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Serie Wenn Museumsdirektoren ins Museum gehen: Uhrenmuseum im Wandel der Zeit

Serie Wenn Museumsdirektoren ins Museum gehen : Uhrenmuseum im Wandel der Zeit

Das saarländische Uhrenmuseum in Köllerbach soll fit für die Zukunft werden. Hierzu ist ein digitaler Katalog in Planung.

Über der Eingangstür zum Museum warnt ein Schild zur Vorsicht, vor dem „historischen Gebäude“, das man nun betritt. Historisch, das passt, denn das Haus hat bereits beide Weltkriege und die industrielle Revolution miterlebt. 1815 wurde mit dem Bau dieses Hauses mit Scheune begonnen, von einer Uhrmacherfamilie. 170 Jahre lang blieb das Haus in Besitz der Sippe. Bis ins Jahr 1985, als schließlich der letzte Uhrmacher der Familie, Otto Wilhelm Franz, starb und das Haus der Stadt Püttlingen vermachte. Sehr passend also, dass dort heute so viele Uhren ausgestellt werden.

Verwaltet wird das Museum heute vom Verein „Freundeskreis alter Uhrmacherkunst“, dessen Mitglieder auch die meisten Ausstellungsstücke stellen. Heute führt der Vorsitzende des Vereins und Museumsdirektor Ferdinand Mesarosch durch die Ausstellung. Angefangen beim alten Ägypten und den antiken Römern und Griechen, beginnt er an Beispielen zu zeigen, wie sich die Zeitmessung entwickelt hat über die Jahrtausende. Ob Turmuhren, Kuckucksuhren, Taschenuhren, Armbanduhren oder sogar eine Uhr, die höchstwahrscheinlich für Marie Antoinette angefertigt wurde, die Sammlung ist beträchtlich. Und trotz all den Uhren, verliert man bei der Führung des Direktors schon mal die Zeit aus dem Blick.

Mesarosch ist 69 Jahre alt und mittlerweile pensioniert. Geboren wurde er in Frankfurt, wo er auch an Universität und Schulen Mathematik und Physik unterrichtete. Erst seit dem Jahr 2000 lebt er im Saarland. Über Ecken habe er hier damals den ehemaligen Leiter des Museums kennengelernt. 2008 sei er an Bord des Vereins gekommen, dann habe es auch nicht lange gedauert, bis er der 1. Vorsitzende und somit der neue Direktor des Museums wurde.

Bei all den Fakten über die Ausstellungsstücke erzählt Mesarosch auch immer wieder vom Uhrmacherhandwerk. Die goldenen Zeiten dieses Handwerks seien mittlerweile vorbei. Nur noch eine Berufsschule gebe es in Deutschland, die diesen Beruf überhaupt lehre. Das sehe man auch im Saarland. „Als ich hier angefangen habe, hatten wir eine DIN A 4-Seite voll mit Namen von Uhrmachern. Mittlerweile sind es noch neun Leute“, sagt er. „Alleine letztes Jahr war ich auf zwei Beerdigungen von Uhrmachern, dieses Jahr auf einer. Wir müssen davon ausgehen, dass das Uhrmacherhandwerk aussterben wird.“

Gerade deshalb sei die größte Herausforderung des Museumsdirektors im Moment relativ eindeutig. „Meine Aufgabe ist es, das Museum auf die Zukunft vorzubereiten, wenn die Uhrmacher hier nicht mehr da sind, um eine qualifizierte Führung zu machen“, sagt Mesarosch. Das versuche er zu bewerkstelligen, indem er einen Katalog mit Fakten zu den Ausstellungsstücken zusammenträgt, den man digital, per App auf Handy oder Tablet, als virtuellen Museumsführer nutzen kann.

Auch solle der pädagogische Auftrag wahrgenommen werden, indem man Hilfen für Grundschulen und Lehrer anbietet. „Da sind wir gerade dabei, ein Konzept zu entwickeln“, sagt er. Auch um wieder mehr Besucher für das Museum gewinnen zu können. „99,99 Prozent derjenigen, die uns besuchen kommen, sind begeistert. Es wissen nur einfach zu wenige im Saarland überhaupt von uns“, sagt er.

Doch welches Museum besucht ein pensionierter Physik- und Mathelehrer, der selbst ein Museum leitet? „Mich interessieren viele Museen.“ Zum einen seien dies andere Uhrenmuseen, denn dort könne man sich inspirieren lassen, wie diese etwas präsentieren und vielleicht etwas davon übernehmen. Seinem Beruf geschuldet ist auch das Interesse an Technikmuseen. „Wenn ich an einem Ort bin wo es sowas gibt, besuch ich die natürlich auch“, sagt er. Doch in einem Museum findet er sich immer wieder, nämlich in seiner Heimat Frankfurt, im Cartoonmuseum. „Dort besuche ich sehr gerne immer wieder die Wechsel­ausstellung“, erklärt er.