer Smartlynx-Maschine weigerte sich, das Flugzeug zu starten. Und das hatte einen Grund.

Abreiseprobleme am Saarbrücker Flughafen: Menschen mussten stundenlang auf ihren Abflug warten. (Archivaufnahme)

Abreiseprobleme am Saarbrücker Flughafen: Menschen mussten stundenlang auf ihren Abflug warten. (Archivaufnahme)

Foto: dpa/Oliver Dietze

Stundenlanger Aufschub einer Urlaubsreise: Länger als 13 Stunden haben am Sonntag, 12. Juni, 180 Menschen am Saarbrücker Flughafen festgesessen, weil ihre Maschine nicht abhob. Umso länger die Passagiere warten mussten, desto größer wurde die Ungeduld und das Unverständnis darüber. Letztlich kamen sogar zusätzlich herbeigerufene Bundespolizisten zum Einsatz, um aufgebrachte Reisende zu besänftigen.

Der Flug nach Las Palmas, der größten Stadt der Kanarischen Inseln auf Gran Canaria, verzögerte sich. Und das nicht nur um wenige Minuten oder etwa eine Stunde. Immer wieder seien sie vom Anbieter vertröstet worden. Letztlich harrten die Betroffenen 13 Stunden und 39 Minuten aus, bis es endlich losging. Das heißt: 17 Urlauber waren dann doch nicht dabei, obwohl auch sie diesen Flug gebucht hatten.

„Sie starten heute ab Köln“, sagte Ludwin Vogel, Sprecher am Airport in Ensheim, am Montag auf SZ-Anfrage. Der Reiseveranstalter Tui habe die Busfahrt organisiert, die Flughafen-Verwaltung habe dabei geholfen. Letztlich sei jedoch der Reiseveranstalter dafür verantwortlich. Vogel: „Wir sind nicht schuld daran, dass sich der Abflug verzögerte.“

Das sei eine Sicherheitsentscheidung des Flugkapitäns der Fluggesellschaft Smartlynx gewesen, die im Auftrag der Tui Touristen vom Saarland aus zur spanischen Inselgruppe im Atlantik vor der Küste Afrikas bringt. Dennoch habe sich der Flughafen am Sonntag darum bemüht, den „leidttragenden Passagieren“ den unfreiwilligen Aufenthalt „so wenig wie möglich stressig werden zu lassen“. So seien sie unter anderem mit Getränken und Verzehrbons für einen Imbiss versorgt worden.

Doch was war der Grund, dass der Flieger am Boden blieb? Dem Piloten war nach ersten Berichten aus dem Umfeld des Flughafens der Airbus einfach zu schwer. Dies bestätigte am Tag darauf Smartlynx-Pressesprecher Jan Limbach schriftlich.

Doch wie konnte es dazu kommen, dass das Flugzeug praktisch überladen war? Wegen der Wetterlage auf der Flugstrecke hatte der Pilot entschieden, die Maschine vollzutanken. Die Folge: „Insgesamt wurde die Maschine bei einer maximalen Anzahl an 180 Passagieren mit Gepäck zu schwer.“ Wieder Kerosin vor dem Start ablassen ist in Saarbrücken nicht möglich, schreibt Limbach. Dafür nötige Geräte gebe es nicht in Ensheim.

Die Alternative: Gepäck muss am Boden bleiben. Oder Passagiere entscheiden sich, nicht einzusteigen. „Eine entsprechende Lösung war verständlicherweise nur schwer zu finden. Bis diese Situation geklärt werden konnte, kam es somit zu einer weiteren Verzögerung“, schildert der Sprecher der Luftlinie.

Letztlich sollen 163 Kunden an Bord gegangen sein, nachdem einige von ihnen schon seit 4 Uhr zum Einchecken am Airport gewartet hatten. 17 weitere blieben zurück. Ihnen sei es letztlich zu verdanken, dass der Smartlynx-Flugkapitän gegen 19.40 Uhr endlich seinen Reiseflieger aufstiegen ließ, der sich eigentlich hatte schon um 6 Uhr in die Lüfte schwingen sollen. Denn nur weil diese 17 Menschen verzichtet hatten, an Bord zu gehen, war die Maschine leicht genug und damit der Pilot zum Abflug bereit.

Es war aber nicht der einzige Zwischenfall, wie Jan Limbach entsprechende SZ-Informationen bestätigt. Er spricht von einer „Verkettung von unglücklichen Ereignissen“. Denn bei dem betreffenden Airbus, auf dessen Start die Canaria-Urlauber lange warten mussten, handelte es sich bereits um eine Ersatzmaschine für die reguläre in Saarbrücken stationierte. In der Nacht zuvor habe es an dem eigentlich für den Flug vorgesehenen Smartlynx-Flieger eine Routine-Kontrolle gegeben, die „aus der Zeit lief“. Und der Ersatz sei schon erheblich verspätet in Saarbrücken gelandet: Erst gegen Mittag war sie dort.

Die Bundespolizei, die ein Revier am Saarbrücker Flughafen betreibt, habe im Laufe des Tages die Zahl der Beamten vor Ort nach und nach erhöht, wie Pressesprecherin Vivienne Klein von der Saarbrücker Bundespolizeiinspektion sagt. „Das war rein präventiv“, also vorsorglich. Denn die Stimmung spitzte sich zu, umso länger die Menschen warteten. Letztlich habe es aber keine strafrechtlichen Zwischenfälle gegeben.

Smartlynx-Sprecher Limbach entschuldigt sich im Namen seines Unternehmens ausdrücklich. Er verbindet dies mit der Zusage, dass „wir vollständig aufklären wollen, um die notwendigen Konsequenzen zu ziehen“. Einen ähnlichen Vorfall in jüngerer Zeit ist Airport-Sprecher Vogel indes nicht bekannt. Es sei zwar schon vorgekommen, dass nicht alle Gepäckstücke mitgenommen werden konnten. Aber eine Verzögerung in diesem Maße sei äußerst selten.

Ungeachtet dessen steht allen Passagiere nach EU-Recht Entschädigung. Das betrifft Vor-Ort-Verpflegung als auch kostenlose Anrufe bis hin zur Stornierung mit Geldrückgabe. Entsprechende Formular gibt es im Internet.

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