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Kleiderkammer
Tonnenweise Kleidung für Bedürftige

Die Leiterin der Kleiderkammer der Diakonie, Ulla Frank, und  ihre Mitarbeiterin Christine Göring ordnen hier neue Kleider im Verkaufsraum.
Die Leiterin der Kleiderkammer der Diakonie, Ulla Frank, und  ihre Mitarbeiterin Christine Göring ordnen hier neue Kleider im Verkaufsraum. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Für drei Euro gibt’s bei der Kleiderkammer St. Johann drei Kilo Kleidung. Jede brauchbare Spende ist willkommen. Von Anna Kathrin Marx

„Danke an die Saarbrücker Bürger“, sagt Ulla Frank. Die Spendenfreude der Saarbrücker trägt dazu bei, dass die Kleiderkammer des Diakonischen Zentrums Saarbrücken kontinuierlich Hilfe anbieten kann. „Von vielen kommt die Kleidung sogar frisch gewaschen und gebügelt“, bemerkt die seit 2002 dort beschäftigte pädagogische Mitarbeiterin. 55 000 Kilo an Kleidung kamen in diesem Jahr schon zusammen.  Zwar besitzt die Einrichtung auch eigene Sammelcontainer – einen am Schillerplatz, einen am Rotenbühl-Gymnasium – aus denen 7000 Kilo stammen, doch der Hauptteil wird aus „Live-Spenden“ bezogen. 47 000 Kilo der Gesamtsumme sind Privatspenden, die auch Hausrats- und Drogerieartikel mit einschließen.



Drei Kilo Kleidung gegen einen Obolus von drei Euro. Die kann sich jeder Saarbrücker einmal pro Monat aussuchen, sofern ein Nachweis über die Bedürftigkeit erbracht wird. Obdachlosen steht dieser Service jederzeit kostenfrei zur Verfügung, ebenso eine Duschgelegenheit und medizinische Erstversorgung.

Nicht selten befinden sich unter den Personen, die 30 Stunden die Woche in der Kleiderkammer arbeiten, ehemalige Wohnungslose, die ihren Neuanfang gemeistert haben. Viele Ehrenamtliche engagieren sich; so auch der 70-jährige Günter Blankenmeyer. Er ist seit Jahren jeden Tag im Einsatz. Gemeinsam achten sie darauf, dass alles gerecht zugeht und immer nur fünf Personen eintreten, die bis zu 15 Minuten bleiben dürfen.

„Kann ich auch vorbeikommen, wenn Sie geschlossen haben?“, lautet eine der Fragen, die gestellt werden.  In manchen Fällen ändert sich ja schlagartig die eigene finanzielle Situation und man möchte nicht von seinem sozialen Umfeld dabei gesehen werden, wie man Hilfe in Anspruch nehmen muss. Man schämt sich. Dann ist es möglich, einen Termin zu vereinbaren, um vorbeizukommen. In Zahlen verzeichnet die St. Johanner Börse monatlich 250 Besucher, deren Durchschnittsalter 2015 Ende 40 und 2016 Mitte 40 betrug.

Einem guten Zweck zu dienen – das ist das Motiv vieler Spender. Und in Saarbrücken könne sie auch sicher sein, dass ihre Spenden dort ankommen, wo sie gebraucht werden. „Früher kam die Mutter, und heute bringt uns ihre Tochter die Kleidung vorbei“, sagt Frank.

Wenn mal zu viel Kleidung da ist, wird sie umverteilt und kommt Kliniken oder anderen Organisationen zu Gute. Aktuell werden lange Unterhosen, Handschuhe und Mützen benötigt.

Grundsätzlich gilt: „Gespendet werden sollte nur, was man auch selbst noch tragen würde.“ Das sagt auch Heike Arens, Sozialdienstleiterin des DRK Ortsvereins Dudweiler. Seit sechs Jahren führt sie ehrenamtlich, die seit 1985 bestehende Kleiderkammer.

Zusammen mit fünf Gleichgesinnten investierte sie im letzten Jahr 1806 Stunden  Arbeit. Ihre Besucher sind Geringverdiener, meist Stammkunden oder Familien mit vielen Kindern, die in haushaltsüblichen Mengen dort einkaufen können. Jedes Kleidungsstück hat einen niedrigen Preis, welcher das Fortbestehen der gemeinnützigen Einrichtung sichert.

Es sollte daher auch vermieden werden die Spenden vor der Tür abzustellen, da die Kleidersäcke am nächsten Tag meist aufgerissen sind und der Inhalt unbrauchbar geworden ist und kostenpflichtig entsorgt werden muss.