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Saarbrücken
Ungewisse Zukunft für das Mühlenviertel

Gerade im Sommer wird der Fernbusbahnhof in der Dudweilerstraße mangels schattiger Sitzmöglichkeiten schnell zur Asphaltwüste.
Gerade im Sommer wird der Fernbusbahnhof in der Dudweilerstraße mangels schattiger Sitzmöglichkeiten schnell zur Asphaltwüste. FOTO: Rich Serra
Saarbrücken. Der Saarbrücker Städtebaubeirat und Anwohner diskutieren, wie man den Stadtteil attraktiver gestalten kann. Von Ilka Desgranges

Alles schon mal gehört: Bewohner der Innenstadt klagen über Lärm und schlechte Luft, über Mangel an Parkplätzen und zu wenig Grün. So auch beim 3. Stadtforum des Städtebaubeirates Saarbrücken. Der hat sich des so genannten Mühlenviertels in St. Johann angenommen. Dort standen vor sehr langer Zeit einmal Mühlen; sie sind Namensgeber für den Bereich zwischen Fernbusbahnhof und Beethoven-Platz, zwischen Dudweiler Landstraße und Richard-Wagner-Straße. Auf dem Platz des einstigen Stadtbades St. Johann befindet sich jetzt ein Mehrgenerationenhaus. Dorthin sind auch Saarbrücker gezogen, die einst am Stadtrand in einem ruhigen Viertel im eigenen Haus wohnten. Menschen also, die die Prognose bestätigen, dass Ältere lieber in der Innenstadt leben und auf kleinerem Raum. So einfach wie sich das anhört, ist es aber wohl nicht. Ein Erfahrungsbericht aus der Runde ließ diesen Schluss jedenfalls zu. Es sei sehr laut, so die Klage. Der Lärm macht fast allen zu schaffen, die sich im Bürgerzentrum Mühlenviertel zu Wort meldeten.


Luca Kist, Vorsitzender des Städtebauforums, hatte zu Beginn gesagt, der Städtebaubeirat sei bewusst in das Viertel gegangen, von dem man in der Planersprache sagen könne: Wir sind in der Phase null. In der Sprache der Nicht-Planer heißt das: Es gibt keine Planung.

So waren denn die Hinweise, die Quartiersmanagerin Nadine Kipper gesammelt hatte, durchaus wertvoll für die Planer. Baudezernent Heiko Lukas und die Leiterin des Stadtplanungsamtes, Monika Kunz, sagten das der Versammlung auch. Einige Anwesende allerdings drehten den Spieß um: Sie wollten keine weiteren Vorschläge machen oder gar Wünsche äußern, sie wollten Vorschläge der Planer hören.



Es blieb allerdings weitgehend bei der Bestandsaufnahme. Sascha Saad vom Städtebaubeirat sammelt als Moderator die verschiedenen Vorschläge ein. Manche davon stammten aus den 80er-Jahren. Etwa der Wunsch, der Beethovenplatz möge wieder ein Park werden, den das Saarbrücker Bürgerforum damals vehement verfolgte. Und bis heute nicht aufgegeben hat: Vorsitzende Ulrike Donie erinnert mit schwarz-weißen Bildern an die Aktionen von damals. Mehr als dreißig Jahre später stehen hier immer noch Autos. Genauso wie in den Straßen des Viertels. Deshalb gleicht der Befund im Mühlenviertel dem Befund für fast alle anderen Stadtviertel Saarbrückens auch: Sie sind zugeparkt. Für das Mühlenviertel schätzt der Städtebaubeirat, dass ein Drittel der Fläche mit Autos belegt ist.

Stellt sich die Frage, warum ziehen Menschen in dieses Viertel, an dem sie doch recht viel auszusetzen haben? Die Antwort bei vielen: Hier haben sie eine passende Wohnung gefunden.

Oder einen Platz für ihr Geschäft. Einer, der sich vom nicht allzu guten Ruf des Viertels nicht abschrecken ließ, ist Frank Maurer. Er hat sein Einrichtungshaus von der Fürstenstraße an den Fernbusbahnhof in der Dudweiler Straße verlegt.

Mit den Gegebenheiten weiß er augenscheinlich ganz gut umzugehen: Morgens, bevor die Kunden kommen, entfernen seine Mitarbeiter den Müll der Nacht: Spritzen, Kondome. Sie verweisen deutlich auf die nicht schönen Teile des Viertels. Trotz all dem weiß Maurer die Lage zu schätzen, nicht zuletzt wegen der guten Verkehrsanbindung.

Die Stadt müsse allerdings entscheiden, wie die Flächen bespielt werden. Denn so lautet sein Fazit: „Das Viertel hat Entwicklungspotenzial.“