Thomas Cook verschwindet allmählich aus Reisebüros in Saarbrücken

Insolventes Tourismus-Unternehmen : Saarbrücker Reisebüro überklebt Thomas Cook

Auch andere Läden in der Stadt lassen bei sich das insolvente Reiseunternehmen aus dem Blickfeld verschwinden.

Mitten auf dem St. Johanner Markt leuchtete vor einer Woche noch die gelbe Schrift von Thomas Cook. Das Touristikunternehmen hatte vor rund zwei Wochen überraschend Insolvenz angemeldet. Der Namenszug sollte die Kunden in das Reisebüro von Thomas Beigott locken. Jetzt hat der Büroleiter das Logo mit weißer Plane zugehängt: Thomas Cook soll man nicht mehr lesen können.

„Es ist mir emotional schwer gefallen. Ich kenne ja die Leute, die dahinterstehen, und die können nichts dafür“, sagt Beigott. Sein Reisebüro ist Franchise-Partner des Reiseriesen und wollte von der starken Marke profitieren. Kunden konnten in seinem Büro zwar Produkte  von allen Reiseanbietern wählen, das Augenmerk lag aber vor allem auf Thomas-Cook-Produkten.

„Als Franchisenehmer mussten auch wir uns von der Marke Thomas Cook lösen“, steht jetzt an der Eingangstür. In Zukunft werde das Reisebüro wieder unter der Eigenmarke „happy world tours“ geführt.

Thomas Beigott an seinem Arbeitsplatz. Das Reisebüro läuft nun wieder unter der Eigenmarke „happy world tours“. Foto: Nico Tielke

Neben dem Franchise gibt es noch drei weitere Reisebüros in Saarbrücken und Dudweiler. Im Gegensatz zu Beigotts Geschäft sind sie fest mit der Marke verbunden und können sich deswegen nicht so einfach von ihr lösen. Doch auch sie distanzieren sich scheinbar vom Namen: Mitarbeiter sind am Telefon dazu angehalten, sich nur mit „Ihr Reisebüro mit Herz“ zu melden.

Für Thomas Beigott ist das Kapitel Thomas Cook auch noch nicht abgeschlossen. „Ich bin verwundert, wie stark dieses Büro plötzlich nach drei Jahren wahrgenommen wird.“ Nach der Insolvenz kamen mehr Menschen rein als vorher. Zwar waren nur wenige Kunden des Franchise-Reisebüros unmittelbar von der Pleite betroffen, der Redebedarf war aber auch bei Nichtkunden groß.Dass auch Leute dabei sind, die pöbeln, weil sie zum Beispiel bei Thomas Cook keinen erreichen, müsse man verstehen. Die letzten Wochen waren schwierig, dennoch kann Beigott dem Ganzen etwas Positives abgewinnen: „Vorher gingen die Leute ins Internet. Jetzt kommen sie wieder vorbei und sprechen einen an.“ Bei allgemeiner Unsicherheit, wird das Reisebüro vor Ort so wieder wichtig.

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