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Umweltprofessor mahnt mehr Klimaschutz in Saarbrücken an

Klimaschutz in Saarbrücken : „Solarzellen auf alle öffentlichen Gebäude“

Peter Heck vom Umwelt-Campus in Birkenfeld fordert die Stadt Saarbrücken und Bürger auf, mehr für den Klimaschutz zu tun.

Herr Heck, wie ist Saarbrücken beim Klimaschutz aufgestellt?

PETER HECK Das finde ich sehr, sehr ernüchternd. Das gilt sowohl für das, was die Stadt nicht macht, als auch für das, was die Bürger nicht machen. Da gibt es sehr viele vergebene und ungenutzte Chancen und Potenziale. Man könnte definitiv viel, viel mehr machen – auch ökonomisch. Klimaschutz ist mit Ökonomie vereinbar. Das muss nicht gegen die klammen Kassen von saarländischen Gemeinden gehen und das muss auch nicht gegen die klammen Kassen der Bürger gehen.

Was könnte die Stadt Saarbrücken für den Klimaschutz tun?

HECK Man könnte alle öffentlichen Gebäude mit Solarzellen ausstatten und auch alle Parkplätze mit Carports (in Gebäude integrierte oder frei stehende Parkflächen, Anm. d. Red.) damit versehen. Man sollte den Bürgern klarmachen, dass eine Solaranlage auf dem Dach wie eine Rente ist. Das ist eine wunderbare Investition.

Was kann man noch tun?

HECK Man kann im Bereich Energieeinsparung und -effizienz viel mehr tun, zum Beispiel moderne Umlaufpumpen, die das Heizungswasser umpumpen, modernisieren. Mindestens 80 Prozent der Bürger haben noch alte, wenig energieeffiziente Pumpen. Mit einer neuen Pumpe kann man etliche Kilowattstunden und damit einiges an Geld sparen. Wenn 1000 Bürger die Pumpe austauschen würden, dann hätten die nach drei Jahren 100 000 Euro mehr in der Tasche, das sie nicht mehr für Strom ausgeben müssen. Damit würde die Kaufkraft der Bürger steigen, und sie hätten noch weniger CO2-Emissionen. Die Stadtwerke Saarbrücken wissen das alles und die machen auch schon was – aber wir reden hier über Klimanotstand und Klimaschutz. Bei dem, was unbedingt getan werden kann und muss, muss man, was das Management angeht, eine Schippe drauflegen. Andere Kommunen machen das ja auch.

Was geht noch?

HECK Man kann natürlich auch die Straßen mit LED-Lampen beleuchten. Da gibt es überhaupt keinen Grund zu warten, das kann man sofort machen und Saarbrücken hat noch nicht überall LED-Straßenbeleuchtung. Das gilt auch für die Innenbeleuchtung von Gebäuden mit LED-Lampen.

Das Heizkraftwerk Römerbrücke soll durch ein neues Gaskraftwerk ersetzt werden. Ist das sinnvoll, oder nicht?

HECK Das ist totaler Quatsch. Die Richtung ist Quatsch, und der Ansatz ist Quatsch – außer, das Gas wird grün. Die Bürgerinitiativen, die auf einen Ausstieg aus der Kohle drängen, werden Gas nie akzeptieren, wenn es einen fossilen Ursprung hat. Für zehn Jahre mag das gehen, um die Emissionen abzusenken. Das kann jedoch auf Dauer keine Lösung für den Klimaschutz sein. Man würde besser über etwas Neues nachdenken.

Ist Wasserstoff eine Alternative?

HECK Wasserstoff ist derzeit die einzige Alternative, wenn wir komplett CO2-neutral werden wollen – aber nicht Wasserstoff auf Basis von Erdgas. Es muss grüner Wasserstoff sein, den man importiert oder selbst herstellt.

Derzeit protestieren Klimaschützer gegen die Rodung eines Waldes in Gersweiler, auf dessen Gelände eine Firma erweitern will. Ist der Wald dort so wertvoll, dass man nicht Hand an ihn legen darf?

HECK Nein, das ist er nicht. Ich komme aus Gersweiler und kenne den Wald sehr gut. Jeder Quadratzentimeter, den man versiegelt, ist natürlich schlecht. Aber in einer Stadt wie Saarbrücken, die Arbeitsplätze braucht und nach Innovation lechzt, da muss man abwägen. Die Firma Woll ist ja kein klassischer Autozulieferer, sondern hat als Spezialanlagenfirma Potenzial. Gefallen kann mir die Rodung des Waldes nicht – ganz klar. Aber wenn ich jetzt für das Land, das sich in einem enormen Strukturwandel weg von der Kohle befindet, zu entscheiden hätte, dann ist der Bedarf an Firmen, die relativ konjunkturunabhängig sind, sehr groß. Das sollte man nicht verhindern, sondern einen gleichwertigen oder höherwertigen Ausgleich für den Wald schaffen.

Sie lehren auch in Japan. Was können wir von Japan lernen?

Peter Heck. Foto: Ifas

HECK Die Japaner haben nach Fukushima 18 Atomkraftwerke mit 54 Reaktoren vom Netz genommen – wo wir denken, wir können nicht mal ein paar Kohlekraftwerke abschalten. Warum ging das? Die Japaner haben die Kühllast gesenkt und nehmen höhere Temperaturen in den Büroräumen in Kauf. Dabei haben sie sehr viel Energie gespart. Zudem haben sie jede zweite Straßenlaterne ausgeschaltet.