| 18:54 Uhr

Sanierung bis Jahreswechsel
Insolvente Brauerei plant Millionen-Neubau und neues Bier

In finanzieller Schieflage: Dennoch plant die Saarbrücker Bruch-Brauerei einen millionenschweren Neubau.
In finanzieller Schieflage: Dennoch plant die Saarbrücker Bruch-Brauerei einen millionenschweren Neubau. FOTO: Matthias Zimmermann
Saarbrücken. Generalbevollmächtigter Marc Herbert verhandelt mit Banken über Kredite für Investition am Saarbrücker Standort. Bis Jahresende soll für Bruch Finanzplan stehen. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Ungeachtet der sechsstelligen Steuerforderungen will die dadurch in Schieflage geratene Traditionsbrauerei G. A. Bruch in Saarbrücken modernisieren. Nach Angaben des Generalbevollmächtigten, des Saarbrücker Anwalts Marc Herbert, soll am jetzigen Standort eine neue Brauerei entstehen. Dafür veranschlagt er rund vier Millionen Euro. Um diese Investition zu finanzieren, verhandle er, Herbert, mit mehreren Geldhäusern, unter anderem mit der Vereinigten Volksbank (VVB) Saarlouis – Sulzbach/Saar.


Brauerei-Chef Thomas Bruch (links) will 2019 die Geschäftsführung an Sohn Lukas (rechts) übergeben. Das verkündete er während einer Pressekonferenz am 3. August im Büro des Generalbevollmächtigten Marc Herbert.
Brauerei-Chef Thomas Bruch (links) will 2019 die Geschäftsführung an Sohn Lukas (rechts) übergeben. Das verkündete er während einer Pressekonferenz am 3. August im Büro des Generalbevollmächtigten Marc Herbert. FOTO: Matthias Zimmermann

Freie Hand für Sanierer



Die insolvente Saarbrücker Brauerei G.A.Bruch in der Scheidter Straße will an ihrem bisherigen Standort bauen.
Die insolvente Saarbrücker Brauerei G.A.Bruch in der Scheidter Straße will an ihrem bisherigen Standort bauen. FOTO: Matthias Zimmermann

Die Gläubiger-Versammlung hat diesem und weiteren Sanierungsplänen am Donnerstagnachmittag zugestimmt und damit dem Anwalt freie Hand gegeben. Seit Sommer kümmert er sich um die Brauerei Bruch, deren Tagesgeschäft die Eigentümerfamilie trotz der Insolvenz selbst bestreitet.

Anwalt Marc Herbert kümmert sich als Generalbevollmächtigter um die insolvente Brauerei G.A. Bruch.
Anwalt Marc Herbert kümmert sich als Generalbevollmächtigter um die insolvente Brauerei G.A. Bruch. FOTO: Matthias Zimmermann

Stadt Saarbrücken im Boot

Die Bruchs setzen nach SZ-Informationen auch auf die Unterstützung der Landeshauptstadt. Demnach gibt es Pläne, wonach in einem Teil der heutigen Braustätte ein kommunaler Kindergarten entstehen soll. Mehrere Gespräche darüber auf Amtsleiterebene fanden schon statt. Das würde dem angeschlagenen Brauer an der Scheidter Straße im Stadtteil St. Johann finanziell Luft verschaffen.

Weniger Mitarbeiter

Wegen der angespannten Lage habe sich die Brauerei mittlerweile von zwei Mitarbeitern getrennt, berichtet Herbert. „Ein Fahrer und ein Brauer unterzeichneten Aufhebungsverträge.“ Damit arbeiteten aktuell 17 Angestellte für Bruch. Weiterer personeller Aderlass sei nicht vorgesehen.

Anwalt: Besser als geplant

Ansonsten zeigt sich der Advokat recht zuversichtlich: „Wir sind ein Tick besser als im Plan.“ Darum geht er nach wie vor davon aus, dass bis zum Jahresende das Finanzgerüst zum Weiterbetrieb steht. Das hatte Herbert bereits im August während einer eigens dazu einberufenen Pressekonferenz in seiner Saarbrücker Kanzlei angekündigt. Beim Bierausstoß habe der Betrieb zugelegt.

250 000 Euro Steuerschuld

Der Fiskus verlangt von dem Unternehmen 250 000 Euro als Steuernachzahlung. Das hatte im Juni den Ausschlag für das Insolvenzverfahren gegeben. Gleichzeitig stünden noch Rechnungen unter anderem an Lieferanten offen. Größter Gläubiger sei die Sparkasse Saarbrücken. Das Insolvenzgericht gab Herbert nun weitere sechs Monate Zeit, um der Brauerei mit einem stabilen Konzept eine Perspektive zu bieten.

Neues Bier zum Jahreswechsel

Neben dem Neubau setzt Bruch weiterhin auf eine größere Produktpalette. Bereits in den vergangenen Jahren kamen neue Biere hinzu, darunter das Wadgasser sowie Saarbrücker Helles. Zum Jahreswechsel soll ein neues Saisonbier folgen. Herbert: „Dabei handelt es sich um ein Bier mit frischem Hopfen vom Feld, der mit Blüte eingebraut wird.“ Der Unterschied: Beim üblichen Verfahren ist getrockneter Hopfen die Zutat. Das Datum, wann das Bier auf den Markt kommt, stehe noch aus. Ebenso der Name, nach dem die Bruchs zurzeit suchten.

Gläubiger ins Boot nehmen

Auch wenn das Gericht Herbert ein halbes Jahr Zeit bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens gab, will er in enger Zusammenarbeit mit den Gläubigern diese Zeit nicht ausschöpfen. Einiges hängt indes davon ab, ob und wann die Stadt Saarbrücken sich entscheidet, möglicherweise einen Teil des heutigen Brauereigeländes für einen Kindergarten zu nutzen.

Gastronomie nicht betroffen

An einem Neubau komme die Brauerei aber nicht vorbei. Einige Gebäude im hinteren Teil des Areals seien marode, sagt Herbert. Zur Kontrolle des gesamten Verfahrens ist zusätzlich der St. Wendeler Anwalt Christoph Goergen als Sachverwalter eingeschaltet. Unberührt davon bleiben die zur Brauerei gehörenden Restaurants Zum Stiefel und Stiefelbräu am St. Johanner Markt sowie in St. Arnual die Tabaksmühle. Sie sind in der Stiefel-Gastronomie-GmbH zusammengefasst.