| 20:56 Uhr

Vernissage
Überblick über die Entwicklung der Kunstrichtung Urban Art

Malstatt. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Derzeit ist in der Galerie Zimmerling & Jungfleisch im Saarbrücker Quartier Eurobahnhof eine Gruppenausstellung zu sehen, die einerseits die Künstler vorstellt, die die Galerie vertritt, deren Werke auch schon in früheren Ausstellungen zu sehen waren. Andererseits erlaubt diese Zusammenstellung aber auch einen wunderbaren Überblick über die Entwicklung der Kunstrichtung Urban Art und deren aktuell so verschiedene Stile.


Ausgehend von den Leinwänden „Teupsdere“ und „Battlefield“ des Künstlers MIST, sieht man hier Mischtechniken auf Leinwänden, genau wie man sich üblicherweise an Hauswände gesprühte Graffiti vorstellt. In verschiedenen knallbunten Farben, die nacheinander, aber in schneller, sehr bewegter Manier auf die Leinwand aufgebracht wurden, zeigt MIST einfache Formen, aber samt Farbnasen und Farbtropfen.

Die Gemälde von Alexey Luka aus Moskau sind ganz anders. Mit abgetönten Farben gestaltet er Leinwände, deren geometrisch konstruierte Formen an Architekturen erinnern. Dieses Zusammenfügen von Formen unterstreicht er mit einer Assemblage, die tatsächlich aus gefundenen Holzteilen besteht. Übrigens ist Alexey Luka in Saarbrücken kein Unbekannter, denn von ihm stammt die Gestaltung der Wand der „Garage“, die heute Teil des Art Walks ist, an dem die Galerie Zimmerling & Jungfleisch beteiligt war.



Packend ist das etwas düstere Gemälde von Jef Aérosol, denn er verbindet in seiner Arbeit Graffiti mit Gemälde, Gesprühtes mit Malerei. Während in der großen Arbeit „Tonnerre de Brest 2“ der Hintergrund gemalt ist, arbeitet er in der Figur des sitzenden Jungens mit Schablonen, einer durchaus üblichen Vorgehensweise der Urban Art. Auch der sehr große Kopf daneben zeigt diese Gestaltungsweise.

Den Kontrast zu diesem Gemälde bildet die Leinwand „Le déjeuner sur l‘ herbe à Belleville“ von Jean Faucheur. Auf den ersten Blick sieht man nur viele, sehr bunte, gesprühte Punkte. Aber der Künstler interpretiert damit die Kunstrichtung des Pointillismus des 19. Jahrhunderts neu, indem er in diesen bunten Punkten die Silhouetten der Figuren des berühmten Gemäldes von Edouard Manet „Le déjeuner sur l‘ herbe“ versteckt.

Einen Kontrapunkt setzen zum Abschluss die Tuschezeichnungen von HELL´O. Bei seinen Blättern von ineinander verschränkten, niedlichen Monstern muss man genau hinschauen, aber dann erkennt man selbst hier – ganz fein und gemalt – kleine Punkte neben den Linien, die auf die Farbsprengsel der Sprühdosen-Farbe der Urban Art verweisen.

„Echoes“, eine Gruppenausstellung in der Galerie Zimmerling & Jungfleisch, Europaallee 27d, 66113 Saarbrücken, geöffnet bis 8. Dezember, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 15 Uhr bis 19 Uhr, Mittwoch von 10 Uhr bis 12 Uhr und von 15 Uhr bis 20 Uhr, sowie Samstag von 11 Uhr bis 15 Uhr.